Brandschutz: „Schlechte Beratung wird hinterher teuer“

Hans-Paul Mink ist Inhaber eines Ingenieurbüros und seit vielen Jahrzehnten als ö.b.u.v. Sachverständiger mit dem Schwerpunkt Türen und Feuerschutztüren tätig. Im Interview berichtet er unter anderem über typische Fehler, die er immer wieder vorfindet.

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Dipl.-Ing. Hans-Paul Mink, Sachverständiger, Buchautor und Inhaber eines Ingenieurbüros im Gespräch mit M&T-Redakteur Jörg Dombrowski: „Auch muss der Verarbeiter lernen, das CE-Zeichen und die Leistungserklärung zu dokumentieren und zu lesen.“ Foto: M&T

M&T: Kürzlich ist die 2. Auflage Ihres Buches „Brandschutztüren, -tore und -fenster“ im Coleman-Verlag erschienen. Was sind die wichtigsten Neuerungen in dieser Auflage?
Hans-Paul Mink: Feuerschutzabschlüsse waren Jahrzehnte lang mehr oder weniger „statische“ Bauelemente. In den Anfängen der Bundesrepublik wurden sie, wie man heute sagen würde, als geregelte Bauprodukte angeboten – also auf Basis einer DIN-Norm gebaut und gekennzeichnet. Abweichungen wurden mit Zustimmungen im Einzelfall genehmigt. Diese hatten, im Gegensatz zu heute, jedoch „Allgemeingültigkeit“. 1966 wurde der Vorläufer des Deutschen Insitituts für Bautechnik (DIBt) als Institut für Bautechnik (IfBt) gegründet. Damit begann die Periode der Zulassungen. Ab 2006 gab es die modifizierten allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen, die einen Vorgriff auf das spätere Verfahren der CE-gekennzeichneten Feuerschutzabschlüsse darstellen soll. Bis zum 1. November 2016 waren die altbekannte „Trampelpfade“ – also allgemeine bauaufsichtliche Zulassung und Prüfzeugnis – nutzbar. Ab dem 1. November 2016 begann eine neue Periode, nun mit CE-gekennzeichneten Feuerschutzabschlüssen.

Diese Entwicklung vom geregelten Bauprodukt über Produkte nach Zulassung bis hin zum CE-gekennzeichneten Feuerschutzabschluss wird in dem Buch aufgezeigt und Neuerungen erläutert.

M&T: Warum sollte sich der Metallbauer, der sich mit dem Brandschutz beschäftigt, dieses Buch kaufen?
Mink: Als die Veröffentlichung der DIN EN 16034 absehbar war, habe ich beim DIBt nachgefragt, ob es für die Verarbeiter einen Leitfaden für die Umsetzung dieser Norm geben wird. Mitgeteilt wurde, dafür seien weder Personal noch Mittel eingeplant. Der Verarbeiter wird also allein gelassen. Er möge sich die Kenntnisse anlesen, da alle Informationen veröffentlicht sind. Viele Betriebe sind damit schlicht überfordert – dies kostet neben Nerven auch viel Zeit und Geld. Baujuristen sind den Verarbeitern weit überlegen, wie ich als Teilnehmer des letzten Deutschen Baugerichtstages lernen konnte. Deshalb habe ich die wichtigsten Neuerungen bezüglich der DIN EN 16034 und auch der Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmung in der zweiten Auflage aufgegriffen und erläutert.

M&T: Sie sind Experte für den Brandschutz. Wie kommentieren Sie das lange Hin und Her um die neue DIN EN 16034?
Mink: Hinsichtlich harmonisierter europäischer Produktnormen müssen sich die deutschen Verarbeiter umstellen. In den alten Produktnormen DIN 18081, DIN 18082 und DIN 18084, aber auch in anderen Normen, etwa der DIN 18250, sind die jeweiligen Produkte exakt definiert. Harmonisierte europäische Produktnormen bieten hingegen eine Auswahl verschiedener Eigenschaften, die vom Verarbeiter zu einem Produkt mit entsprechenden Leistungseigenschaften zusammengeführt werden müssen. Dies ist neu und für viele schwer nachvollziehbar.

Harmonisierte europäische Produktnormen haben verfahrensbedingt eine lange Bearbeitungszeit. Vom Anfang bis zur Veröffentlichung der Norm im Amtsblatt der EU kann das bis zu 18 Monate dauern. Dies ist ein Grund für die lange Zeit zwischen Verfügbarkeit der Norm bis zur Veröffentlichung im Amtsblatt der EU.

Ein weiterer Punkt waren Unklarheiten in der Norm. In DIN EN 16034 wird auf die Normen DIN EN 14351-1, prEN 14351-2 und DIN EN 13241-1 verwiesen, die jedoch alle nur für Abschlüsse ohne Anforderungen an Feuer- und Rauchschutz gelten. Zu DIN EN 14351-1 und DIN EN 13241-1 ist nun ein Amendment 2 veröffentlicht, der dies bereinigt. Dies war auch ein Baustein für die Verzögerung. Hinsichtlich der Anwendbarkeit der DIN EN 16034 für Feuerschutztüren für Innenanwendung ist das Hindernis das Fehlen einer harmonisierten europäischen Produktnorm in Form der DIN EN 14351-2.

M&T: Einiges ist im Zusammenhang mit der neuen Norm noch nicht geklärt. Worauf muss der Metallbauer achten?
Mink: Jeder Verarbeiter sollte sich die Grundzüge der europäischen Bauproduktenverordnung (EU) 305/2011 in der Fassung vom 16. Juni 2014 aneignen. Er sollte über die Grundzüge der CE-Kennzeichnung Bescheid wissen, aber auch die Anforderungen an eine Leistungserklärung (LE) kennen. Und er muss wissen, dass CE-Zeichen und Leistungserklärung immer zusammengehören.

Auch muss er lernen, das CE-Zeichen und die LE zu dokumentieren und zu lesen. Insbesondere sollte er darauf achten, ob das CE-Zeichen die Leistungseigenschaften angibt, die er haben will. Dabei geschehen die meisten Fehler.
Bezüglich der Veröffentlichung der EN 14351-2 muss er die einschlägigen Zeitschriften im Auge haben. Ich denke, die Veröffentlichung der EN 14351-2 wird auch in der M&T und anderen Medien der Verlagsgruppe bekanntgemacht werden.

M&T: Welche wichtigen praktischen Veränderungen bringt die neue Norm für den Metallbauer noch?
Mink: Neben all den Neuerungen zu Feuerschutzabschlüssen ist auf die zukünftige Änderung zu dicht- und selbstschließenden Türen zu achten. National gab es dazu bislang keine normativen Vorgaben. Mit dem Erscheinen der EN 14351-2 sind diese Türen wie Feuerschutzabschlüsse mit den entsprechenden Nachweisen zu behandeln. Auch darauf wird im Buch eingegangen.

M&T: Sie haben als ö.b.u.v. Sachverständiger gut zu tun. Welche Fehler finden Sie bei Ihren zu begutachtenden Schadensfällen immer wieder vor?
Mink: „Ham wer schon immer so gemacht – ham wer noch nie aners gemacht – werd scho stimme“ – dies treffe ich tagtäglich bei der Prüfung von Fenstern, Türen und Toren an. Einfachste Dinge, etwa Randabstände bei Befestigungen oder Montageuntergrund bei Ständerwänden, sind Klassiker.

Ein krasses Beispiel waren Türen in Ständerwänden, die am Boden klemmten. Schwere Türen waren an CW50-Profilen befestigt, was naturgemäß statisch nicht ausreichend ist. Ich empfahl, ein massives Vierkantprofil fünfzig mal fünfzig mal vier Millimeter hineinzustellen. Nicht im Traum habe ich daran gedacht, dass jemand das „hineinstellen“ wortwörtlich nimmt. Beim nächsten Abnahmetermin klemmten die Türen immer noch, obwohl hoch und heilig versichert wurde, das vorgeschlagene Profil hineingestellt zu haben. Hineingestellt ja, verankert nein – das war so schlimm, dass es wieder zum Lachen war.

Die größten Fehler passieren bei der Auswahl und Montage der Türen. Immer wieder gern genommen werden Fehler an Türen infolge fehlender oder ungeeigneter Eigenschaften zu Differenzklimaten. Daraus resultierende Fehler sind in der Regel Ursache für Gerichtsstreitigkeiten.

M&T: Welchen Rat können Sie dem Metallbauer geben, um solche Fehler zu vermeiden?
Mink: Klären Sie die Anforderungen und benennen Sie Grenzwerte, etwa für Verformungen oder Spalte, aber auch für Bedienkräfte. Wichtig ist auch, die Ausrichtung der Bauelemente zu prüfen – nach Süden oder Osten ausgerichtet, ergeben sich andere Belastungen, als bei einer Ausrichtung nach Norden. Prüfen Sie den Montageuntergrund – 36 Zentimeter Wanddicke sind nicht automatisch F90 und auch nicht automatisch ein fester Montageuntergrund. Die meisten Fehler werden vor der Bestellung gemacht, also in der Beratung und Klärung der Grenzen und Grenzwerte. Schlechte Beratung wird hinterher teuer!