Profilsysteme: „Wir bieten individuelle Lösungen“

Wie spart der Metallbauer Nerven und Zeit? Wie kann er seinen Betrieb wachsen lassen? Wie sieht innovative Kundenberatung aus? Lesen Sie, was der geschäftsführende Gesellschafter von Schüco, Andreas Engelhardt, antwortet.

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„Für uns ist wichtig, dass wir für den Metallbauer individuell arbeiten und dass wir ihm Lösungen bieten, egal ob er einen kleineren, mittleren oder großen Betrieb hat“, erklärt Andreas Engelhardt (rechts) im Gespräch mit M&T-Chefredakteur John Siehoff. Fotos: M&T

Wie unterstützen Sie den Metallbauer bei den komplexen Arbeitsprozessen in seinem Betrieb?
Für uns ist wichtig, dass wir für den Metallbauer individuell arbeiten und dass wir ihm Lösungen bieten, egal ob er einen kleineren, mittleren oder großen Betrieb hat. Und er selbst entscheidet darüber, welche Hilfe er braucht. Ist es zum Beispiel die Fertigungsplanung und -steuerung, ist es der gesamte Fertigungsablauf, der Maschinenpark, ist es die Logistik, bis hin zu allen digitalen Möglichkeiten, also von der Warenannahme bis hin zur maschinellen Steuerung, CNC, etc. Und wichtig ist, dass wir die Pakete individuell schnüren.

Wie wichtig sind Workshops, Schulungen und Trainings für den Verarbeiter?
Das ist das A und O. Die ständige Bereitschaft, seine eigene Mannschaft trainieren zu lassen, sich fortzubilden, unsere Trainingsangebote entweder im eigenen Betrieb oder am Schüco-Campus zu nutzen, bringt mehr Qualität, mehr Sicherheit und unterscheidet den Verarbeiter von anderen. Das ist ein großes Thema bei uns und die Kapazitäten, die wir heute bereitstellen, wollen wir verdoppeln.

Welche Rolle spielt die Betriebsgröße beim Einsatz der verschiedenen Schüco-Services?
Das ist ein wichtiger Punkt. Wir bieten individuelle Lösungen für kleine, mittlere und große Betriebe. Wir möchten natürlich, dass auch unsere Kunden in jeder Stufe mit uns wachsen und nicht auf der Stelle treten. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten und nur so wie sie es auch wollen. Und deswegen sind die Lösungen, die wir anbieten, auch darauf genau zugeschnitten.

Welche neuen Services planen Sie für den Verarbeiter?
Wir möchten, dass der Verarbeiter sich auf seine Kernkompetenz konzentrieren kann, also wir wollen ihm mit unterschiedlichen Servicemodulen die Arbeit leichter machen, so dass er für Qualität in der Vorfertigung und an der Baustelle verantwortlich ist. Alles das, was ihn im Tagesablauf nerven kann und ihn Zeit kostet – von der Konstruktion bis hin zur Auslieferung – das wollen wir durch digitale „Features“ einfacher machen. Ich sage immer, auf einen Knopfdruck muss die Bestellung oder das Angebot fertig oder die Datenübertragung sichergestellt sein.

Wie unterstützt der Schüco-Konfigurator den Verarbeiter bei der Kundenberatung?
Das ist eine tolle Neuheit, denn unser Kunde, unser Verarbeiter kann jetzt seinem Endkunden sozusagen in realer Wirklichkeit dreidimensional oder zweidimensional zeigen, wie das einzelne oder das Gesamtobjekt aussieht. Das ist etwas, woran der Endkunde große Freude hat, weil er praktisch sein fertiges Produkt sieht. Und die Verbindung zum Investor und zum Architekten ist auch gegeben.

Wie schätzen Sie die Bedeutung von BIM (Building Information Modeling) für den Fassadenbauer ein?
Sehr hoch. BIM ist für den Fassadenbauer fast schon ein Muss, aber auch eine große Chance, vor allem in Richtung Architekten und Investoren.

Wo sehen Sie die wichtigsten Aspekte von Industrie 4.0 für Ihre Kunden und für Ihre Firma?
Wichtig ist, dass sich keiner verrückt machen lässt. Wir wollen klar machen, dass es neben 4.0 auch 1.0 und 2.0 gibt. Und dass jeder Betrieb seiner Größe und seiner Marktposition entsprechend ausgebaut und weitergebracht werden soll. Das heißt, für uns ist es auch wichtig, von einem kleineren Unternehmen zu 2.0 zu gelangen, also sich etwa mit bestimmten digitalen Features zu beschäftigen. Und das schneiden wir individuell zu.

„Alles, was den Verarbeiter Zeit kostet, wollen wir durch digitale Features einfacher machen.“ Andreas Engelhardt, geschäftsführender Gesellschafter Schüco International

Welche Produktentwicklungsstrategie verfolgen Sie?
Wir betrachten alles, was sich um die Gebäudehülle tut und an der Schnittstelle zu unseren Gewerken ist. Unsere Produktentwicklung beschäftigt sich mit den Themen Sicherheit, Design, schmalen Ansichtsbreiten – dabei bieten wir Produkte, die gemeinsam mit unseren Kunden entstanden sind. Das Thema Lüftung ist ein großes Thema, das Thema Sonnenschutz am Gebäude haben wir auf der BAU gerade sehr präsent unter anderem mit dem Textilfassadensystem Facid vorgestellt. Das sind die Themen, die unsere Produktentwicklung massiv beeinflussen.

Welche Rolle spielt Ihr Technologiezentrum bei Ihren Entwicklungen und Prüfungen?
Unser Technologiezentrum spielt eine sehr große Rolle bei der Entstehung der Produkte, weil wir durch viele Tests normgerechte Qualität sicherstellen. Kein Produkt verlässt unser Haus in Serie, wenn es nicht diese zahlreichen Tests bestanden hat. Das Technologiezentrum ist im Übrigen ein unabhängiges Prüflabor, das heißt, alle Prüfungen werden so mit der erforderlichen Neutralität durchgeführt.

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„Die größte Fläche am Gebäude ist die Gebäudehaut, die Fassade“, sagt Engelhardt. „Und die Haut lebt, das heißt, die Fassade wird eine viel höhere und intensivere Sensorik erleben. Sie wird auf Umwelteinflüsse reagieren, auf das gesunde Leben und Arbeiten im Gebäude.“

Welche Bedeutung haben die Schüco-Showrooms für Sie und Ihre Verarbeiter?
Wir sind damit nah beim Kunden, nah beim Architekten, nah bei demjenigen, der unsere Produkte live erleben will. Deswegen machen wir das auch international. In der Zentrale in Bielefeld, sozusagen in unserem Herzstück, ist der Flagship-Store. Dort zeigen wir alle Produkte, Systeme, Maschinen, digitalen Einrichtungen, digitalen Features – alles das, was man in der gesamten Prozesskette kennt. In unseren übrigen Showrooms zeigen wir hauptsächlich unsere Systeme und Produkte in der Anwendung.

Sie bieten jetzt auch textile Fassaden an. Welche Einsatzmöglichkeiten sehen Sie?
Facid, so heißt das Produkt, ist die textile Fassade, eine Abrundung unseres gesamten Systems. Wir können nun sehr schnell, sehr einfach und auch in häufigem Wechsel die äußere Wirkung einer Fassade verändern, bis hin zum Bedrucken mit Werbung oder Motiven. Damit bieten wir dem Investor eine sehr schnelle Möglichkeit, sein Gebäude zu verändern – und dem Architekten sehr viel Gestaltungsmöglichkeit.

Welche Innovationen werden in den nächsten Jahren die Fassadenbranche bestimmen? Und wie werden Sie agieren?
Die größte Fläche am Gebäude ist die Gebäudehaut, die Fassade. Und die Haut lebt, das heißt, die Fassade wird eine viel höhere und intensivere Sensorik erleben. Sie wird auf Umwelteinflüsse reagieren, auf das gesunde Leben und Arbeiten im Gebäude. Weitere Aspekte sind der Austausch von Frischluft, die Lüftung, die Gebäudeautomation, die sozusagen sich auf die inneren und äußeren Verhältnisse einstellt. Insofern wird die Fassade als Gebäudehaut einen hohen Stellenwert haben. Und die Sensorik wird eine wesentliche Rolle spielen.

Wie gehen Sie als Hersteller mit Ihrer Verantwortung für die Nachhaltigkeit Ihrer Produkte um?
Für uns ist Nachhaltigkeit kein Trend, sondern eine Einstellung. Wir sind ein Familienunternehmen und wir tragen Verantwortung, wie wir mit unseren eigenen Ressourcen umgehen. Aber auch, wie wir produzieren, entwickeln, wie wir leben und wie wir unseren Mitarbeitern das Arbeiten ermöglichen. Hinzu kommen unsere Produkte und Systeme, und wir haben das große Glück, mit Aluminium einen Werkstoff zu haben, der lebenslang immer wieder recycelt werden kann. All diese Themen haben wir in dem ersten freiwilligen CSR-Report behandelt, den wir zu Beginn des Jahres vorgestellt haben. Die Betonung liegt auf „freiwillig“, aber wir machen das gerne, weil wir uns dieser Verantwortung stellen und zwar prüfbar stellen. Und wir sagen auch, wo wir noch nicht soweit sind, wann wir so weit sind. So geben wir uns Ziele und leben Nachhaltigkeit vor.

Welche Gefahren sehen Sie für eine stabile Baukonjunktur in Deutschland?
Kurzfristig sehe ich keine Gefahren. Die Entwicklung hängt allerdings maßgeblich von äußeren Einflüssen ab: Was passiert in anderen Ländern und hat Auswirkungen auf unsere Unternehmen – in Russland, in der Türkei, in den USA? Darauf achten wir ganz besonders. Deutschland wird in den nächsten Jahren sehr stabil sein, wenn wir den Wohnraum, den wir neu schaffen wollen, auch tatsächlich schaffen. Und dazu gibt es ja klare Pläne.