Abschied von Hans-Joachim Kunsch

Nach kurzer schwerer Krankheit ist der Berliner Metallgestalter, Restaurator und Kunsthandwerker Hans-Joachim Kunsch am 28. August 2020, zwei Tage nach seinem neunzigsten Geburtstag, verstorben. Die Metallhandwerksgemeinschaft verliert damit eine weithin bekannte, geachtete und geschätzte Persönlichkeit.

Schon während der Lehre hatte Hans-Joachim Kunsch zusätzlich an drei Abenden pro Woche die Meisterschule für das Kunsthandwerk in Berlin-Charlottenburg besucht. Am 2. August 1952 war dann die praktische Prüfung, die Kunsch als einer von nur zwei Meistern mit „sehr gut“ bestand. Für den Meisterbrief war er allerdings noch zu jung. Den bekam er erst an seinem 24. Geburtstag ausgehändigt.

Hans-Joachim Kunsch
Hans-Joachim Kunsch prägte als Metallgestalter das Berliner Stadtbild. Er wurde 90 Jahre alt.
Foto: M&T

Im Berliner Stadtbild präsent

Wie kaum ein anderer Metallhandwerksbetrieb hat die Firma Kunsch im Laufe der Jahrzehnte das Berliner Stadtbild geprägt. Schon in den sechziger Jahren übernahm der 1974 auch offiziell anerkannte Kunsthandwerker mehr und mehr gestalterische Arbeiten. 1964 zum Beispiel für die Kongresshalle am Alexanderplatz, 1965 das Wandbild am Haus des Reisens von Walter Womacka und 1969 wurde die Weltzeituhr gefertigt. Es folgten so bekannte Arbeiten wie im Jahr 1972 das sechs Meter mal 25 Meter große Kupferrelief am Haus des Reisen am Berliner Alexanderplatz und die Hallenbar im Palast der Republik im Jahr 1976.

Viele größere Arbeiten, zum Beispiel alle metallgestalterischen Objekte am Berliner Gendarmenmarkt, wurden gemeinsam mit den Kollegen der Einkaufs- und Liefergenossenschaft (ELG) bewältigt, in der sich auch Hans-Joachim Kunsch stark engagierte.

Engagiert für sein Handwerk

Auch weit über die Grenzen des eigenen Betriebes hinaus hat sich Hans-Joachim Kunsch immer stark für sein Metallhandwerk und speziell die Metallgestaltung engagiert. So war er zum Beispiel viele Jahre Landesfachgruppenleiter der Berlin/Brandenburger Metallgestalter und brachte seine Erfahrungen und Kenntnisse auch in der Bundesfachgruppe mit ein.

Hans-Joachim Kunsch, Redaktionsbeirat
2011 tagte der M&T-Redaktionsbeirat in Berlin. Eine gute Gelegenheit für Hans-Joachim Kunsch, den Kollegen seine Werke im Nikolaiviertel zu präsentieren. Auf diesem Bild ist das Gitter des Schiller-Denkmals am Berliner Gendarmenmarkt.
Foto: M&T

In den vielen Jahren seines beruflichen Schaffens wurde Hans-Joachim Kunsch mit diversen Auszeichnungen geehrt, die sein handwerkliches und unternehmerisches Können unterstreichen.

Zu diesen Auszeichnungen gehören die goldene Ehrennadel des Handwerks Ost, die Ehrenspange zur goldenen Ehrennadel (1981) und der Goethepreis des Magistrats von Berlin (1987). Nach der Wende folgten der Verdienstorden des Landes Berlin für die Mitarbeit bei der Gestaltung der Stadt Berlin (1993), die Silberne (2000) und die Goldene (2002) Ehrennadel des Bundesverbandes Metall.

Es wächst zusammen

Handwerklich war das Ostberliner Metallhandwerk auch unter sozialistischen Verhältnissen immer Spitze. „Wir haben nach der Wende ganz schnell festgestellt, dass es in Ost und West kaum Unterschiede in den handwerklichen Leistungen gab und wir fanden dann auch ganz schnell wieder eine gemeinsame Sprache. Ich wurde zum ersten Obermeister der Ostberliner Innung gewählt. Mit unseren Westberliner Kollegen sind wir uns sehr schnell einig geworden, dass es unsinnig ist, zweigleisig zu fahren. Beide Innungen wurden 1991 vereinigt“, erinnerte sich kürzlich Hans-Joachim Kunsch.

So schloss sich für den gestandenen Metallhandwerker der Kreis: „Als ich meinen Meisterbrief hatte, hat mich mein Vater als Mitinhaber mit in die Firma genommen. So habe ich es dann mit meinem Sohn auch gehalten. Mein Vater, war der letzte Obermeister von Ostberlin vor der Wende, ich war der letzte Obermeister von Ostberlin nach der Wende.“

Nun hat sich auch sein ganz persönlicher Kreis geschlossen. Wir werden den engagierten, verlässlichen, geradlinigen, grundehrlichen und kompetenten Metallhandwerker immer in guter Erinnerung behalten.

Jörg Dombrowski

Letzte Aktualisierung: 23.09.2020