Automatiktor: Schließkräfte zu groß

(August 2018) Der Sachverständige für das Metallbauerhandwerk sollte ein kraftbetätigtes Drehflügeltor begutachten. Dabei stellte er trotz regelmäßiger Wartung und jährlicher Prüfung des Tores zu große Schließkräfte fest.

Toranlage
Die Anlage wurde regelmäßig gewartet und geprüft und immer wurden dabei zu hohe Schließkräfte gemessen. Foto: BVM

Bei der Toranlage handelt es sich um eine Drehflügeltoranlage mit elektrohydraulischen Antrieb. Das Tor wird als Geländeabschluss genutzt. Es wurde regelmäßig gewartet und der jährlichen sicherheitstechnischen Prüfung unterzogen. Dabei waren immer zu hohe Schließkräfte gemessen und protokolliert worden. Die Schließkräfte konnten jedoch nicht weiter verringert werden. Weitere Maßnahmen waren aber auch nicht ergriffen worden.
Bestandsschutz gibt es in Zusammenhang mit Toranlagen nicht. Der Sachverständige führte eine Risikobeurteilung durch, die längst überfällig war.

Führen Sie eine Risikobeurteilung durch

Kraftbetätigte Toranlagen unterliegen der Maschinenrichtlinie. Gemäß Richtlinie 2006/42/EG (Maschinenrichtlinie - MRL) ist eine Risikobeurteilung unter Berücksichtigung des Nutzerkreises, der Betriebsart und der vorhersehbaren Fehlbedienungen durchzuführen. Hierzu sind grundsätzlich konkrete Angaben zu Nutzung, Bediener, Zyklenzahl, Steuerungsart oder Einbauort erforderlich.

Schließkräfte
Wenn bei der regelmäßigen Wartung oder der jährlichen sicherheitstechnischen Prüfung zu hohe Schließkräfte gemessen werden, müssen entsprechende Sicherheitseinrichtungen vorgesehen werden. Foto: GTE

Die Risikobeurteilung bildet die Grundlage für die Auswahl der unterschiedlichen Absicherungsmaßnahmen, die in den Normen DIN EN 12604 und DIN EN 12453 sowie in der ASR A1.7 gefordert werden. Daraus müssen dann konkrete Maßnahmen für die bestmögliche Absicherung abgeleitet werden.
Mit Hilfe der Tabelle lassen sich in Abhängigkeit von Einsatzort, Steuerungsart und den Nutzern/Bedienpersonen die notwendigen Mindestschutzniveaus für die Sicherung der Hauptschließkante ermitteln.
Die hierin mit den Buchstaben A bis E gekennzeichneten Schutzmaßnahmen sind:

  • A: Die unterwiesene Bedienperson kann das gesamte Tor einsehen und steuert die Bewegung des Tores durch dauerhafte Betätigung des Tasters. Die Fahrtgeschwindigkeit ist begrenzt auf 0,5 Meter pro Sekunde.
  • B: Die unterwiesene Bedienperson kann das gesamte Tor einsehen und steuert die Bewegung des Tores durch dauerhafte Betätigung des Tasters mittels Schlüsselschalter. Die Fahrtgeschwindigkeit ist begrenzt auf 0,5 Meter pro Sekunde.
Einrichtung C: Kraftbegrenzung oder Kontaktleisten
  • überwachte Kraftbegrenzungseinrichtung integriert in die Antriebseinheit (Motor und Steuerung): Hier erkennt die Antriebseinheit die steigende Leitungsaufnahme des Motors, wenn die Torbewegung gestoppt wird, oder durch eine Zeit- und Wegmessung, die durch das Anhalten der Torbewegung ausgewertet wird.
  • Absicherung durch Sicherheitskontaktleiste (Bewegungsrichtung).
Einrichtung D: Lichtschranke
Eine Einrichtung zur Erkennung der Anwesenheit einer Person oder eines Gegenstandes, der sich auf dem Fußboden auf einer Seite des Tores befindet.

Einrichtung E
Eine Einrichtung zur Erkennung der Anwesenheit, die so beschaffen und eingebaut ist, dass unter keinen Umständen eine Person vom bewegten Torflügel berührt werden kann. Das können sein:

  • Lichtgitter bis zu 2.500 Millimeter (maximaler Strahlabstand fünfzig Millimeter, siehe Baumusterprüfung),
  • voreilende Lichtschranke,
  • Scanner, Sensoren, die den gesamten Bereich überwachen.

Fazit: Erhöhen Sie das Schutzniveau
Im vorliegenden Fall bedeutete das einen Wechsel des Mindestschutzniveaus von „C und D“ zu „E“, was sich für ältere Toranlagen empfiehlt. Die sensorische Absicherung der Hauptschließkante führt dazu, dass sobald ein Hindernis erkannt wird, die Anlage stoppt. Die Kraftmessung erübrigt sich.
Hinweis 1:
Wichtig bei der Auswahl der Sicherheitseinrichtungen an kraftbetätigten Toren ist, dass diese der DIN EN 12978 entsprechen und mindestens Performance Level c (PL c) nach DIN EN ISO 13849-1 aufweisen. Das bedeutet, dass sich diese Sicherheitseinrichtungen eigenständig testen und im Falle einer Fehlfunktion zur Abschaltung führen.
Hinweis 2:
Für die ausführende Firma bedeutet die Ergänzung einer Anwesenheitserkennung eine wesentliche Veränderung der Toranlage, die zu einem neuen Konformitätsbewertungsverfahren nach der Maschinenrichtlinie inklusive CE-Kennzeichnung führt.

Torsicherheit

Ermitteln Sie das Mindestschutzniveau
Mit Hilfe der Tabelle lassen sich in Abhängigkeit von Einsatzort, Steuerungsart und den Nutzern/Bedienpersonen die notwendigen Mindestschutzniveaus für die Sicherung der Hauptschließkante ermitteln. Im vorliegenden Fall ist ein Wechsel des Mindestschutzniveaus von „C und D“ zu „E“ erforderlich.

BVM-Tore-Richtlinie
BVM-Tore-Richtlinie, Kap. 6.2 Mindestschutzniveau der Tore Quelle: BVM
Foto:

Fachregelwerk

Wichtige Informationen zum Thema finden Sie im Fachregelwerk Metallbauerhandwerk – Konstruktionstechnik im Kapitel 2.23.1. Die DIN EN 12453, DIN EN 12635, DIN EN 13241 und die ASR A1.7 sind im Volltext Bestandteil des Fachregelwerkes.

BVM-Tore-Richtlinie

Die BVM-Tore-Richtlinie beschreibt die normgerechte Fertigung und Montage von handbetätigten und kraftbetriebenen Drehflügeltoren und Schiebetoren für den Geländeabschluss von privaten, gewerblichen und öffentlichen Grundstücken.

Passend zum Thema haben wir für Sie eine Übersicht über die verwendbaren Bedien- und Sicherheitselemente bei den Sicherheitseinrichtungen C, D und E zusammengestellt.
Zur Übersicht
(Quelle: Fachregelwerk Metallbauerhandwerk – Konstruktionstechnik)

Karsten Zimmer, Geschäftsführer Technik beim Bundesverband Metall (BVM)

Letzte Aktualisierung: 30.08.2018