Bauabfälle: Vermeiden, sortieren, wiederverwerten

Bauabfälle sind Rohstoffe. Was sollte man bei der „Entsorgung“ von Verpackungen, Wertstoffen oder Problemabfällen beachten und wie lassen sich Bauabfälle vermeiden?

 201204 NL Bauabfallsmanagement Bild 2
Altmetalle haben eine hohe Recyclingquote, die aber stark von der korrekten Sortierung abhängt. Foto: Schrott & Metallhandel Herrmann, Frank Ogonjack

Ob im Betrieb oder auf Baustellen – Metallhandwerker sind täglich mit Verpackungsmüll oder Bauabfällen konfrontiert. Werden beispielsweise Fenster ausgetauscht, fallen meistens gleich mehrere Abbruchmaterialien an: Dämm-, Ziegel-, Gipskarton-, Mörtel- und Putzreste sowie die Altfenster samt Beschlägen. Nach dem Auspacken der neuen Fenster türmen sich Verpackungsmaterialien in Form von Pappen, Folien und Styropor. Montageschaumdosen, Bauschutt und Restmüll bleiben nach dem Einbau übrig. Das sorgt immer wieder für Unmut, aber auch für Unsicherheiten, wie man alles richtig „entsorgt“.

201204 NL Bauabfallmanagement Bild 1
Angesichts der enormen Mengen spielen Bauabfälle eine wichtige Rolle für eine geschlossene Kreislaufwirtschaft. Grafik: Monitoring-Bericht Kreislaufwirtschaft Bau, Bundesverband Baustoffe - Steine und Erden e.V.

Die Baustelle als Müll- und Ressourcenquelle

Der Bausektor gehört zu den besonders ressourcen- und abfallintensiven Wirtschaftsbereichen. Mit rund 215 Millionen Tonnen machten Bau- und Abbruchabfälle laut einem 2019 erschienenen Monitoring-Bericht der Kreislaufwirtschaft Bau im Jahr 2016 den Großteil (53,4 Prozent) am gesamten Brutto-Abfallaufkommen in Deutschland aus. Von den 215 Millionen Tonnen konnte das meiste als mineralischer Rohstoff wieder verwertet werden. Problematisch waren die restlichen sieben Prozent Baumischabfälle (siehe Infokasten), das entspricht rund 14 Millionen Tonnen. Davon wurden nur 1,6 Prozent recycelt. Der Rest wurde „thermisch verwertet“ (verbrannt), verfüllt oder deponiert und damit dem Wertstoffkreislauf entzogen, obwohl Baumischabfälle auch wiederverwertbare Metalle und Kunststoffe enthalten. Angesichts der enormen Mengen kommt Bau- und Abbruchabfällen eine Schlüsselrolle für eine geschlossene, ressourcenschonende und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Kreislaufwirtschaft zu.
Im Umgang mit Abfällen hat sich die Bauwirtschaft deshalb drei wichtige Ziele gesetzt: Erstens deren Entstehung möglichst zu vermeiden, etwa durch die Erhaltung bestehender Bausubstanz und auf lange Nutzungsdauer ausgelegte Konstruktionen. Zweitens nicht vermeidbare Abfälle im Wirtschaftskreislauf zu halten, etwa durch eine recyclinggerechte Konstruktion, einen recyclinggerechten Baustellenbetrieb und Abbruch. Drittens die Beseitigung von Bau- und Abbruchabfällen auf das notwendige Maß zu beschränken, respektive umweltgerecht umzusetzen. Damit sollen natürliche Rohstoffe und Deponieraum eingespart, die Umwelt geschont sowie nationale und europäische Ziele unterstützt werden, etwa das Kreislaufwirtschaftsgesetz oder die europäische Abfallrahmenrichtlinie.

Was kann jeder tun?

Obige Ziele lassen sich nur mit der gemeinsamen Anstrengung aller am Bau Beteiligter erreichen. Handwerker können sowohl im eigenen Unternehmen als auch auf Baustellen einiges tun, denn dort fallen große Mengen unterschiedlicher Abfälle an. Der beste Abfall ist allerdings jener, der erst gar nicht entsteht. Das fängt schon beim Einkauf an: wer Material wohlüberlegt einkauft, so dass wenig übrig bleibt, erzeugt weniger Abfall. Bei einem Projekt übrig gebliebene Stahl-/Metallprofile, Lack-, Isolier-, Dämmmaterial- oder Folienreste können beim nächsten Auftrag verarbeitet oder in Tausch- oder Restebörsen online angeboten werden. Auch eine gut organisierte Lagerhaltung hilft dabei, Vorhandenes optimal zu nutzen. Im Unternehmen verwendete Materialien, Baustoffe, Betriebs- und Hilfsmittel sollten hinterfragt und gegebenenfalls durch umweltfreundliche Alternativen ersetzt, respektive mehrfach verwendet werden, beispielsweise Abdeckfolien oder Farbeimer.
„Zero-Waste“-Betriebe oder Baustellen gibt es nicht. Deshalb sollte die Sammlung, Lagerung und Entsorgung von Abfällen geplant und organisiert werden – um Arbeitsabläufe nicht zu behindern, Kosten zu sparen und Vorgaben zu erfüllen. Neben der Frage, welche Sorten von Abfall wann und in welchen Mengen anfallen, sollte man daher insbesondere bei neuen Baustellen rechtzeitig klären, wie und wo man Abfall am besten sammelt und wer dafür verantwortlich ist. Gemäß Gewerbeabfallverordnung (siehe unten) sind im Betrieb und auf Baustellen anfallende Abfälle noch vor Ort sortenrein zu trennen und in getrennten Behältern zu lagern. Dafür muss aber Platz vorgehalten, der Abtransport organisiert, das nötige Wissen erworben und die Mitarbeiter motiviert werden.

Was fordert die Gewerbeabfallverordnung?

Um eine möglichst hochwertige Abfallverwertung zu gewährleisten, schreibt die 2017 novellierte Gewerbeabfallverordnung (GewAbfV) vor, dass Betriebe ihre gewerblichen Abfälle sowie Bau- und Abbruchabfälle bereits an dem Ort trennen, wo sie entstehen. Zur Förderung des Abfallrecyclings lässt die novellierte Verordnung eine energetische Verwertung nur noch in Ausnahmefällen zu. Für folgende zehn Abfallkategorien (Fraktionen) der Bau- und Abbruchabfälle sieht die GewAbfV eine Getrenntsammlung vor: Metalle, Dämmmaterial, Kunststoffe, Baustoffe/Gips, Holz, Glas, Beton, Bitumen, Fliesen/Keramik und Ziegel.
Neu ist auch die Dokumentationspflicht: Die Mengen der getrennt gesammelten Abfälle sind ebenso zu dokumentieren wie die Abfallmengen, die wegen technischer oder wirtschaftlicher Unzumutbarkeit nicht getrennt gesammelt werden konnten. Diese „Mischabfälle“ sind einer Vorbehandlungs- oder Aufbereitungsanlage zuzuführen. Für Bauhandwerker zieht die Novelle einen erheblichen Aufwand nach sich: so müssen im Extremfall bis zu zehn Container im Betrieb und auf der Baustelle aufgestellt werden. Nur in wenigen Fällen lässt die Verordnung Ausnahmen zu: wenn die Mindestmenge an Abfällen pro Baustelle zehn Kubikmeter nicht überschreitet oder wenn die Getrenntsammlung technisch oder wirtschaftlich nicht zumutbar ist. In der Praxis werden die Vorgaben beim Abfallerzeuger und auf Baustellen wegen des hohen Aufwands kaum umgesetzt. Das kann angesichts hoher Bußgelder allerdings teuer werden (siehe auch: www.zdh.de/fachbereiche/wirtschaft-energie-umwelt/umweltpolitik-nachhaltigkeit/gewerbeabfallverordnung ).

Fazit: Umweltschutz geht alle an
Umweltthemen haben Konjunktur und die Vermeidung von Abfall, das Recycling oder die Wertstoff-Wiederverwertung haben in vielen Betrieben einen hohen Stellenwert. Dass mit jedem neuen Projekt die Container insbesondere mit Verpackungsabfällen dennoch regelmäßig überquellen, frustriert alle Beteiligten. Der Abfall- und Verpackungsmaterial-Flut Herr werden kann man allerdings nur, wenn alle Beteiligten mitmachen: Bauprodukthersteller, Handwerker und nicht zuletzt die Bauherren/Verbraucher.
Auch deren manchmal überzogene Ansprüche, Empfindlichkeiten und eine geringe Toleranzbereitschaft haben zur überbordenden Verpackungs-Manie beigetragen, weil Hersteller durch Transport- und Lagerschäden bedingte Reklamationen fürchten. Bauprodukthersteller stehen ebenso in der Pflicht wie Handwerker. Letztere sollten bei den Lieferanten/Herstellern übertriebene Verpackungen bemängeln und auf eine Rücknahme von Transportverpackungen bestehen, zu der sie rechtlich verpflichtet sind. Außerdem sollte bei der Produktauswahl – neben der Produktqualität – auch die Nachhaltigkeit und die Verpackung beachtet werden. Nur so lässt sich mittel- und langfristig etwas verändern.

Entsorgung

201204 NL Bauabfallsmanagement Bild 3
Leere Bauschaum-Dosen sind ein großes Problem am bau, denn sie sind Sondermüll und dürfen weder im Bauschutt- noch im Mischcontainer oder im Verpackungsmüll landen! Foto: Marggraf, Deutsche Umwelthilfe

Schutt, Abfall oder Sondermüll?
Da die Entsorgungskosten für Baumischabfall deutlich höher sind als für Bauschutt, werden beim Rückbau vor dem eigentlichen Abriss möglichst viele Stoffe, die nicht zum Bauschutt gehören, entfernt. Zum Bauschutt gehören alle mineralischen Stoffe, wie Sand, Backsteine, Natursteine, Mörtel, Putz, Dachziegel, Beton, Zement, Estrich, Sanitärkeramik, Fliesen, Kacheln oder Feinsteinzeug. Baumischabfälle sind Gläser, Glasbausteine, Bauholz, Metall und Schrott, Gipskarton und Tapeten, Porenbeton, Kabel und Rohre, Dämmstoffe, Isolierungen, Türen und Fenster, Verpackungen und Kunststoffe. Zum Sondermüll gehören Materialien, die Schadstoffe enthalten, zum Beispiel PCB-haltiges Altholz, Lackreste, Bauschaumdosen, Schamottsteine oder Asbestzementplatten.

201204 NL Bauabfallmanagment Bild 4
Ein großer Teil des Plastikmülls landet in der Umwelt und letztlich in den Meeren. Grafik: Plastikatlas2019, BUND, Heinrich Böll Stiftung

Was, wie „entsorgen“?

Altholz: … sollte man gemäß Altholzverordnung getrennt sammeln, auch um Kosten zu sparen. Während sich naturbelassenes oder verleimtes, beschichtetes und lackiertes Altholz ohne halogenorganische Beschichtungen oder Holzschutzmittel stofflich verwerten lässt, wird Altholz mit halogenorganischen Beschichtungen mit oder ohne Holzschutzmittel thermisch verwertet. Mit polychlorierten Biphenylen (PCB) behandeltes Altholz ist Sondermüll.
Altfenster: … können beim Recycling- oder Wertstoffhof kostenpflichtig abgegeben werden. Holzfenster sind Sondermüll, weil sie meist PCB-belastet sind. Kunststofffenster lassen sich zum Beispiel über www.rewindo.de dem Wertstoffkreislauf zuführen. Zuvor sollte man grundsätzlich das Glas entfernen, um Kosten zu sparen und über den Altglascontainer entsorgen. Fensterbeschläge oder Aluminiumfenster nehmen Schrotthändler an. Historische Fenster kann man in Online-Börsen (zum Beispiel www.bauteilnetz.de) anbieten.
Altmetalle: … haben eine hohe Recyclingquote, die aber von einer korrekten Sortierung abhängt. Verbundstoffe sollten nach Möglichkeit getrennt werden. Metallschrott kann kostenfrei auf Wertstoffhöfen abgegeben werden. Sinnvoller ist eine Sammlung im firmeneigenen Schrottcontainer, der vom Metallhändler abgeholt und nach Schrottgewicht vergütet wird. Die Preise pro Tonne reichen von 150 Euro für Alteisen bis 5.000 Euro für Kupfer. Man kann Schrott aber auch kreativ verarbeiten: https://oekobuch.de/buecher/schrott-kreativ
Flüssigkeiten: … wie Schmierstoffe, Farben, Lösemittel, Säuren oder Laugen können das Grundwasser, Böden oder die Luft verseuchen und dürfen nicht über die Restmülltonne oder das Abwasser entsorgt werden. Diese Problemstoffe müssen in speziellen Behältern gelagert und über gewerbliche Entsorger beseitigt werden. Bohr-, Schleif- oder Schneidöle lassen sich wiederaufbereiten.
PU-Dosen: Ausgehärteter Bauschaum kann über den Restmüll entsorgt werden, nicht jedoch Bauschaum-(PU-)Dosen! Sie sind Sondermüll und dürfen weder im Bauschutt- noch im Mischcontainer oder im Verpackungsmüll landen, sondern müssen bei kommunalen Schadstoffhöfen oder Schadstoffmobilen abgegeben werden. Es gibt auch Rücknahme- und Recyclingdienstleister, zum Beispiel www.pdr.de
Verpackungen: Pappen kann man als Altpapier, Folien und Polystyrol in gelben Säcken/Tonnen kostenfrei abgeben. Für Transportverpackungen haben Händler und Lieferanten laut Verpackungsgesetz eine kostenlose Rücknahmepflicht. Werden Verpackungsabfälle auf der Baustelle gelagert, dann sollten sie sortiert, restentleert, trocken und sauber sein (Säcke ausschütteln, Eimer oder Dosen pinsel-/spachtelrein etc.).

Weitere Infos und Quellen*

ARV Baustoffrecycling Schweiz (www.arv.ch), Blauer Engel
(www.blauer-engel.de), BRV - Österreichischer Baustoff-Recycling Verband (www.brv.at), Bundesgütegemeinschaft Recycling-Baustoffe e.V. (www.recycling-bau.de), Bundesverband Sekundärrohstoffe (www.bvse.de), Bundesvereinigung Recycling-Baustoffe e. V. (www.recyclingbaustoffe.de), Deutscher Abbruchverband
(www.deutscher-abbruchverband.de), Initiative Kreislaufwirtschaft Bau (www.kreislaufwirtschaft-bau.de), Schmitt Recycling und
Entsorgung (https://schmitt-recycling.de), Umweltbundesamt (www.umweltbundesamt.de)
[1] Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern in Baden-Württemberg (Hrsg.): Abfallentsorgung im Handwerk, Eigenverlag, Stuttgart, 2019, Download: www.handwerk-bw.de/service/
publikationen/schriftenreihe
[2] Arbeitsgemeinschaft Abfallberatung in Unterfranken (Hrsg.): Der umweltverträgliche Betrieb – Metallhandwerk, Eigenverlag, Kitzingen, 2000, Download: www.abfallberatung-unterfranken.de/projekte/gewerbeabfallkonzepte.html
[3] Kommunale Abfallwirtschaft Landratsamt Kitzingen (Hrsg.): Abfälle am Bau. Der umfassende Ratgeber zur Verwertung und Entsorgung von Bauabfällen, Eigenverlag, Kitzingen, 2019, Download: www.abfallwelt.de/service/downloadcenter/infobroschueren
[4] Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, LUBW (Hrsg.): Abfallvermeidung in der Baubranche, Eigenverlag, Stuttgart, 2016, https://um.baden-wuerttemberg.de/de/service/
publikationen, Suche: Abfallvermeidung
[5] Zentralverband des Deutschen Handwerks (Hrsg.): Die neue
Gewerbeabfallverordnung, Eigenverlag, Berlin, 2017, Download: www.zdh.de/presse/publikationen/info-flyer/die-neue-
gewerbeabfallverordnung
* Auswahl, ohne Anspruch auf Vollständigkeit

Autor: Dipl.-Ing. (Architektur) Marian Behaneck aus Jockgrim ist Fachautor mit zahlreichen Buch- und Artikelveröffentlichungen zum Thema EDV- und CAD-Einsatz im Bauwesen.

Letzte Aktualisierung: 01.12.2020