Betonstahl: Falsch abgeschnitten

(November 2018) Um Platz für den Einbau eines Treppenelementes aus Beton zu schaffen, wurde einfach eine Reihe von Bewehrungsstäben abgeschnitten. Warum das nicht geht und was zu tun ist, erfahren Sie im Schadensbericht.

Betonstahl
So ist es richtig. Die Bewehrungsstäbe der obersten Treppenstufe überlappen dreißig Zentimeter in den Podestbereich. Fotos: Sternberger

Ein Architekt hatte den Sachverständigen gebeten, schnellstmöglich einen Ortstermin auf einer Baustelle durchzuführen. Bei dem Projekt handelte es sich um einen Neubau zu einem Schnellrestaurant mit Parkdeck. Die zu begutachtende Treppe führte zum Parkdeck des Restaurants. Der Einbau des aus Beton hergestellten Treppenelementes, das mit einem Kran durch die Treppenraumöffnung eingebracht wurde, führte zu Problemen. Eine Reihe von Bewehrungsstäben, die an der obersten Stufe des Treppenelements auskragten und als Verbindung und Überlappung zum Treppenpodest bestimmt waren, störten beim Einbau der Treppe in die Endposition. Ein Bauarbeiter hatte daraufhin ohne Rücksprache mit seinem Verantwortlichen die störenden Bewehrungsstäbe abgeschnitten und das Treppenteil in seiner Endlage positioniert. Die abgeschnittenen Bewehrungsstäbe waren allerding aus statischer Sicht notwendig.
Bei der Fragestellung an den Sachverständigen ging es deshalb um die Möglichkeit von Reparaturschweißungen an Bewehrungsstählen der Betontreppe im Podestbereich zum Obergeschoss.

Suchen Sie Lösungsmöglichkeiten

Die untere Reihe der Bewehrungsstäbe an der Treppe zum Podest wurde ohne Freigabe durch den Statiker unverhältnismäßig weit gekürzt. Der Statiker forderte an dieser Stelle dreißig Zentimeter Überschneidung der Bewehrung in den Podestbereich. Die unterschiedlich weit gekürzte Reihe bestand aus zehn Stäben mit einem Durchmesser von acht Millimetern. Dabei blieben Reste der Bewehrungsstäbe von mindestens vierzig Millimeter bis hin zu etwa 150 Millimeter stehen.
Der Architekt stellte nun die Frage, ob aus fachlicher Sicht die Bewehrungsstäbe auf das vom Statiker geforderte Maß durch Schweißen verlängert werden dürfen und wie eine Reparatur durchgeführt werden kann.
Beim Ortstermin, zu dem sich Architekt und Sachverständiger trafen, wurde über die aktuelle Situation an der Treppe und dem Podest gesprochen. Es wurden Lösungsmöglichkeiten besprochen, um die vom Statiker geforderten Überlappungen der Bewehrungsstähle im Podestbereich zu erreichen. Für die Dokumentation wurde der Podest- und Treppenbereich vermessen und fotografiert. Zum Schluss wurde der Sachverständige beauftragt, die Voraussetzungen zur Reparaturschweißung von Betonstählen durch qualifiziertes Personal und die Schweißeignung des Materials herauszuarbeiten. Der Tragwerksplaner war in die Lösung des Problems mit einzubeziehen.

Beachten Sie die Regelungen

abgeschnittene Bewehrungsstähle
Der Schaden. In der Bildmitte sieht man einen der zehn fehlerhaft abgeschnittenen Bewehrungsstähle.

Eine zusammenfassende Hilfe für die Beantwortung der gestellten Frage findet sich im Fachbuch „Schweißen im Metallbau“ unter Punkt 3.4.3.3 Schweißeignung. Hier steht unter anderem, dass moderne Betonstähle über eine gewährleistete Schweißeignung mit den gebräuchlichen Schweißverfahren verfügen. Es steht außer Frage, dass an den gekürzten Bewehrungsstäben Schweißarbeiten ausgeführt werden können. Allerding gibt es Anforderungen an das Personal, welches Schweißarbeiten an Betonstählen ausführen darf. Hierzu steht ebenfalls unter Punkt 3.4.3.3, dass der Hersteller geschweißter Betonstahlverbindungen einen gesonderten Eignungsnachweis benötigt. Weiter hat nach DIN EN ISO 14731 Schweißaufsicht; Aufgaben und Verantwortung eine Schweißaufsichtsperson mit speziellen Kenntnissen für das Schweißen dieser Werkstoffe die Reparaturschweißung zu beaufsichtigen.

Fazit: Planen Sie die Lösung

Ein herausgearbeiteter Vorschlag zur Reparatur war, je zwei Bewehrungsstäbe überlappend, rechts und links, an die Bewehrungsreste anzuschweißen. Die Gesamtlänge aller verlängerten Bewehrungen sollte dreißig Zentimeter betragen. Anschließend sollten die Bewehrungsstäbe am Stabende mit einem durchgehenden zusätzlichen Bewehrungsstab verbunden werden.

Das sollten Sie beachten
- Bewehrungsstäbe an Fertigbauteilen sollten ohne Rücksprache mit Verantwortlichen nicht abgeschnitten werden.
- Die Aufsicht über Schweißarbeiten an Bewehrungsstäben erfordert spezielle Kenntnisse über die Eigenschaften des Materials „Betonstähle“.
- Nur speziell geschultes Schweißpersonal darf an Betonstählen im bauaufsichtlichen Bereich schweißen.
- Reparaturmaßnahmen an Betonstählen sind mit dem Tragwerksplaner abzustimmen.


Passend zum Thema haben wir für Sie Infos zu Betonstählen zusammengestellt.
Zu den Infos

German Sternberger, ö.b.u.v.S.

Letzte Aktualisierung: 03.12.2018