Biegetechnik: Vorsicht bei älteren Maschinen

Kaum eine Metallbauwerkstatt kommt ohne Maschinen für das Schwenk- oder Gesenkbiegen aus. Gerade bei handbeschickten Maschinen sollten die Schutzmaßnahmen nicht unterschätzt werden. Dieser Unfallbericht von der Berufsgenossenschaft Holz und Metall zeigt wie aktuell und ernst das Thema ist.

Biegemaschinen Bleche Unfall Fußschalter Biegetechnik
Beim maschinellen Biegen von Blechen wirken hohe Kräfte und die Bleche werden bewegt. Beide Prozesse bergen die Gefahr von Unfällen und Verletzungen der Mitarbeiter, die die Biegemaschine bedienen. Gerade alte Maschinen sind besonders gefährlich. Foto: Schröder Maschinenbau

Beim maschinellen Biegen von Blechen wirken zum einen vergleichsweise hohe Kräfte und es kommt zum anderen zu einer Bewegung der umgeformten Bleche. Beide Prozesse bergen in sich die Gefahr von Unfällen und Verletzungen der Mitarbeiter, die die Biegemaschine bedienen. Zumal es gerade bei handbeschickten Maschinen oft unvermeidlich ist, dass der Bediener das Werkstück festhält beziehungsweise führt und sich dadurch nahe der Maschine im Bewegungsbereich der Bleche aufhalten muss. Gerade alte Maschinen sind besonders gefährlich.

Zu hohe Schließgeschwindigkeit


Ein Mitarbeiter wollte an einer Schwenkbiegemaschine mehrere Winkel biegen. Wie an Maschinen älteren Baujahrs üblich (hier Baujahr 1964) spannte er dazu die Werkstücke mit einem zweipedaligen Fußschalter. Der genaue Unfallhergang konnte zwar noch nicht endgültig geklärt werden, jedoch muss der Mitarbeiter das Werkstück beim Spannen mit beiden Händen gehalten und gleichzeitig durch Betätigen des Fußschalters die weit geöffneten Wangen zusammengefahren haben. Durch den schnellen Schließvorgang war es ihm wahrscheinlich nicht mehr möglich, die Hände rechtzeitig aus dem Gefahrenbereich zu ziehen. Sie wurden im Bereich der Handgelenke so stark gequetscht, dass sie später wieder replantiert werden mussten.

Wie bei vielen älteren Modellen entsprach der Sicherheitsstandard auch dieser Maschine zwar dem Jahr der Inbetriebnahme, eine der Betriebssicherheitsverordnung entsprechende Nachrüstung hat jedoch nie stattgefunden. Die Maschine war zeitweise außer Betrieb, ist aber eben nie komplett stillgelegt worden.

Sicherheitstechnik nachrüsten


Aufgrund des relativ hohen Unfallgeschehens an Schwenkbiegemaschinen empfahl das dafür zuständige Sachgebiet der DGUV bereits im Jahr 2003, bei Schwenkbiegemaschinen älteren Baujahrs mit Auslösung der Spannbewegung durch Fußschalter die Nachrüstung mit folgenden Schutzmaßnahmen:

  • Zweipedaliger Dreistellungsfußschalter, wobei in der Regel das linke Pedal die Oberwange und das rechte Pedal die Biegewange steuert.
  • Die Schaltstellungen des linken Pedals sollten folgende Schaltfunktionen besitzen:
    Stellung 1: Pedal unbetätigt - Oberwange in Ausgangsstellung.
    Stellung 2: Pedal gegen Druckpunkt – Schließvorgang der Oberwange in Tippschaltung. Die Spannbewegung muss bei einer Position von 15 Millimeter oberhalb des Blechs selbsttätig stehen bleiben (Zwischenstopp). Erst bei erneuter Betätigung des Pedals fährt die Oberwange in die Endlage. Bei Loslassen des Pedals muss die Oberwange jederzeit stehen bleiben.
    Stellung 3: Pedal ganz durchgedrückt – Oberwange öffnet sich für die Dauer der Betätigung bis auf einen Abstand von mindestens achtzig Millimeter zur Werkstückauflageebene.
  • Die Schaltstellungen des rechten Pedals sollten folgende Schaltfunktionen besitzen:
    Stellung 1: Pedal unbetätigt - Biegewange in unterster Ruheposition.
    Stellung 2: Pedal gegen Druckpunkt – Start des Biegewangenzyklus, falls sich die Oberwange in Spannposition befindet.
    Stellung 3: Pedal ganz durchgedrückt – falls Oberwange nicht in Spannposition, fährt die Oberwange für die Dauer der Betätigung auf. Falls Oberwange in Spannposition, Stopp der Biegewange und Auffahren der Oberwange für die Dauer der Betätigung.
    Wegen der vorhandenen Gefährdung sollen Maschinen älteren Baujahrs mindestens mit einem Zwischenstopp bei 15 Millimeter oberhalb des Bleches nachgerüstet werden.

Bei Zweipersonenbedienung besondere Vorsicht


Bei Bedienung der Maschinen durch zwei Personen (mit Biegehelfer) muss ein zweiter Fußschalter mit den gleichen Funktionen und zusätzlicher Gleichzeitigkeitsüberwachung vorhanden sein. Diese muss sicherstellen, dass der Befehl „Spannen“ innerhalb von drei Sekunden durch beide Fußschalter eingeleitet wird. Erfolgt dies nicht, müssen die Stellteile erst wieder die Ruhelage einnehmen, bevor ein erneuter Spannbefehl eingeleitet werden kann. Zudem wird ein abschließbarer Betriebsartenwahlschalter zum Umschalten von Ein- auf Zweipersonenbetrieb gefordert.

Die an das Spannen anschließende Schwenkbewegung der•Biegewange darf erst gestartet werden, wenn der Spannvorgang abgeschlossen ist. Beim Biegen selbst sichern die auf jeder Seite angebrachten Abweisbleche die Quetsch- und Seherstellen zwischen Maschinenständer und Biegewange. Für das Stillsetzen der gefahrbringenden Bewegung muss außerdem am Bedienpult oder in unmittelbarer Nähe eine von Hand zu betätigende Not-Halt-Einrichtung vorhanden sein. Für Schwenkbiegemaschinen mit mehr als 2,50 Metern Länge müssen mindestens zwei von den Bedienplätzen aus leicht erreichbare Not-Halt-Einrichtungen oder eine über die gesamte Länge angebrachte Schaltleine oder Schaltstange vorhanden sein.
(Quelle: Ingeborg Ambs, BGHM)

Letzte Aktualisierung: 19.07.2017