Bundesverband Metall: „Ohne offenen und ehrlichen Dialog geht nichts“

(November 2018) Die Mitgliederversammlung des BVM hat Dipl.-Ing. Markus Jäger am 18. September 2018 in Berlin einstimmig zum Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Metall gewählt. Im Interview gibt er Auskunft zu seinen wichtigsten Anliegen und Zielen.

Markus Jäger
„Neue digitale Formate eröffnen neue Wege der Zusammenarbeit und Kommunikation untereinander und mit den Metallbetrieben“, prognostiziert BVM-Hauptgeschäftsführer Markus Jäger. Foto: BVM

Herr Jäger, wir gratulieren herzlich zu Ihrer Wahl! Wo liegt für Sie der besondere Reiz dieser Aufgabe? Wo sehen Sie die Herausforderung?
Herzlichen Dank! Ja, dieses Votum hat mich sehr gefreut und ich fühle mich bereits sehr gut aufgenommen in meiner neuen Position. Zu Ihrer Frage: Unsere Mitgliedsunternehmen sind mehr denn je gefordert, sich bei sich rasant ändernden Marktanforderungen auf die Zukunft einzustellen. Das gilt insbesondere auch für das innovative Metallhandwerk mit seinem äußerst breit aufgestellten Leistungsspektrum. Wir reden hier vom mittelständischen Stahl- und Metallbaubetrieb genauso wie vom Feinwerkmechaniker, der als High-Tech-Zulieferer auf internationalen Märkten unterwegs ist. Diese Herausforderung gilt genauso für uns Verbände als Interessenvertreter der Betriebe. Dabei möchte ich mich tatkräftig einbringen, gemeinsam mit den Beteiligten in den Metallverbänden. Es geht darum, den Verband zukunftsfest zu gestalten, um den Mitgliedern, die uns tragen, die bestmögliche Leistung anbieten zu können. Das ist eine gemeinsame Aufgabe, vor der ich großen Respekt habe und die mich gleichzeitig enorm reizt.

„Innung, Landes- und Bundesebene sind gemeinsam erfolgreich, wenn sie vernetzt arbeiten.“ Markus Jäger, BVM

Sie kennen durch Ihre Stationen als Technischer Berater beim Fachverband Metall NRW und anschließend beim Bundesverband den Verband und seine aktuellen Aktivitäten sehr genau. Sie erwähnten soeben das Stichwort Zukunftsfestigkeit. Wo sehen Sie Ihre Schwerpunkte in den ersten hundert Tagen Ihrer neuen Aufgabe? Was greifen Sie auf, wo liegen Ihre ersten Prioritäten?
Stimmt, ich fange nicht ganz vorn an. Konkret sehe ich für die nahe Zukunft zwei wichtige Meilensteine: Zum einen befasst sich die Mitgliederversammlung des Bundesverbandes Metall aktuell mit einer strukturellen Neuausrichtung, was die finanzielle und inhaltliche Zukunftsfestigkeit angeht. Als gelernter Kaufmann und Ingenieur bin ich froh mich dabei ideal einbringen zu können. Zum anderen haben wir aktuell eine Vielzahl von Hilfestellungen für die Betriebe im Metallhandwerk entwickelt und herausgegeben und es sind einige in Kürze startreif. Aktuelle Beispiele sind die neue Statiksoftware MetallStat, neue Statik-Services, eine neue Geländerrichtlinie, die demnächst erscheint. Darüber hinaus folgen in Kürze digitale Lösungen für unsere Betriebe, etwa im Bereich Qualitätsmanagement. Zukunftsfestig­keit bedeutet für uns als Verband auch, sämtliche Dienstleistungen für die Betriebe von Beginn an immer auch digital zu denken. Die ersten Schritte sind getan, die Mitglieder dürfen sich auf weitere Angebote freuen die Ihnen die Arbeit erleichtern werden und für Rechtssicherheit sorgen.

„Innungs-Mitglieder dürfen sich auf weitere Angebote freuen die Ihnen die Arbeit erleichtern werden.“ Markus Jäger, BVM

Die Auftragsbücher der Metallbauer und Feinwerkmechaniker sind voll. Die BVM-Konjunkturdaten weisen den Fachkräftebedarf als das momentan wichtigste Zukunftsthema aus. Welche Impulse wollen Sie dabei mit dem BVM setzen?
Eine unserer verbandlichen Hauptaktivitäten ist die Berufsorientierung. Die demografische Entwicklung können wir nicht beeinflussen, wir können das Metallhandwerk aber als attraktiven Arbeitgeber positionieren. Dazu setzen wir konkret in den Regionen unsere Impulse und unterstützen Betriebe, Innungen und Landesverbände bei Ihren Vor-Ort-Aktivitäten. Wir begleiten bei Messen, Schulkooperationen und Kontakten zu Arbeitsagenturen. Zu einem attraktiven Arbeitgeber gehört aber auch eine attraktive Arbeitsumgebung. Auch dabei setzen wir an, beispielsweise haben unsere Bildungsspezialisten eine eLearning-Plattform für Auszubildende entwickelt. Ein hochspannendes und zeitgemäßes Thema, dass noch besser vermarktet werden muss. Weitere digitale Formate sind gerade im Aufbau.
Selbstverständlich sind wir auch auf der politischen Ebene unterwegs und bringen uns über unsere Zentralverbände, ZDH und UDH, in politische Diskussionen zur Lösung des Problems ein damit in Berlin das Metallhandwerk eine starke Stimme hat.

Handwerkliche Spitzenverbände aus Ihrem Umfeld weisen darauf hin, dass die Informationsbeschaffung im Internet, getrieben von den jüngeren Führungskräften in den Metallunternehmen, die Strukturen der Handwerksorganisation auf den Prüfstein schickt. Was ist Ihre Antwort darauf?
Aus meiner Sicht liegt die Herausforderung darin, die Zusammenarbeit der vorhandenen Strukturen, die sich über lange Zeit bewährt haben, mit Blick auf Zukunftsfestigkeit zu optimieren. Im Grunde haben wir dazu ideale Voraussetzungen. In den Verbänden steht eine immense Beratungskompetenz zur Verfügung. Neue digitale Formate eröffnen neue Wege der Zusammenarbeit und Kommunikation untereinander und mit den Metallbetrieben. Dort liegt Wachstumspotenzial für die Verbände und Innungen. Daran will ich gemeinsam mit den Akteuren in den Ländern und Innungen arbeiten. Alle reden heute von Networking. Dafür ist unser Fachverband im Grunde wie geschaffen. Innung, Landes- und Bundesebene sind gemeinsam erfolgreich, wenn sie vernetzt arbeiten und so ihre Kräfte bündeln. Die Voraussetzungen dazu sind also da. Das Potenzial muss nur noch deutlich vermehrter als bislang geschöpft werden.

Als Ihr Kooperationspartner wollen wir natürlich auch wissen: Was heißt das für Ihre Branchenpartner?
Beim Thema Networking schließe ich unsere Branchenpartner ausdrücklich mit ein. Konkret heißt das: wir suchen eine noch engere Zusammenarbeit mit unseren Branchenpartnern. Im professionellen Umfeld spielen Hersteller, Institute, Dienstleister für den Bundesverband Metall eine wichtige Rolle. Auch dabei wollen wir uns weiterentwickeln. Die Kooperation mit Ihrem Hause ist dabei Beispiel gebend. Ich möchte nur die erfolgreiche Zusammenarbeit beim Fachregelwerk und dem gemeinsamen Metallkongress in Würzburg nennen. Allein über diese beiden Formate können wir – mit Ihnen als Partner - als Verband den Metallbetrieben enormen Nutzen bieten: Informationssicherheit, Informationsvorsprung und ein Top-Netzwerk. Das macht den Verband attraktiv. Abonnenten und Teilnehmerzahlen zeigen, das Angebot kommt an. Daher: Wir wollen unsere Kooperationspartnerschaften weiter ausbauen.

Herr Jäger, fachlich ist der Bundesverband Metall gut aufgestellt. Letzte Frage mit der Bitte um eine spontane Antwort: Wenn Sie ein Werkzeug nennen müssen, dass Sie in den ersten hundert Tagen am meisten benutzen werden, um welches handelt es sich?
Markus Jäger (lachend): Das ist in der Tat eine überraschende Frage. Und die Antwort ist nicht die Tastatur. Es ist der Dialog. Im Verband ist Überzeugungsarbeit gefragt. Ohne offenen und ehrlichen Dialog geht da nichts.  

Letzte Aktualisierung: 31.10.2018