Deutscher Metallbaupreis 2020: Sieger in der Kategorie „Stahlkonstruktionen“

Sieger in der Kategorie „Stahlkonstruktionen“ ist die konstruktiv und gestalterisch innovative Konstruktion des Vordachs für ein Hotel in Kösching. Lesen Sie, wie es der Firma Erhard Brandl bei diesem einzigartigen Tragwerk gelungen ist, Wissenschaft und Praxis perfekt miteinander zu verbinden.

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Franz Meyer (links), Projektleiter bei der Firma Erhard Brandl in Eitensheim, und Geschäftsführer Thomas Brandl arbeiten gerne mit der TU München zusammen.

Ein ausdrucksstarkes Entree

Der Auftraggeber für das Siegerobjekt benötigte für den Eingang seines Hotelneubaus eine repräsentative Lösung mit hohem Wiedererkennungswert. Die Firma Erhard Brandl hatte schon bei einem früheren Testprojekt mit Wissenschaftlern des Lehrstuhls für Tragwerksplanung der TU München zusammengearbeitet. Deshalb wurde gemeinsam die geometrische Form einer selbstragenden Gitterstruktur in einem kreativen Entwurfsprozess entwickelt (inklusive eines 3D-Druck-Modells) und die theoretische Berechnung und die Statik durch die Wissenschaftler umgesetzt. Mithilfe des digitalen Entwurfs wurde aus geraden und ebenen Lamellen eine expressive und effiziente, zweifach gekrümmte asymptotische Struktur erzeugt.
Die größte Herausforderung für den Stahlbauer war der Schritt vom digitalen Modell zur Herstellung der fertigen Form. Seine Aufgabe war die Umsetzungsplanung, Konstruktion, Fertigung und Montage bis hin zur Unterstützung bei der Fundamenterstellung, der Beleuchtung und der Entwässerung.

Einfach auseinandergefaltet

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Der extravagante Eingangsbereich mit der selbsttragenden Gitterstruktur erinnert an zwei Blütenkelche, die den Besucher in das Hotel einladen. Fotos: M&T

Das Vordach setzt sich aus vier gleichen Teilen zusammen, die in der Werkstatt komplett vorgefertigt wurden. Jedes Viertel der Konstruktion, besteht aus etwa vierzig gelaserten zwei Millimeter dicken Edelstahllamellen mit kammartigen Einschnitten für das zweidimensionale Zusammenstecken. Nach dem provisorischen Fixieren einiger Knotenpunkte wurde das Gitter anschließend mit Hilfe eines Kranes in der Werkstatt angehoben. Die einzelnen Edelstahllamellen werden dabei lediglich im elastischen Bereich tordiert. Die asymptotische Form entsteht automatisch. Eine leichte Membran schließt das Dach ab und filtert das Sonnenlicht.

Hoher Wiedererkennungswert

Auf beeindruckende Art und Weise hat hier ein mittelständischer Stahlbauer bewiesen, wie innovativ und kreativ die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft sein kann. Durch sein Know-how und die Erfahrung und das Können seiner Mitarbeiter konnte das wissenschaftliche Modell sehr gelungen in die Praxis umgesetzt werden. Bei dem Projekt wurde in einigen Bereichen Neuland für den Stahlbau beschritten. Mit dem minimalen Materialeinsatz bei maximaler Tragfähigkeit kann das Konstruktionsprinzip dieser selbsttragenden Gitterstruktur auch ein Beispiel für weitere repräsentative Projekte sein.

Gewinner-Video Asymptotic Canopy

Letzte Aktualisierung: 29.10.2020