Ein interessantes Finanzierungsmodell

Leasing: Eine mögliche Finanzierung von Anschaffungen im Betrieb kann das Leasing sein. Es schont beispielsweise die Liquidität und vermeidet einen Ratenkredit. Wir zeigen die Vorteile dieser Finanzierung und erläutern die verschiedenen Varianten.

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Prüfen Sie, ob Leasing für Ihren Betrieb in Frage kommt – und wo.
Foto: M&T

Beim Leasing kaufen Sie keine Wirtschaftsgüter, sondern mieten diese. Es gibt aber Unterschiede zum klassischen Mietkauf. Der größte Unterschied besteht darin, dass der Leasingnehmer Pflichten übernehmen muss, die bei einer Miete beim Vermieter bleiben. Bei einem Fahrzeug müssen Sie beispielsweise auch für die Wagenpflege oder die Versicherung zahlen.
Im Leasingvertrag werden neben anderen Daten vor allem die Leasing-Laufzeit, die Grundmietzeit, die Höhe der Anzahlung und der Leasing-Raten festgelegt. Für das Leasing-Ende kann man verschiedene Optionen vereinbaren:

  • Übernahme des Leasinggutes zu einem fest vereinbarten Preis.
  • Rückgabe des Leasinggutes.

Verlängerung des Leasingvertrages


Häufig spricht man auch vom direkten oder indirekten Leasing. Das spielt aber für die Vertragsvereinbarungen keine Rolle. Direktes Leasing sind Vereinbarungen zwischen dem Leasingnehmer und dem Hersteller des Leasinggutes. Indirekt wäre es, wenn der Leasinggeber das Leasinggut beim Hersteller kauft und dann dem Leasingnehmer zur Verfügung stellt.
Natürlich ist das direkte Leasing beim Hersteller günstiger – wird aber meist nicht angeboten. In den meisten Fällen haben Hersteller Verträge mit Leasinggesellschaften, über die dann die Verträge abgewickelt werden müssen.

Die Vorteile des Leasings


Das Leasen von Wirtschaftsgütern bietet Ihnen eine Reihe von Vorteilen:

  • Leasingraten sind Betriebsausgaben, die Ihren Gewinn mindern und daher die Steuerlast senken.
  • Die Umsatzsteuer kann als Vorsteuer abgezogen werden.
  • In der Bilanz wirkt sich das Leasing nicht auf die Eigenkapitalquote Ihres Unternehmens aus, was sich beispielsweise positiv bei Kreditaufnahmen auswirkt.
  • Beim Leasing wird das Eigenkapital nur minimal belastet, was zu einer besseren Liquidität führt.
  • Da es bei gleichbleibenden Raten bleibt, können Sie besser planen.
  • Insbesondere bei relativ kurzen Laufzeiten können Sie auf moderne Geräte zurückgreifen.
  • Bei Fahrzeugleasing gibt es häufig besonders interessante Angebote für gut erhaltene Gebrauchtwagen, Jahreswagen, Leasingrückläufer oder Vorführwagen.

Gefahren beim Leasing


Grundsätzlich sollte man vor dem Leasing genau nachrechnen, ob eine Kreditfinanzierung nicht doch günstiger sein könnte. Gerade heute, wo das Zinsniveau für Darlehen recht niedrig ist, kann sich ein Kredit für den Kauf rechnen. Allerdings muss man dabei auch beachten, dass eben die Liquidität Ihres Betriebes geschwächt wird.
Beim Leasing sollten Sie sich nicht von der monatlichen Rate blenden lassen. Die günstigste Rate bedeutet nicht unbedingt, dass es sich um das günstigste Angebot handelt. Es sind auch die anfallenden Gebühren und die Schlusszahlung zu berücksichtigen. Nur wenn Sie wirklich alle Kosten addiert haben, können Sie feststellen, ob sich das Leasing gegenüber einem Kredit lohnt.
Es kommt vor, dass Leasingverträge abgeschlossen werden, die länger laufen, als die zu erwartende Nutzung des Leasinggegenstandes. Dann machen Sie ein Verlustgeschäft. Bei der Laufzeit des Leasingvertrages sollten Sie sich deshalb immer an den offiziellen AfA-Tabellen orientieren und keine Vereinbarungen treffen, bei denen die Vertragsdauer über den Nutzungszeitraum nach AfA hinausgeht.
Überlegen Sie genau, ob Sie einen Leasingvertrag mit Voll- oder Teilamortisierung abschließen. Bei der Vollamortisierung legen Sie zu Beginn des Leasingverhältnisses fest, ob Sie das Gut bei Vertragsende zum Restwert kaufen, es zu einer geringeren Rate weiter leasen oder zurückgeben. Bei Teilamortisierung wird die Leasingrate so festgelegt, dass zum Vertragsende ein vorher kalkulierter Restwert verbleibt. Sie entscheiden dann selbst, ob Sie zum Restwert kaufen, ein neues Produkt erwerben oder erneut leasen.
Durch einen Leasingvertrag ist man natürlich für die Laufzeit des Vertrages gebunden. Daraus kann sich ein Nachteil ergeben, wenn die Maschine nicht genutzt wird oder – durch Produktionsumstellungen – nicht genutzt werden kann. Natürlich kann man vorsorglich eine Rückgabeklausel vereinbaren. Allerdings wird der Leasinggeber dafür Sonderzahlungen verlangen, die die Klausel letztlich uninteressant machen.
Vorsicht bei der Festlegung des Restwertes
In den meisten Leasingverträgen wird ein sogenannter Restwert vereinbart. Dieser Restwert stellt den Preis dar, zu dem Sie nach Ablauf des Leasings das Leasinggut erwerben können. Je höher der Restwert, umso niedriger ist die Leasingrate. Das verleitet natürlich dazu, den Restwert möglichst hoch anzusetzen. Denn Sie entscheiden am Ende der Laufzeit, ob Sie kaufen oder nicht. Doch die Sache hat einen beträchtlichen Haken.
Wenn Sie nämlich nicht kaufen, wird das Leasinggut von der Leasinggesellschaft verkauft. Wird beim Verkauf ein höherer Preis als der Restwert erzielt, erhalten Sie einen Anteil von diesem Mehrerlös – was eine feine Sache ist. Nur wird der Restwert, wenn er sehr hoch angesetzt wird, meist nicht erlöst. Dann müssen Sie die Differenz zahlen, ohne dafür einen Gegenwert zu bekommen. Lehnen Sie deshalb die Garantie eines „kalkulierten Restwertes“ grundsätzlich ab.
Beim „Andienungsrecht“ entscheidet beispielsweise der Leasinggeber, ob er das Gut zurücknimmt oder Sie es zum vereinbarten Restwert kaufen.
Grundsätzlich ist ein Leasing auch ohne Restwert möglich. So wird beispielsweise beim Fahrzeugleasing oft die Kilometervariante gewählt. Doch dabei sind die Leasinggeber sehr genau. Sie prüfen das zurückgegebene Gut auf Herz und Nieren. Alles, was nicht unter normale Gebrauchsspuren fällt, wird Ihnen gnadenlos in Rechnung gestellt.
Bei Fahrzeugen wird beim Kilometerleasing eine bestimmte Laufleistung vereinbart. Meist wird zusätzlich vereinbart, dass die Laufleistung um eine bestimmte Kilometerzahl über- oder unterschritten werden darf, ohne dass dadurch Mehrkosten entstehen. Wird die Laufleistung plus „Überziehung“ überschritten, müssen Sie für jeden weiteren Kilometer bezahlen. In manchen Fällen wird sogar vereinbart, dass die „Überziehungsgebühr“ steigt: Je mehr Sie überschreiten umso mehr müssen Sie pro Kilometer bezahlen.
Unterschreiten Sie die vereinbarte Laufleistung um mehr als die vereinbarte Untergrenze, erhalten Sie auch etwas zurück – allerdings weniger, als es bei der Überschreitung für Sie kostet.

Unfall mit geleastem Fahrzeug


Wenn es zu einem Unfall kommt, an dem Sie nicht schuld sind, ist das dem Leasinggeber meist gleichgültig: Die Leasingraten laufen weiter. Der Leasinggeber muss aber die Ansprüche gegenüber der Versicherung des Unfallverursachers an Sie abtreten. Dort können Sie dann auch die Kosten während des Nutzungsausfalls geltend machen.
In fast allen Verträgen wird die Sachmängelhaftung ausgeschlossen. Kommt es also zu einem Haftungsausfall, müssen Sie aktiv werden. Der Leasinggeber muss dann die Rechte an Sie abtreten. Kommt es zur Rücknahme des Leasinggutes wird der Vertrag rückabgewickelt. Sie erhalten Ihr Geld zurück – allerdings abzüglich einer Gebühr für die Nutzungszeit.

Leasingvariante für große Investitionen


Leasing wird sehr häufig bei der Finanzierung von Firmenfahrzeugen eingesetzt. Doch es gibt auch Varianten, die sich besonders für die Finanzierung größerer Anlagen eignen. Beim Leasing „Pay as you earn“ beginnen die Zahlungen erst, nachdem die geleaste Anlage in Betrieb genommen wurde und Sie damit nun auch Einnahmen erzielen. Die Kosten für beispielsweise die Installation oder die Einarbeitung der Mitarbeiter werden über die Vertragszeit finanziert. Dadurch bleibt der Einsatz von Eigenkapital im unteren Bereich.
Eine weitere Variante ist Leasing „pay per use“. dabei ist die Leasingrate nicht zeit- sondern verbrauchsabhängig. Besonders häufig wird diese Variante beispielsweise bei Kopierern, Plottern oder Druckern angewandt. Bei „pay per use“ wird die Leasingrate beispielsweise bei einem Kopierer anhand der tatsächlich angefertigten Kopien berechnet. Werden wenige Kopien angefertigt, ist die Rate entsprechend niedrig.

Prüfen Sie die Innovationszyklen


Abgesehen von den finanziellen Aspekten ist Leasing besonders interessant, wenn Maschinen benötigt werden, die schnellen Innovationszyklen unterworfen sind. Das gilt grundsätzlich für alle Gegenstände, bei denen die IT mit ins Spiel kommt.
Auch bei Gütern, die eine sehr lange Abschreibungszeit haben, ist das Leasing interessant, weil man so den Abschreibungszeitraum verkürzen kann (die Leasingrate ist dann quasi Ihr Abschreibungsbetrag). Insbesondere bei Anschaffungen, deren Nutzungsdauer in der Praxis kürzer ist, als der Abschreibungszeitraum, stellt Leasing eine durchaus nachdenkenswerte Variante dar.

Liquidität: Verkaufen und dann leasen
Wenn Sie kurzfristig Finanzmittel beschaffen müssen, kann das sogenannte „Sales and leas back“ -Verfahren eine interessante Variante sein. dabei verkauft man zunächst beispielsweise ein Fahrzeug aus dem eigenen Fuhrpark, um es dann beim Käufer wieder zu leasen. Dadurch verfügt man schnell über liquide Mittel. Außerdem verschwindet das Gut nun aus der eigenen Bilanz, da es jetzt beim Leasinggeber gelistet wird. Die Leasingraten hingegen sind steuerlich absetzbar.

Autor: Hartmut Fischer ist freier Journalist und Autor von verschiedenen Fachbüchern.

Letzte Aktualisierung: 29.10.2020