Thema des Monats: Eingangsportal - Zu schwache „Hefter“

An einem repräsentativen Hauseingang bemängelte der Kunde Risse und Rostspuren. Der Gutachter sollte die Schadensursache finden. In den Schweißnähten wurde er fündig.

Portal Hauseingang
Das Portal sollte den Hauseingang aufwerten und nach Kundenwunsch einer Personenschleuse ähneln. Fotos: Sternberger

Für die Aufwertung eines Hauseingangs wollte der Auftraggeber ein Eingangsportal haben, das Ähnlichkeiten zu einer Personenschleuse aufzeigen sollte. Das Besondere, die Personenschleuse sollte auf den Betrachter wirken wie aus einem Guss, also ohne sichtbare Schweißnähte und Verbindungen. Sie sollte dabei so massiv wirken, wie aus Vollmaterial hergestellt. Zur Betonung der Metallarbeit war die Beschichtung in Eisengrau (RAL 7011) vereinbart. Die „Personenschleuse“ sollte innen zusätzlich eine Klingel- und Gegensprechanlage enthalten.

Der Portaleingang wurde komplett in Werkstattarbeit vorgefertigt, beschichtet und anschließend als fertiges Element vor Ort montiert.

Im Vorfeld wurden, nach reiflicher Abwägung, Bleche mit einer Dicke von zehn Millimetern zur Ausführung festgelegt. Mit diesem Kompromiss sollte ein durchgehend homogener Werkstoff suggeriert werden. Gleichzeitig war geplant, die Schweißarbeiten wegen der Gefahr des Verzuges mit Heftschweißungen zu minimieren. Die Werkstoffkanten wurden dazu im Bereich der Anschlussnähte großzügig angefast, so dass die Heftschweißungen sicher unterhalb der Materialoberfläche untergebracht werden konnten. Damit konnte der Beschichter mit einer geeigneten Spachtelmasse saubere Kehlen und Oberflächen herstellen und anschließend mit der Farbe „Eisengrau“ beschichten.

Nach zwei Jahren traten nun deutliche Schäden zutage. An verschiedenen Stellen zeigten sich in den Bereichen der angefasten und mit Spachtelmasse gefüllten Anschlussnähte Risse. Vor allem an den unteren Rissen, waren deutliche Rostspuren erkennbar.

Beachten Sie die thermischen Spannungen

Bei der Besichtigung wurde festgestellt, dass die Heftschweißungen zu schwach ausgeführt waren. Die Heftnähte waren im Schnitt zwanzig bis dreißig Millimeter lang und zumindest in Teilbereichen in zu großen Abständen verschweißt. Aufgrund von Spannungen im Material, mutmaßlich auch durch Dilatation, also der Ausdehnung des Portals bei Temperaturunterschieden durch Sonneneinstrahlung, konnten die zu schwach ausgeführten Schweißnähte nicht standhalten. So waren an mehreren Stellen die Hefter gerissen und danach auch die angrenzenden Bereiche mit der Spachtelmasse.

Schweißen Sie durchgehend

Risse Materialkanten
Das Problem waren die Risse entlang der Materialkanten. Der überstreichbare Kitt unter der Beschichtung war gerissen. Die Anzahl der Heftschweißungen war nicht ausreichend.

Die Metallbaufirma zeigte sich sehr kooperativ und war bereit die entstandenen Fehler, auch durch erhebliche Nacharbeit nachhaltig zu beseitigen. In Abstimmung mit dem Sachverständigen wurde folgendes Konzept ausgearbeitet und letztendlich durchgeführt:

Das Portal wurde demontiert und in die Werkstatt verbracht.

  • - Die angefasten Werkstoffkanten wurden umfassend freigelegt, gesäubert und zum Schweißen vorbereitet.
  • - Die Schweißnähte wurden nun durchgehend in fallender Position ausgeführt.
  • - Die verbliebenen Vertiefungen und Kehlen wurden erneut gespachtelt und anschließend beschichtet.
  • - Abschließend wurde der Portaleingang bei dem nun zufriedenen Kunden montiert.
 

Fazit: Sparen Sie teure Nacharbeit

Auch wenn in diesem Fall der Umgang mit vom Kunden angezeigten Mängeln hier vorbildlich war, war der nachträgliche und außerplanmäßige Arbeitseinsatz jedoch sehr kostspielig.

German Sternberger, ö.b.u.v. Sachverständiger aus Leimen

Schadensvermeidung

Das sollten Sie beachten

  • Heftschweißungen können nicht alle Spannungen aufnehmen und neigen zum Reißen. Der Einsatz muss im Vorfeld genau durchdacht und geplant werden.
  • Der Einsatz der Spachtelmasse diente in diesem Fall einzig der gewünschten optischen Ausführung von glatten Kanten und exakten Kehlen.
  • Beachtenswert ist hier der Umgang mit der berechtigten Mängelanzeige des Kunden. Entscheidend ist, wie man das Problem vom Tisch bekommt und welche Lehren man aus den Fehlern zieht.
 

Lese-Tipp

Lernen Sie aus Schweißschäden

Ende Oktober erscheint beim Coleman-Verlag eine neue Ausgabe in der Schadensfallbuchreihe. Mit diesem vierten Band aus der Reihe „Schäden im Metallbau“ stellen wir erstmals einhundert Schadensfälle aus einem speziellen Bereich des Metallbaus vor – dem Schweißen. German Sternberger ist einer der 19 Autoren des Buches und hat interessante Schadensfälle aus seiner gutachterlichen Arbeit beigesteuert.

Mit dem Buch erhalten Sie das notwendige Handwerkzeug, wie Sie aus den Schweißschäden anderer lernen und folgenschwere, teure, unangenehme und rufschädigende Fehler vermeiden können.

Das Buch kann unter www.baufachmedien.de/metallbau/ vorbestellt werden.

Letzte Aktualisierung: 01.10.2019