Fachregelwerk: „Schnell Wissen aneignen“

(März 2018) Die Meisterschule für Handwerker Kaiserslautern hat jetzt das Fachregelwerk für die Meisterprüfung Teil I und Teil II zugelassen. Wir fragten den Fachlehrer und Prüfungsvorsitzenden Mischa Volkmann nach den Gründen.

Volkmann und Dombrowski
Mischa Volkmann (links) diskutiert mich M&T-Redakteur Jörg Dombrowski über die Nutzung des Fachregelwerkes im Interricht.

Wie viele Meister bilden Sie aus und wo kommen Ihre Absolventen her?
In der Fachschule bereiten sich zur Zeit 17 Schüler in Vollzeit auf die Meisterprüfung im Metallbauerhandwerk vor. In Kooperation mit der Handwerkskammer der Pfalz finden in unserem Hause gleichzeitig Teilzeitkurse statt, derzeit 15 Schüler im Metallbauerhandwerk. Unsere Schüler kommen aus allen Teilen der Pfalz, sowie aus dem Saarland, dem Hunsrück und der Eifel.

Wie lange und wie nutzen Sie das Fachregelwerk schon in der Ausbildung?
Seit 2006 ist das Fachregelwerk für das Metallbauerhandwerk fester Bestandteil in unserem Unterricht. In den ersten Jahren wurden hauptsächlich die Fachinhalte Treppen, Tore und Stahlbau genutzt sowie mit Normen gearbeitet.
In den ersten Unterrichtsstunden lernen die Schüler erstmals die Inhalte kennen. Anstelle des klassischen Fachbuches, nutzen wir die Inhalte des Regelwerkes für die Wissensvermittlung. Im zweiten Schulhalbjahr gibt es konkrete Projekte, zum Beispiel „Herstellung eines Schiebetores“, deren Konstruktionslösung unter Zuhilfenahme des Fachregelwerkes begründet wird.

Sie haben das Fachregelwerk jetzt für die Meisterprüfung Teil I und Teil II zugelassen. Was waren die Gründe dafür?
Europäische Normen, die schnellen Bautätigkeiten, die vielfältigen Verordnungen und der Kostendruck erfordert von einem Metallbaumeister ein hohes Maß an Fachkompetenz. Das vielfältige Wissen kann in der Meistervorbereitung nur noch exemplarisch, anhand einiger Beispiele vermittelt werden. Im täglichen Arbeitsalltag eines Metallbaumeisters ist es nach meiner Meinung erforderlich, sich schnell fachliches Wissen für einen konkreten Auftrag anzueignen, beziehungsweise nicht gefestigtes Wissen kurzfristig parat zu haben. Dabei hilft das Fachregelwerk.
In der Meisterprüfung soll der zukünftige Meister zeigen, problemorientiert für ein Projekt Lösungen zu finden. Im Teil II gibt es aus der Praxis heraus Fragen, die nur mit dem Fachregelwerk zu lösen sind. Weiterhin soll die Projektaufgabe im Teil I beim „Planen und Zeichnen“ fachgerecht konstruiert werden. Hilfsmittel wie sie in der täglichen Praxis üblich sind, entlasten die Schüler vom Prüfungsdruck. Der Schüler soll aufzeigen, dass er die vielfältigen Aufgaben des täglichen Arbeitsalltages eines Metallbaumeisters bewältigen kann. Das Abfragen von Fachwissen ist heute nicht mehr zeitgemäß. Es ist auch zu berücksichtigen, dass die Meisterprüfung seit der neuen Verordnung 2002 wesentlich schwieriger geworden ist.

Welche Resonanz gibt es von den angehenden Meistern?
Viele Schüler, die zu uns kommen, haben keine langjährige Berufserfahrung und kommen aus Betrieben, die sich auf einen kleinen Bereich des Metallbaus spezialisiert haben. Dies führt dazu, dass ein breitgefächertes Fachwissen nicht vorhanden ist.
Die Schüler erleben erstmals ein Hilfsmittel für die Meisterprüfung benutzen zu dürfen. Je mehr sie sich mit dem Regelwerk beschäftigen, erkennen sie die Vielfältigkeit ihres Berufsstandes und wieviel Fachwissen es sich noch anzueignen gilt, sie sich noch aneignen müssen.

Sie sind am Fachregelwerk Metallbaupraxis für Ihre Meisterschule interessiert?
Weitere Infos erhalten Sie direkt von unserem Kundenservice:

Per Mail: coleman@vuservice.de
oder von Mo-Fr von 7:30 bis 17 Uhr per Telefon unter 06123 9238 274.

Volkmann
Schmiedemeister, Fachlehrer und Prüfungsvorsitzender Mischa Volkmann: „Mit dem Kapitel ‚Hinzunehmende Unregelmäßigkeiten‘ können Fragestellungen aus der Praxis kompetenzorientiert im Unterricht bearbeitet werden.“ Fotos: M&T

Was schätzen Sie besonders am Fachregelwerk?
Das Fachregelwerk bietet ein kompaktes Werk der „allgemeinen anerkannten Regel der Technik“ für den Metallbau. Da es auch einen digitalen Zugang gibt, kann ich zum Beispiel bei jeder Baubesprechung vor Ort Unklarheiten schnell und unkompliziert mit dem Smartphone oder Tablet lösen. Vor allem ist für mich der Zugang zu den Normen beim Beuth-Verlag von besonderer Bedeutung. Diese kann ich ohne Urheberrechte zu verletzten, in den Unterricht einbinden.

Mit welchen Kapiteln und Bestandteilen wird besonders gearbeitet?
Mit dem Kapitel „Hinzunehmende Unregelmäßigkeiten“ können Fragestellungen aus der Praxis kompetenzorientiert im Unterricht bearbeitet werden. Die Themen Brandschutz sowie Beschläge an Türen für Rettungswege sind sehr übersichtlich dargestellt. In vielen Fachbüchern ist es so ausführlich nicht zu finden. Gut finde ich ebenfalls, dass in den Textpassagen eine gelb markierte „Merke“-Leiste das Wesentliche aus dem vorausgegangen Text nochmals zusammenfasst beziehungsweise verdeutlicht.

Was wünschen Sie sich noch für die Weiter­entwicklung des Fachregelwerkes?
Fachbegriffe in den Normen, Verordnungen, Abkürzungen in Fachartikeln, haben im erheblichen Maße zugenommen. Schüler, die zu uns kommen und viele Selbstständige kennen die Bedeutung dieser Begriffe kaum. Ein Glossarkapitel mit Erläuterungen von Begriffen, wie sie oft in den Normen zu finden sind, wäre hilfreich. In einigen Kapiteln, zum Beispiel Stahlbau, fehlen mir die vertieften Fachwissensinhalte für den Praktiker. Einige der bildlichen Darstellungen zum Thema „Tore und Zäune“ sind veraltet. 

Vorgestellt
Schmiedemeister, Fachlehrer und Prüfungskommissionvorsitzender Mischa Volkmann.

  • Jahrgang 1958,
  • Schmiedemeister,
  • seit 1999 an der Meisterschule für Handwerker Kaiserslautern,
  • Fachlehrer mit beratenden Aufgaben,
  • Prüfungsvorsitzender für das Metallbauerhandwerk, Bezirk der Handwerkskammer der Pfalz.

Letzte Aktualisierung: 03.04.2018