Fachverband Schloss- und Beschlagindustrie: Umsatzrückgänge schlagen erst im zweiten Quartal durch

Die Rückgänge der zweiten Märzhälfte konnten die Umsätze der Hersteller von Schlössern und Beschlägen für das erste Quartal „nur“ bei rund 29 Prozent Unternehmen ins Minus treiben, wobei die Einbußen im Mittel bei rund zehn Prozent gelegen haben.

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Foto: FVSB

Dank eines guten Jahresbeginns meldeten ebenfalls 29 Prozent noch konstante Quartalsumsätze, bei knapp 42 Prozent der antwortenden Unternehmen sind die Umsätze sogar noch gestiegen, im Mittel um rund sechs Prozent. Dies sind die Ergebnisse einer Umfrage des Verbands unter seinen Mitgliedsbetrieben. Die Erhebung wurde vom 13. bis zum 18. Mai 2020 durchgeführt. Insgesamt haben sich 24 Unternehmen daran beteiligt, die der Bauindustrie zuliefern.

In der ersten Hälfte des zweiten Quartals konnte aber nur noch jedes achte Unternehmen konstante bzw. steigende Umsätze melden. Alle anderen meldeten Umsatzrückgänge, die im Mittel gut zwanzig Prozent betragen haben. Die Bandbreite war dabei recht groß, es wurde von Einbußen zwischen fünf und sechzig Prozent berichtet.

Auch die Auftragseingänge lassen nicht auf eine kurzfristige Besserung schließen, eher im Gegenteil. Im Inlandsgeschäft melden fast siebzig Prozent der antwortenden Unternehmen eine rückläufige Entwicklung, die im Mittel bei rund 23 Prozent liegt. Die Auftragseingänge aus dem Ausland sind bei 85 Prozent der antwortenden Unternehmen gesunken. Im Mittel betrug der Rückgang hier 32 Prozent, die Nennungen variierten aber zwischen acht und achtzig Prozent!
 
Die einheimische Industrie ist von den Produktionsstillegungen im Ausland in zweifacher Hinsicht betroffen. Einerseits fallen Wettbewerber auf dem Inlandsmarkt aus, andererseits bricht aber auch der Absatz an ausländische Verarbeiter ein. Ganz oben auf der Liste der Problemländer stehen erwartungsgemäß Italien, Spanien und Frankreich, aber auch Benelux und der Alpenraum schwächeln merklich. Nachfrageausfälle aus Osteuropa waren dagegen eher die Ausnahme.

Auftragsstornierungen über das übliche Maß hinaus meldet inzwischen fast jeder fünfte Befragungsteilnehmer.

Fast jedes zweite Mitgliedsunternehmen berichtet von Produktionsausfällen, die jedoch hauptsächlich aus temporären Umstrukturierungen wegen erforderlicher Schutzmaßnahmen resultieren. Fehlendes Personal scheint nur in Einzelfällen dafür relevant zu sein. Jedes achte Unternehmen meldet gestörte Lieferketten, wobei hier Beziehungen zu Italien und Spanien ursächlich sein dürften. Dass knappe Vorräte infolge gestörter Lieferketten kurzfristig zu Produktionsproblemen führen könnte, ist bei keinem befragten Unternehmen absehbar.

Kurzarbeit vermeidet Personalabbau


In nur acht Prozent der Betriebe ist Kurzarbeit noch geplant, bei achtzig Prozent wird Kurzarbeit bereits angewendet — meist in Vertrieb und Verwaltung. Die Bandbreite reicht dabei von zwanzig bis zu fünfzig Prozent, auch die angedachte Dauer variiert zwischen zwei und zwölf Monaten beträchtlich, was die derzeit große Ungewissheit unterstreicht.

Die vorübergehende Schließung von Betriebsteilen kommt weiterhin nur im Einzelfall in Betracht und auch der Personalabbau scheint sich aufgrund der vereinfachten Kurzarbeitsregeln in den meisten Unternehmen vermeiden zu lassen. Dennoch plant jeder achte Betrieb mit einer Reduzierung, vereinzelt wurde diese bereits auch umgesetzt.

Zurückhaltung bei Investitionen


Ein Viertel der Unternehmen will an seinen bisherigen Plänen festhalten, in fast jedem zweiten werden sie aber zumindest zurückgestellt. Weiterhin gehen dreißig Prozent der befragten Unternehmer von einer reduzierten Investitionstätigkeit aus.

Rückkehr zur Normalität


Fast die Hälfte der Befragungsteilnehmer rechnet mit einem Wiedererreichen der Produktion auf Vorkrisenniveau im nächsten Jahr, gut zehn Prozent erwarten dies erst für 2022. Positiv überrascht hat die Einschätzung der Mitgliedsunternehmen, wonach fast vierzig Prozent dies schon für das laufende Jahr erwarten! Dies wäre sicherlich wünschenswert und ist auch nicht völlig unrealistisch: Der Wohnraumbedarf ist weiterhin hoch, doch die bei diesen Rahmenbedingungen äußerst schwer kalkulierbare Entwicklung im wichtigen Objektgeschäft dürfte diese Dauer maßgeblich mitbeeinflussen.

Allen Konjunkturprognosen ist gemein, dass die Bauwirtschaft — und damit auch die verbundenen Wirtschaftszweige — die Corona-Pandemie vergleichsweise glimpflich durchschreiten werden. In welchem Zeitraum dies geschieht, vermag derzeit kaum einer zu prognostizieren. Bei früheren Wirtschaftskrisen ähnlichen Ausmaßes dauerte die Erholungszeit meist fünf Quartale.

Quelle: FVSB

Letzte Aktualisierung: 26.05.2020