Feinwerkmechanik-Konjunktur: Vor großen Herausforderungen

Die Mitgliedsbetriebe des Bundesverbandes Metall aus dem feinwerktechnischen Bereich haben vor allem als Zulieferer der exportorientierten Industrie mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage zu kämpfen. Was die jüngste Konjunkturumfrage des Bundesverbandes Metall noch ergab, erfahren Sie hier.

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Deutlich über die Hälfte der feinwerkmechanischen Betriebe sind in Kurzarbeit.
Foto: Alle Grafiken: BVM

Die Kurzarbeit in der Feinwerkmechanik ist auch im dritten Quartal auf einem Höchststand. Deutlich über die Hälfte der feinwerkmechanischen Betriebe sind in Kurzarbeit. Damit setzen sich die Befürchtungen der Feinwerkmechaniker aus den vergangenen Konjunkturumfragen fort. Die größten Herausforderungen liegen dabei in der oftmals Corona bedingten schwierigen Auftragslage sowie beim ruinösen Preiswettbewerb, gefolgt vom nach wie vor bestehenden Fachkräftebedarf. Insbesondere mittlere und größere Zulieferer aus der Feinwerkmechanik, die direkt oder indirekt für die Industrie in wichtigen exportorientierten Branchen der Energietechnik, des Schienenverkehrs, im allgemeinen Maschinenbau sowie der Automobilindustrie ihr Geschäftsfeld haben, kämpfen um ihre Zukunft.

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Auftragsbestand lässt deutlich zu wünschen übrig

Durch Exporteintrübung und Strukturveränderungen in der Automobilindustrie sind die feinwerktechnisch ausgerichteten Betriebe schon vor der Coronakrise unter Druck geraten. Hier hat bereits im vergangenen Jahr ein nennenswerter Umsatzeinbruch stattgefunden. Unter den gegebenen Umständen der Kurzarbeit zeigt sich bei der Beurteilung der Auftragsbücher, dass sich das Geschäft verändert hat. Siebzig Prozent der Feinmechaniker haben einen Auftragsvorlauf von einem Monat oder weniger. Gut 45 Prozent verzeichneten im dritten Quartal einen gesunkenen Auftragsbestand.

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Zukunftsaussichten stabilisiert

Die Zukunftsaussichten haben sich im Vergleich zur verheerenden Prognose aus dem März stabilisiert. Damals rechneten angesichts geschlossener Grenzen und Schreckensmeldungen aus ganz Europa deutlich über siebzig Prozent mit einer Verschlechterung der Situation. Heute gehen 22 Prozent der Feinwerkmechaniker von einer weiteren Verschlechterung der Aussichten im vierten Quartal aus. Das spiegelt sich auch in der stark zurückhaltenden Investitionsbereitschaft wider. Nur noch zwanzig Prozent der Feinwerkmechaniker planen in diesem Jahr zu investieren. Trotz der schwierigen Lage ist die Ausbildungsbereitschaft da, allerdings konnten vierzig Prozent der Betriebe ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen.

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Fazit: Durchdachte mittelstandsorientierte Hilfe erwartet


„Die investitionsintensiven Betriebe Feinwerkmechanik stehen vor großen Herausforderungen. Dabei nehmen die zuliefernden Betriebe der Feinwerkmechanik in der deutschen Wirtschaft eine Schlüsselposition ein. Die hier produzierten Teile und Güter bilden oftmals die Grundlage für die weitere Verarbeitung in der Exportindustrie. Sie sind daher für ein verlässliches Funktionieren des gesamten Wirtschaftsgefüges unabdingbar. Wir erwarten hier von der Politik, sich dringend um die Stabilisierung der Unternehmen zu kümmern, beispielsweise mit einer durchdachten mittelstandsorientierten Finanzierung. Diese muss insbesondere auch das im mittelständischen Maschinenbau übliche langfristige Geschäft berücksichtigen. Fertigungszeiten von bis zu 24 Monaten sind bei einer hochkomplexen Maschine durchaus üblich. Jetzt ausbleibendes Geschäft wirkt sich daher deutlich später aus als im übrigen Handwerk üblich. Daher bedarf es eines eigenen, für diese Bereiche fristengerechten Hilfspaketes“, kommentiert Markus Jäger, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Metall in Essen die aktuellen Ergebnisse der Konjunkturerhebung.

Letzte Aktualisierung: 28.10.2020