Fenster: Nachbesserung erforderlich

(April 2018) In einem Hotel wurde an den Drehkipp-Fenstern erheblicher Nachstell- und Wartungsaufwand bemängelt. Auch subjektive Zugerscheinungen und Schallundichtheiten wurden festgestellt. Der Sachverständige hatte auch die Frage nach der grundsätzlichen Gebrauchstauglichkeit der Elemente zu klären.

Fensterflügel mit Öffnungsbegrenzern
Die Fensterflügel waren mit Öffnungsbegrenzern ausgestattet, die eine Fensteröffnung mit einem Spaltmaß von zwölf Zentimetern gewährleisteten. Fotos: Kammenhuber

Die zweiteiligen bodentiefen Fensterelemente mit je einem Fest- und einem Drehflügel waren als thermisch getrennte Aluminiumrahmenkonstruktionen mit verdeckt liegenden Beschlägen ausgeführt. Die Drehflügel hatten die Maße 1.361 Millimeter (Breite) mal 2.394 Millimeter (Höhe).
Ein Fenster wurde für die Begutachtung genauer untersucht, und die Glasleisten wurden zur Prüfung der Verklotzung des Glases im Flügelrahmen geöffnet.

Schadensbeschreibung

Da es sich um bodentiefe Fensterelemente mit absturzsichernden Eigenschaften handelt, waren die Fensterflügel mit Öffnungsbegrenzern ausgestattet, die eine Fensteröffnung mit einem Spaltmaß von zwölf Zentimetern ermöglichten. Die Fensterflügel waren je Anschlag oben, unten sowie seitlich (Band und Griffseite) jeweils mit zwei Zusatzverriegelungen verriegelt. Die Verglasungen waren fachgerecht diagonal aus der Bandecke heraus zur oberen griffseitigen Ecke des Flügelrahmens verklotzt und seitlich zum Flügelrahmen entsprechend den Verarbeitungsrichtlinien verklebt.
Der Fensterflügel bei dem untersuchten Fenster lag umlaufend am Blendrahmen mit ausreichendem Anschlag und Überstand an. Es waren keine Funktionseinschränkungen erkennbar, der Fensterflügel verriegelte nach einer Einstellung einwandfrei. Nach einer Fensteröffnung mit hartem Anschlag an die Verriegelung des Öffnungsbegrenzers war jedoch ein Ablösen des unteren Drehlagers vom Flügelrahmen festzustellen. Es entstand eine Fuge. Deshalb musste die Verriegelung nochmals nachgestellt werden.

Verglasung
Die Verglasungen waren fachgerecht diagonal aus der Bandecke heraus zur oberen griffseitigen Ecke des Flügelrahmens verklotzt und seitlich zum Flügelrahmen verklebt.

Vom Immobilienbesitzer wurde auch darüber informiert, dass schon 16 Drehlager aufgrund von Verformungen und einem erheblichen Einstellbedarf der Verriegelungen ausgetauscht werden mussten.
Bei einem weiteren bemängelten Fenster lag der Flügelrahmen nicht passgenau im Blendrahmen. Bandseitig klaffte die Funktionsfuge zwischen Flügel und Blendrahmen im oberen Drittel erheblich auf, so dass kein Überschlag mehr gewährleistet war. Die Verriegelungen war offen sichtbar. An der Anschlagkante des unteren Blendrahmens waren Schleifspuren von dem Öffnungsbegrenzer sichtbar. Daher wurde der Öffnungsbegrenzer griffseitig senkrecht montiert. Nach Aussage des Immobilienbesitzers wurde das Drehlager dieses Flügels vor kurzem ausgetauscht, so dass lediglich eine sehr geringe Deformierung festzustellen war.

Fehleranalyse und -bewertung

Die Fensterkonstruktion war geprüft, und erfüllt grundsätzlich alle notwendigen Anforderungen gemäß der Energieeinsparverordnung (EnEV) (Fugendichtheit: a-Wert Klasse 3 und Wärmedämmung: U-Wert = 1,3 W/m²K, die entsprechenden Prüfzeugnisse lagen vor), sowie die Schallschutzanforderungen. Für die vorliegende Fenstergröße lag eine Übergrößenfreigabe des Herstellers vor.

Fensteröffnung mit hartem Anschlag
Nach einer Fensteröffnung mit hartem Anschlag an die Verriegelung des Öffnungsbegrenzers war ein Ablösen des unteren Drehlagers vom Flügelrahmen festzustellen, welches sich durch eine klaffende Fuge darstellte.

Die vom Betreiber geschilderte Wartungsintensität, der Austausch der Bandlager, sowie die festzustellende Passungenauigkeit zwischen Flügel- und Blendrahmen waren bei den zu bewertenden Fenstern jedoch eine nicht hinnehmbare Einschränkung der Gebrauchstauglichkeit. Die Fenster mussten ertüchtigt werden, um im Rahmen eines üblichen jährlichen Wartungsintervalls die Gebrauchstauglichkeit wieder komplett herzustellen.
Zur Festlegung des Maßnahmenkataloges für die Ertüchtigung waren die Ursachen der Probleme genau zu beschreiben.
Die Ursache für die Mehrheit der Probleme waren die Lasteinwirkungen aus dem Anschlag der Öffnungsbegrenzer auf die Bandlager. Bei der festzustellenden Montagerichtung des Öffnungsbegrenzers mit Festpunkt im Blendrahmen in Bandrichtung war der Winkel zwischen dem Gestänge des Öffnungsbegrenzers und dem Fensterflügel ungünstig, die Bänder wurden bei dem Begrenzungsanschlag stark mit einer Längskraft aus dem Flügel belastet.
Außerdem war die Lasche des Bandes im Flügelrahmenprofil nicht durch eine Schraube gesichert. Festzustellen war jedoch, dass die ideale Lasteinleitung des Verriegelungsanschlages vom Öffnungsbegrenzer in den Flügelrahmen direkt am senkrechten griffseitigen Rahmenstiel erfolgte.
Der Systemprofilhersteller hat auf Basis der Erkenntnisse der Begutachtung eine Skizze zur nachträgliche bandseitigen Sicherung der Bandlager an den Flügelrahmen erstellt.

Fehlerbeseitigung

Schleifspuren an Anschlagkante
An der Anschlagkante des unteren Blendrahmens waren Schleifspuren vom Öffnungsbegrenzer sichtbar.

Daraus hatte der Sachverständige folgende Maßnahmen zur Schadensbeseitigung abgeleitet:

  • Umbau der Öffnungsbegrenzer: senkrechte Montage der Öffnungsbegrenzer am senkrechte griffseitigen Rahmenstiel,
  • Nach Freigabe dieser Konstruktion durch den Systemprofilhersteller im Rahmen der Systemgarantie sollte diese Ausführung gewählt werden.
  • Fakultative Ertüchtigung der Bandlager durch: Sicherung der vorhandenen Bandlager entsprechend eines Konstruktionsvorschlags des Systemprofilherstellers oder Austausch der Bänder – also auch der unteren Bandlager – durch aufliegende Konstruktionen oder Austausch der Bandlager durch ein neues Produkt, bei dem die Bandlager ebenfalls im Rahmen gesichert sind.
  • Ein Hinweis auf Spaltlüftung mit nur zwölf Zentimeter Öffnungsbreite sollte an den Fenstern angebracht werden.
Aus sachverständiger Sicht war der Austausch durch aufliegende Bauteile des Standardbeschlages oder eines neuen Produktes zu präferieren, wobei auch hier eine Freigabe durch den Profilsystemhersteller erfolgen sollte. Der Aufwand war nur geringfügig größer als bei Sicherung der bestehenden Bänder, da die Fensterflügel in jedem Fall zu demontieren waren. Bei Einbau des neuen verdeckt liegenden Bandlagers war die Bandachse dergestalt zu prüfen, ob diese mit dem oberen Band kompatibel ist.
  • Die Verriegelungen der Fensterflügel war zu prüfen und deren Sitz war gegebenenfalls nachzustellen.
    Nach dieser Ertüchtigung konnte zum jährlichen Wartungsintervall zurückgekehrt werden.
Da aus sachverständiger Sicht keine Fehlbedienung vorlag, sind die Kosten dieser Maßnahmen durch den Metallbaubetrieb zu tragen.

Wichtig!
Es war dringend auf die Gefahr hinzuweisen, dass sich die Fensterflügel nach Glasreinigung ohne anschließende Sicherung durch Öffnungsbegrenzer schließen lassen. Dies hatte zur Folge, dass durch die unerkannte Nichtarretierung der Öffnungsbegrenzer eine erhebliche Absturzgefahr bestand.

Passend zum Thema haben wir einen Musterwartungsvertrag zur Wartung von Fenstern vorbereitet. (Quelle: Fachregelwerk Metallbauerhandwerk – Konstruktionstechnik)
Vorlage Mustervertrag (PDF)

Dipl.-Ing. Frank Kammenhuber, ö.b.u.v. Sachverständiger

Letzte Aktualisierung: 17.04.2018