Fenster und Fassaden: „Wer offen ist, kann seine Zukunft selbst gestalten“

Digitalisierung und Fachkräftegewinnung sind die Stichworte, die die Metallbaubranche derzeit bewegen. Welche Unterstützung Schüco seinen Verarbeitern anbietet und welche Trends der Markt für Fenster und Fassaden zukünftig bietet, erläutert Schüco-Chef Andreas Engelhardt im Gespräch mit Yvonne Schneider.

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„Mit dem IHK-Zertifikatslehrgang zur Digitalisierung im Metallbau wollen wir erreichen, dass der Beruf des Metallbauers zukunftsorientiert und attraktiv gestaltet wird“, erläutert Andreas Engelhardt im Gespräch mit M&T-Redakteurin Yvonne Schneider.

Sie sind seit fünf Jahren persönlich haftender Gesellschafter der Schüco International KG. Welche Hoffnungen und Pläne haben sich für Sie in dieser Zeit erfüllt?
Mein Ziel war es, als ich bei Schüco anfing, unser Kerngeschäft wieder in den Vordergrund zu stellen, also die Entwicklung und den Vertrieb von Aluminium-, Stahl- und Kunststoff-Systemen für Gebäudehüllen sowie für Fertigungsmaschinen und Softwarelösungen. Investitionen und personelle Stärkung haben dazu beigetragen, dass dies nun Früchte trägt: In den letzten Jahren konnten wir kontinuierlich wachsen. Wir haben eine tolle Mannschaft an Bord, die täglich ihr Bestes gibt, um für Schüco erfolgreich zu sein. Darüber freue ich mich sehr.

Was sind aus Ihrer Sicht die Herausforderungen, vor denen der Metallbauer jetzt und in Zukunft steht?
Als eine Herausforderung sehe ich den Fachkräftemangel, von dem insbesondere unser Baugewerbe betroffen ist. Offene Stellen können nicht besetzt werden, der Fachkräftemangel führt zu Verschiebungen bei Großprojekten. Da unterstützen wir unsere Partner mit umfangreichen Kommunikationsmaßnahmen für ein erfolgreiches Recruiting. Einen weiteren wichtigen Aspekt sehe ich im digitalen Wandel der Baubranche. Das bedeutet für viele Metallbauer oftmals eine große Herausforderung – insbesondere für kleinere bis mittlere Unternehmen. Die Aus- und Weiterbildung von jungen Menschen ist somit eine der Kernaufgaben unserer Branche. Gemeinsam mit „Digital in NRW“ und der IHK Ostwestfalen haben wir den ersten IHK-Zertifikatslehrgang zur Digitalisierung im Metallbau initiiert. Damit wollen wir erreichen, dass der Beruf des Metallbauers zukunftsorientiert und attraktiv gestaltet wird – und langfristig der Bedarf an qualifiziertem Personal gedeckt werden kann.

Welche Tipps haben Sie für Metallbauer, wenn es um Digitalisierung geht?
Fürchtet Euch nicht – in der Digitalisierung liegt die Zukunft des Bauens. Jeder Unternehmer sollte sich die Frage stellen, wie er die Vorteile der Digitalisierung bestmöglich für den eigenen wirtschaftlichen Erfolg nutzen kann. Ich bin der Überzeugung: Wer aktiv mitgestaltet, sich einbringt, aus- und weiterbildet – insbesondere im Bereich Digitalisierung – für neue Technologien und neue Wege des Arbeitens offen ist, kann seine eigene Zukunft selbst gestalten. Dabei wollen und werden wir die Metallbauer intensiv unterstützen.

Welche technischen Trends sehen Sie bei Fenstern und Fassaden?
Heutige und zukünftige Fenster- und Fassadensysteme müssen die steigenden Anforderungen an Design und Funktionalität sowie beste technische Leistungsmerkmale gleichermaßen erfüllen. Mit Blick auf die Gestaltungsaspekte erfordert dabei der Wunsch nach maximaler Transparenz eine Umsetzung von minimalen Profilansichtsbreiten, ohne jedoch Kompromisse in der Produktqualität einzugehen. Eine rationelle Verarbeitung und einfache Montage stehen genauso im Fokus wie ein hoher Anspruch an Design und Funktionalität.

Wie werden bei Schüco derzeit die Weichen für eine erfolgreiche Marktbearbeitung gestellt?
Urbanisierung, Globalisierung und Digitalisierung beeinflussen die Entwicklung unserer Branche ebenso wie das Bedürfnis nach Komfort, Design, Sicherheit, Barrierefreiheit, Nachhaltigkeit und Gesundheit. Bei Schüco arbeiten wir jeden Tag daran, diesen komplexen Anforderungen der Märkte von morgen schon heute bestmöglich zu begegnen. Mit unseren ganzheitlichen Lösungen und Services im Wohn- und Objektbau, mit sinnvollen Produktentwicklungen und Erweiterungen unseres Produktportfolios sowie der konsequenten Umsetzung unserer digitalen Roadmap sind wir innovativ und richtungsweisend.

Welche Aufgaben hat Ihre Partnerschaft mit dem WWF?
Der Gebäudesektor ist für gut ein Drittel der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Das ist erschreckend. Für Schüco ist Nachhaltigkeit kein Trend, sondern eine Haltung – und das seit vielen Jahren. Aus diesem Grund haben wir uns für eine Zusammenarbeit mit dem WWF Deutschland entschieden. Gemeinsam möchten wir einen Beitrag zu nachhaltigem Wirtschaften leisten und dafür sowohl den Klimaschutz und das <2-Grad-Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens als auch die verantwortungsvolle und erhöhte Nachhaltigkeit in der Wertschöpfungskette von Aluminium in den Fokus unserer Zusammenarbeit stellen.

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„In den letzten Jahren konnten wir kontinuierlich wachsen. Wir haben eine tolle Mannschaft an Bord, die täglich ihr Bestes gibt, um für Schüco erfolgreich zu sein“, freut sich Andreas Engelhardt.

Welche Trends sehen Sie im Wohnungsbau?
Wenn man in der Architektur von einem Trend sprechen möchte, dann von dem großer Glasflächen mit filigranen Profilen für ein lichtdurchflutetes Ambiente. Panorama-Aussichten schaffen eine hohe Transparenz und verleihen einem Gebäude eine klare Architektursprache mit individuellem Charakter und zeitlosem Design. Ermöglicht wird dies durch immer weiterentwickelte Systeme, die die Grenzen des Machbaren ausreizen.
Wir beobachten des Weiteren ein wachsendes Bedürfnis nach smarter Steuerung der Gebäudefunktionen für mehr Sicherheit und Komfort. Eine einfache, intuitive Handhabung unserer Produkte und Systeme sehen wir dabei als Grundvoraussetzung an. Gebäudefunktionen wie Zugang, Belüftung, Energiemanagement, Licht- und Beschattungsmanagement werden vermehrt durch integrierte Systemlösungen per (digitalem) Knopfdruck oder Sprachbefehl smart steuerbar sein. Wir verfolgen diesen Weg konsequent – denn nur wenn wir Gebäude ganzheitlich denken, planen und realisieren, werden sie wirklich smart.

Welche Rolle spielt derzeit und in Zukunft das Thema Smart Building?
Die intelligente Vernetzung und Automation der Gebäudehülle ist eines der zentralen Wachstumsfelder. Fenster und Fassaden übernehmen in modernen Gebäuden neben der Wärme- und Kälteisolation immer häufiger gebäudetechnische Funktionen, deren Automatisierung und Vernetzung einen hohen Komfort bei energieeffizientem Betrieb des Gebäudes bieten. In Kooperation mit Gira haben wir das Ziel, die smarte Gebäudehülle mit smarter Steuerung der Funktionen im Gebäude zu vernetzen – und aus einer Plattform heraus zu steuern. Intelligente Gebäudehüllen werden zukünftig Smart Buildings mit Smart Cities verbinden und damit aktiv gesunde, komfortable, sichere und vernetzte Arbeits- und Lebensräume gestalten. Schüco hat mit dem Internet of Façades (IOF) die Vision, die Fassade als gesamtheitliches und intelligentes System zu vernetzen.

Auf welches Ihrer Produkte sind Sie besonders stolz?
Ich möchte nicht von Stolz sprechen, sondern viel mehr von einer großen Freude und Zufriedenheit. Ich bin sehr glücklich über unser starkes Team, das für Schüco herausragende Ergebnisse erzielt. Auf der Bau 2019 in München haben wir Produktinnovationen zu den Themen Home, Vertical, Smart Building, Security, Digitalisation und Acoustics präsentiert. Jedes einzelne dieser Produkte hat seine Daseinsberechtigung – sonst hätten wir es nicht entwickelt und auf der Messe präsentiert – und ich bin sehr zufrieden mit der Vielfalt unserer Innovationen.

Welche Pläne gibt es bei Schüco für die Zukunft?
Wir gestalten mit innovativen Lösungen aktiv die Zukunft des Bauens. Mit exzellenten Produkten und digitalen Services möchten wir gemeinsam mit unseren Partnern – Architekten, Investoren, Planern und Verarbeitern – eine nachhaltige, moderne Architektur realisieren, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert. Wir möchten technologische Standards setzen, Erwartungen übertreffen und Begeisterung schaffen. Das beinhaltet zum Beispiel auch die Werbung. Wir möchten den besten Service entlang der gesamten Wertschöpfungskette bieten. Dabei hat für uns unter anderem das Thema Digitalisierung höchste Priorität. Mit perfekt aufeinander abgestimmten Lösungen aus Software, Hardware, Services und Daten unterstützen wir unsere Partner bestmöglich.

Schüco ist seit neun Jahren einer der Partner und Förderer des Deutschen Metallbaupreises. Was bedeutet Ihnen das?
Die Partnerschaft ist uns sehr wichtig, weil besonders pfiffige Unternehmen und Ideen geehrt und besonders herausgestellt werden. Als Metallbauer würde ich mich bewerben, denn wer sich nicht bewirbt, kann nicht gewinnen. Und wenn man gewinnt, hat der Betrieb natürlich eine tolle Möglichkeit, das für sein Unternehmen zu nutzen. Man gewinnt unendlich viel Reputation und die Kunden werden es lieben.

Die Antworten zu den Fragen nach dem Deutschen Metallbaupreis, Trends im Fenster- und Fassadenbau sowie der Digitalisierung im Metallbau finden Sie auch im Video-Interview mit Andreas Engelhardt (Schüco International KG).

Direkt zum Video-Interview

Letzte Aktualisierung: 30.04.2019