Feuerschutzabschlüsse: Gefährliche Nachrüstung

(Juli 2018) Wie wichtig eine sorgfältige Prüfung und Wartung bei Feuerschutzabschlüssen ist, zeigen diese Schadensfälle. Im Ergebnis musste den Türen die Zulassung entzogen werden. Schuld war eine unsachgemäße Nachrüstung. Josef Faßbender

Motorschloss
Dieses Motorschloss wurde entgegen den Anweisungen in der Zulassung nachgerüstet.

Ein Facility Management Unternehmen war beauftragt, die jährliche Prüfung und Wartung von Feuer- und Rauchschutztüranlagen in einem Verwaltungsgebäude durchzuführen. Da die Mitarbeiter kurz zuvor in einem Inhouse-Workshop, den der Autor in diesem Unternehmen zu diesem Thema abgehalten hatte, zusätzlich zu ihrer bisherigen Ausbildung sensibilisiert waren, wurden verschiedene Mängel aufgedeckt. Diese führten zum Verlust der Zulassung verschiedener Feuerschutzabschlüsse. Die Mängel wurden durch unsachgemäße Nachrüstungen verursacht. Nachstehend sind drei verschiedene Beispiele beschrieben.

Elektroöffner falsch nachgerüstet

An einer Feuerschutztür aus Stahlblech fiel dem prüfenden Fachmann auf, dass im Bereich des Schließblechs gegenüber dem Zustand des Vorjahres, zusätzliche Ausschnitte eingebracht worden waren, und ein in der bisherigen Dokumentation nicht aufgeführter Elektroöffner vorhanden war. Bei der näheren Überprüfung stellte sich heraus, dass der Elektroöffner ursprünglich vorgerüstet war, jedoch die Nachrüstung unsachgemäß erfolgte. Zum einen wurden ein für Feuerschutztüren nicht zugelassener Elektroöffner eingebaut, zum anderen im Bereich des Mauerschutzkastens mehrere Bohrungen unsachgemäß eingebracht, statt das vorhandene Leerrohr zur Kabelführung zu nutzen.

Fluchttüröffner und Motorschloss falsch nachgerüstet

Fluchttüröffner wurde mangelhaft nachgerüstet
Dieser Fluchttüröffner wurde im oberen Querholm mangelhaft nachgerüstet. Fotos: Faßbender

Bei der sachkundigen Prüfung von Feuerschutzelementen aus Stahlrohrrahmen konnte die unsachgemäße Nachrüstung von Motorschlössern sowie des Fluchttüröffners festgestellt werden. Zur Installation der Motorschlösser wurde auf dem Türblatt jeweils ein Kabel für das Motorschloss verlegt und entgegen den Vorgaben der Zulassung von außen mittels einer Bohrung in den Schlosskasten eingebracht. Um das Motorschloss nutzen zu können, musste dessen Stulp mittels eines Zwischenstücks adaptiert werden. Zudem wurde das zum Motorschloss passende Schließblech eingesetzt. Dazu war es erforderlich, die Befestigungsbohrungen und Fräsungen im Rahmenprofil zur Nutzung des jeweils neuen Schließblechs zu ändern.
Ebenso wurde an diesen Türelementen je ein Fluchttüröffner im oberen Querholm eingebaut. Damit dieser Fluchttüröffner passend zur oberen Verriegelung des Gangflügels eingebaut werden konnte, wurde das Schließblech in unzulässiger Weise abgekantet.

Obentürschließer mit Feststellanlage in der Gleitschiene falsch nachgerüstet

angebohrter Obentürschließer
Der im Türblatt integrierte Obentürschließer wurde aus Unkenntnis angebohrt und das Öl lief aus.

Im dritten Fall war an Feuerschutztüranlagen aus Holz ursprünglich je eine Feststellanlage mit Wandhaftmagnet und Gegenplatte angebracht. Diese Feuerschutztüren aus Holz waren mit einem innenliegenden Obentürschließer ausgestattet. Auf Wunsch des Bauherrn versuchte ein beauftragtes Unternehmen Obentürschließer mit integrierter Feststellanlage in der Gleitschiene zu montieren. Offensichtlich in Unkenntnis der Tatsache, dass ein im Türblatt integrierter Obentürschließer vorhanden war, bohrte er von der Außenseite Befestigungsbohrungen in die Türblätter ein und beschädigte den integrierten Türschließer. Dadurch lief das im Schließer befindliche Öl aus und beschädigte das jeweilige Türblatt.

TIPP - Nachrüstung
Rüsten Sie regelgerecht nach
Nachrüstungen an Feuerschutzabschlüssen dürfen in bestimmtem Umfang ausgeführt werden. Die Möglichkeiten der Nachbesserung an Feuerschutzabschlüssen, deren Zulassung vor dem 1. Januar 2010 erteilt wurde, sind dem Merkblatt des DIBt vom 1. Februar 1996: „Änderung bei Feuerschutzabschlüssen“ zu entnehmen. An Feuerschutztüren, deren Zulassung nach dem 1. Januar 2010 erteilt wurde, dürfen Nachrüstungen durchgeführt werden, wie im Anhang der jeweiligen Zulassung aufgeführt.

Vermeiden Sie teure Fehler

Durch die unsachgemäße Nachrüstung und Veränderung der Feuerschutztüranlagen hatten sämtliche Türen ihre Zulassung verloren und mussten erneuert werden. Die oben beschriebenen Fehler „Nachrüstung eines Fluchttüröffner und Motorschlosses“ und „Nachrüstung eines Obentürschließers mit Feststellanlage in der Gleitschiene“, wurden an diesem Objekt an mehreren Feuerschutzabschlüssen festgestellt. Die Schadenshöhe kann auf mindestens 100.000 Euro geschätzt werden.
Im Fall der Holztüren konnte der Verursacher festgestellt und haftbar gemacht werden. Vier Türanlagen wurden für geschätzte 20.000 Euro erneuert und dem Verursacher in Rechnung gestellt.

Fazit: Lassen Sie Ihre Mitarbeiter schulen
Die Schäden hätten durch die sachgemäße Beurteilung vor der Ausführung der Kundenanforderungen durch ein Fachunternehmen oder einen Sachverständigen vermieden werden können. Auch eine fundierte Ausbildung der Monteure kann solch unsachgemäße Nachrüstungen an Feuerschutztüren verhindern, da der Fachmonteur dann die grundsätzliche Problematik bei der Nachrüstung von Feuerschutzabschlüssen kennen sollte. In der seit 2015 laufenden Seminarreihe des Bundesverbands Metall „Sachkundiger für die Prüfung und Wartung von Feuerschutztüren und Feststellanlagen“ werden diese speziellen Themen intensiv behandelt.

Josef Faßbender

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Letzte Aktualisierung: 19.07.2018