Thema des Monats - Garagentor: Sicherheit für alte Tore

(Dezember 2018) Auch alte Tore müssen sicher sein. Die Mär vom Bestandsschutz greift hier nicht, wie dieser Schadensfall zeigt.

Schwingtor nach dem Anfahrschaden
Das Schwingtor nach dem Anfahrschaden. Sicht vom Fahrzeug vor der Ausfahrt in Höhe des Wandtasters. Fotos: Hein

An das Gerücht vom Bestandsschutz bei Toren glauben noch immer viele vermeintliche Fachleute. Hat sich jemand mal gefragt, wie man einem Laien erklären soll, dass er sich vor der Nutzung eines Tores zunächst das Baujahr ansehen muss. Oder warum er einen Schaden, vielleicht sogar einen körperlichen, akzeptieren soll, weil er ein älteres Tor benutzt.
Im nachfolgend beschriebenen Fall kam es glücklicherweise nur zu einem materiellen Schaden.

Prüfen Sie die Verantwortlichkeit

Während der Ausfahrt aus einer Sammelgarage schloss das Tor und beschädigte dabei ein Fahrzeug. Obwohl es sich um einen Kombi der unteren Preiskategorie handelte, bescheinigte ein KFZ-Gutachter eine fast fünfstellige Schadenssumme. Immerhin war das Fahrzeugdach betroffen und erforderte eine aufwändige Instandsetzung.
Der Fahrzeughalter machte den Betreiber des Tores für den Schaden verantwortlich, der seinerseits die Schuld beim Fahrer suchte. Dieser sollte versucht haben, durch das Tor zu fahren obwohl ein Rotlicht die anstehende Torschließung anzeigte.
Die Angelegenheit landete bei Gericht und der Sachverständige wurde beauftragt, den Vorgang zu untersuchen. Dabei ging es insbesondere um die Sicherheitseinrichtungen am Tor und darum, ob diese dem aktuellen Stand entsprächen.

Untersuchen Sie das Tor und die Umgebung

verbogene Sicherheitsschaltleiste
Der untere Rahmen mit der Sicherheitsschaltleiste ist nach dem Unfall stark verbogen.

Die unterirdische Sammelgarage wurde mit getrennten Fahrbahnen und Toren, jeweils für die Ein- und die Ausfahrt, befahren. Der Unfall war am Ausfahrtstor passiert.
Bei dem Tor handelte es sich um eine Schwingkonstruktion aus dem Jahr 2002. Es war mit einem Antrieb ausgestattet, einem sogenannten Deckenschlepper. Das Torblatt aus einer holzbeplankten Stahlrohrkonstruktion enthielt eine Sicherheitsschaltleiste an der Schließkante. Ferner war ein rotes Lichtsignal, von innen gesehen links oben vor dem Tor vorhanden.
Die Funktion des Tores war so, dass die Öffnung über die Bedienung per Wandtaster erfolgte. Kurz vor dem Ende der in der Steuerung fest eingestellten Offenhaltezeit sollte das rote Lichtsignal aufleuchten und damit die folgende Torschließung signalisieren. Nach der vollständigen Schließung sollte das Signal verlöschen.

Beachten Sie die Risiken

Zunächst war festzuhalten, dass die Schließung automatisch erfolgte, somit ohne Zutun des Nutzers. Sollte dieser also das Lichtsignal bereits passiert haben, so wird eine beginnende Schließbewegung erst nach der vollständigen Schließung angehalten, oder eben bei der Berührung mit einem Hindernis. Hinzu kommt, dass bei einem Schwingtor der Anfang der Schließbewegung beim Durchfahren nicht direkt bemerkt wird. Das Torblatt fährt zunächst beinahe horizontal in der Fahrtrichtung und beschreibt erst dann die Vertikalbewegung. Der Aufprall auf ein Fahrzeug ist dann unvermeidbar.
Ein solches Szenario ist durchaus vorstellbar; ein verzögerndes Losfahren oder ein Abwürgen des Motors und schon ist die Gefahrensituation gegeben.

Führen Sie eine Risikobeurteilung durch

Anfahrschaden
Der Anfahrschaden im unteren Torbereich ist deutlich zu erkennen.

Kraftbetätigte Tore sind Maschinen und hierfür sind die Anforderungen der Maschinenrichtlinie (MRL) zu erfüllen. Das klingt sehr kompliziert, doch für die Umsetzung der MRL gibt es Hilfsmittel durch Normen und Regelwerke. Bei Toren sind dies aktuell die Normen DIN EN 13241 mit den unterstützenden Normen, hier insbesondere die DIN EN 12453. Daneben sind auch die Regeln der DGUV („Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) in Form der ASR A 1.7 zu beachten.
Der Ablauf zur Ermittlung und anschließenden Vermeidung oder Absicherung des Risikos ist immer durch eine Risikobeurteilung bestimmt. So ist zunächst der Nutzerkreis zu ermitteln, im Fall einer Sammelgarage sind es meist in die Funktion und Bedienung des Tores eingewiesene Personen. Zusammen mit der bereits beschriebenen Automatikfunktion in der Torschließung liegen die wichtigsten Bedingungen vor, um über die DIN EN 12453 ein Mindestschutzniveau zu ermitteln. Im vorliegenden Fall würde dies zu einer Kombination aus Kraftbegrenzung mit zusätzlicher Einrichtung zur Erkennung der Anwesenheit von Personen oder Fahrzeugen, meist durch eine oder mehrere Lichtschranke(n).
Nun kommen aber noch grundsätzliche Erwägungen hinzu, die bei jeder Maschine zu beachten sind. Insbesondere sind hier voraussehbare Fehlbedienungen in der Risikobeurteilung zu berücksichtigen. Im vorliegenden Fall wäre das zuvor beschriebene verzögerte Losfahren vor der Ausfahrt, bewusst oder unbewusst, vorhersehbar und damit in die Sicherheitsbetrachtung aufzunehmen.
Eine Risikobeurteilung ist aber immer nur eine Momentaufnahme. Durch Nutzeränderungen, Erfahrungen aus Unfällen und Schäden, aber auch durch technische Weiterentwicklungen ist es erforderlich, die Sicherheitseinrichtungen an einem kraftbetätigten Tor immer wieder zu hinterfragen und gegebenenfalls den veränderten Bedingungen anzupassen.

Achten Sie auch bei alten Toren auf die Sicherheit

Es stellt sich die Frage wie mit alten Toren zu verfahren ist, die bereits vor Erscheinen der aktuellen Normen in den Markt kamen.
In Bezug auf die Sicherheit kann und darf es nicht davon abhängen, wann ein Tor in Verkehr kam. Im Zuge der Verkehrssicherungspflicht ist der Betreiber eines kraftbetätigten Tores immer dafür verantwortlich, dass hiervon keine Gefahren ausgehen.
Bei dem hier beschriebenen Tor aus dem Jahr 2002 war auch ohne die erst 2005 erschienene Produktnorm DIN EN 13241 nach der damals gültigen Maschinenrichtlinie zu verfahren. Dazu waren mit der DIN EN 12453:2001 und der 1989 erschienenen BGR 232 der DGUV bereits die konkreten Umsetzungen der MRL vorhanden.
Wäre eine jährliche Wartung und Prüfung des Tores erfolgt, wie sie auch im Jahr 2002 durch die BGR 232 schon verpflichtend war, so hätte das Sicherheitskonzept des Tores auf Aktualität geprüft werden können. Leider wurde das nicht vorgenommen, weshalb das Tor zum Zeitpunkt des Unfalls noch im originalen Zustand von 2002 war.
Auch wenn zur Zeit des Inverkehrbringens im Jahr 2002 noch keine Bedenken zur Ausführung der Sicherheitseinrichtungen bestanden haben, so hätte es in den Folgejahren auffallen müssen, dass es bei dem beschriebenen Szenario zu gefährlichen Situationen kommen kann. Auch wurde im Schriftverkehr und auch während der Besichtigung angeführt, dass es in der Vergangenheit mehrfach zu Beinahe-Unfällen gekommen war.
Es wären Nachrüstungen erforderlich gewesen, um das Tor auf einen aktuellen Sicherheitsstand zu bringen. Das ist eine Absicherung des Schließbereichs, die eine unkontrollierte Zufahrt des Tores verhindert, solange der Bereich nicht frei ist. Eine solche Einrichtung, zum Beispiel mittels Lichtschranken, hätte den Anforderungen der DIN EN 12453 entsprochen und ist längst gängige Praxis.

Fazit: Prüfen und warten Sie regelmäßig
Es zeigt sich wieder einmal, dass es diesen angeblichen Bestandsschutz, der so gerne angeführt wird, bei kraftbetätigten Toren nicht geben kann. Solche Tore sind Maschinen und diese sind über ihre gesamte Lebensdauer in einem sicheren Zustand zu halten. Dass dies auch Nachrüstungen erforderlich macht, ergibt sich von selbst und bedarf keiner Diskussion.
Wäre das hier beschriebene Sammelgaragentor in erforderlicher und geeigneter Art und Weise regelmäßig geprüft, gewartet und nachgerüstet worden, wäre der Unfall durch das sich schließende Tor nicht passiert.
Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, es bleiben immer Restrisiken. Die Aufgabe ist aber, diese nach dem aktuellen Stand der Technik zu minimieren.

Passend zum Thema haben wir für Sie Infos zum Mindestschutzniveau zusammengestellt.
Zu den Infos

Klaus-W. Hein, ö.b.u.v.S.

Letzte Aktualisierung: 03.12.2018