Geländer: "Wir richten uns nach den Plänen unserer Kunden"

Geländer aus Glas liegen im Trend. M&T hat Bernhard Feigl, den Geschäftsführer des Bregenzer Zulieferers Glas Marte gefragt, wie er den deutschen Markt einschätzt und worauf es seinem Unternehmen im Zusammenspiel mit seinen Metallbau-Kunden ankommt.

Glas Marte M&T Interview Bernhard Feigl Ganzglasgeländer
„Unser Konzept ist sehr einfach, einfacher kann es kaum sein. Die Anwendung von gesundem Menschenverstand ist unser Geheimnis." Foto: M&T

Herr Feigl, was sind derzeit die besonderen Herausforderungen für Glas Marte auf dem deutschen Markt?

Der deutsche Markt ist geprägt von einem sehr hohen Qualitätsbewusstsein, abgesichert durch technisch nachvollziehbare und wissenschaftlich begründete Erkenntnisse. Dieses Qualitätsbewusstsein ist nicht nur in den Normen und in den technischen Regeln verankert, sondern wird in der Regel auch im täglichen Geschäft als Kundenwunsch klar formuliert. Deutschland hat in punkto Qualität und Präzision in Europa immer schon den Ton angegeben. Wir erleben regelmäßig, dass Produkte und Leistungen, die in Deutschland Bestand haben, einen Qualitätsvergleich zum restlichen Europa nie fürchten müssen. Wir sehen unseren Beitrag darin, nicht nur auf normative Mindeststandards zu schielen, sondern mit technischem Wissen und Können einen Beitrag zu einer positiven technischen Entwicklung zu leisten. Seit fast 15 Jahren sind wir Mitglied im Deutschen Fachverband für konstruktiven Glasbau FKG. Der Austausch in dieser internationalen Gruppe und auch die enge Zusammenarbeit mit universitärer Forschung und Entwicklung haben uns in unserer eigenen Entwicklung und in der Entwicklung unserer Produkte vor allem in technischen Belangen stark positiv beeinflusst.

Was ist Ihre Strategie für Glas Marte?

Unsere Strategie ist unverändert. Wir wollen mit nachvollziehbaren und hervorragenden technischen Lösungen überzeugen. Ein weiteres Ziel ist es, unsere Leistungsstärke und die Qualität unserer Produkte auch in der praktischen Anwendung zu beweisen. Und wir haben höchstes Interesse, dass die Vorteile unserer Produkte all denen, die diese Produkte erhalten, verbauen, empfehlen etc. nutzen werden.

Welches sind aus Ihrer Sicht die zukünftigen Trends bei Geländern?

In unserem Portfolio haben wir neun unterschiedliche Ganzglasgeländer-Baureihen, die in bis zu fünf Varianten angeboten werden. Dadurch haben wir dutzende Ausführungsvarianten, die je nach Bausituation dem Anbieter einzigartige Vorteile, sei es in Sachen Stabilität, Sicherheit, Langlebigkeit oder kurzer Montagezeit ermöglichen. Wir sehen uns nicht nur als Marktführer, sondern auch eindeutig als Technologieführer im Ganzglasgeländer-Bereich. Die Trends sehen wir eher darin, dass derzeit mit asiatischen Produkten oder irgendwelchen Profilen aus aller Herren Länder versucht wird, einen ähnlichen Nutzen zu suggerieren. Erstaunlicherweise stellen wir dabei fest, dass immer irgendwelche Komponenten nicht berücksichtigt oder weggelassen werden. Das Weglassen wird dann als neu oder als besondere technische Innovation angepriesen. Vor diesem Hintergrund ist jedoch ein Technologietransfer nach Mitteleuropa kaum zu befürchten.

Was sind Ihre Ziele für die nächsten fünf Jahre?

Glas Marte M&T Interview Bernhard Feigl Ganzglasgeländer
„Wir haben uns immer als Partner von Zulieferern und Verarbeitern, aber auch oft als seriöser Partner und Berater für Architekten verstanden. Dabei ist uns in der Regel kein Auftrag zu klein, kein Wunsch zu gering oder unbedeutend.“

Unser Ziel ist Kontinuität. Wir haben uns immer als Partner von Zulieferern und Verarbeitern, aber auch oft als seriöser Partner und Berater für Architekten verstanden. Dabei ist uns in der Regel kein Auftrag zu klein, kein Wunsch zu gering oder unbedeutend. Unsere Strategie war es immer schon, einen positiven Beitrag für gläserne Gebäude, für transparente Architektur und für innovative Glasanwendung zu leisten.

Welche Rolle spielt der deutsche Metallbauer in Ihren Plänen für die Zukunft?

Der deutsche Metallbauer hat seine eigenen Pläne für die Zukunft (lacht) und das ist gut so. Wir können nur erfolgreich sein, wenn wir ein gemeinsames Ziel im Auge haben. Das heißt, wenn Sie mich nach meinen Plänen fragen, dann liegt die Sache so, dass wir uns nach den Plänen unserer Kunden richten und diese bei der Umsetzung ihrer Pläne bestmöglich unterstützen. Wir erleben den deutschen Metallbau immer wieder als exzellente Handwerker, die mit Fachverstand und Stolz Sensationelles leisten und Neuem aufgeschlossen sind.

Welche neuen Produkte, Systeme oder Konzepte bieten Sie dem Metallbauer?

Unser Konzept ist sehr einfach, einfacher kann es kaum sein. Die Anwendung von gesundem Menschenverstand ist unser Geheimnis. Wir sind bis jetzt noch nie auf die Idee gekommen, bei einer Glasbefestigung, direkt am Glas, Keile einzuschlagen, verrückbare Einzelteile als Lagesicherung zu bezeichnen oder Dichtmaterial-Kombinationen als dicht zu bezeichnen. Oft sind derartige, wohl kaum zulässige Lösungen am Markt anzutreffen, damit unsere unzähligen Patente nicht verletzt werden. Nein, jetzt im Ernst. Unser Konzept ist es, unseren technischen Vorsprung auszubauen und dafür zu sorgen, dass unsere Kunden den größtmöglichen Nutzen daraus ziehen kann.

Welchen Herausforderungen muss sich der Metallbauer gegenwärtig und in naher Zukunft stellen?

Zukunft? Ich fühle mich nicht berufen, in die Zukunft zu blicken (lacht). Als Handwerker muss man jedoch wissen, dass sich handwerkliches Können und Fähigkeiten oft schnell ändern müssen. Der Handwerker agiert direkt mit dem Kunden und erfüllt dessen Wünsche. Wenn man Neuem aufgeschlossen ist, an neuen Entwicklungen interessiert ist und in der Lage ist, dies auch umzusetzen, hat man meiner Meinung nach das beste Rüstzeug für die Zukunft.

Welche Hilfen bieten Sie für Metallbauer an, die Ihre Produkte montieren?

Wir bieten dem Metallbauer jede Art von Hilfe an, die er haben will. Wir haben ein breit aufgesetztes Schulungsprogramm und bieten eine zweitägige Intensivschulung in der GM-Akademie an. Dabei wird nicht nur produktspezifisches Wissen vermittelt, sondern auch Normen, Richtlinien oder allgemein gültiges Geländerwissen geschult. Der zweite Tag hat einen sehr starken Praxisbezug. So werden 16 Geländer im Original selbst montiert, justiert und erprobt. Wir hatten bereits hunderte Teilnehmer, die sich durchweg von den Kursen und dem vermittelten Wissen begeistert gezeigt haben. Neu in unserem Programm ist ein einfacheres Prozedere, in dem jeder Metallbauer ganz einfach selbst Maße, Größen und statische Dimensionierungen ermitteln kann. Dadurch können wir noch schneller, präziser und auch günstiger agieren und unsere sensationellen, qualitativ hochwertigen Produkte sehr praktikabel bereitstellen.

Was sind die wichtigsten Eigenschaften, die Ihr Unternehmen besonders machen?

Die Beantwortung dieser Frage überlassen wir gerne unseren Kunden.

Warum sollte sich der Metallbauer für Produkte von Glas Marte entscheiden?

Unsere Ganzglasgeländer-Produkte erachten wir in allen Belangen bis jetzt unübertroffen. Für uns stellt sich die Frage im umgekehrten Sinn.

Welche Rolle spielen die neuen deutschen Glasnormen für ihr Unternehmen?

Glas Marte M&T Interview Bernhard Feigl Ganzglasgeländer
„Wir sehen uns nicht nur als Marktführer, sondern auch eindeutig als Technologieführer im Ganzglasgeländer-Bereich.“

Zuerst war es die TRAV, dann die DIN 18008. Zusammen mit den bekannten Normen DIN 1055-100 und EN 1990 ist ein gutes Regelwerk für Ganzglasgeländer entstanden. Wir nehmen diese Normen und Richtlinien sehr ernst, müssen jedoch leider feststellen, dass viele Wettbewerbsprodukte nicht annähernd die Mindeststandards der gegebenen Normen erfüllen. Oft müssen wir auch feststellen, dass aus unterschiedlichen Gründen in der Ausführung Dinge gemacht werden, die so nie ausgeführt werden dürften. Die Tragik dabei ist, dass bei einer Beanstandung immer wieder der Metallbauer auf der Strecke bleibt, obwohl viele Fehler in Wirklichkeit in den Systemen begründet sind. Unsere Auslegung der Norm und unser technisches Verständnis haben wir vielfach publiziert.

Welche typischen Fehler machen Metallbauer bei der Planung und Montage Ihrer Geländer?

Keine (lacht). Natürlich passiert gelegentlich was. Auch wir sind nicht unfehlbar und auch bei uns arbeiten „nur“ Menschen – zum Glück. Wir haben jedoch in den vergangen Jahren sehr viel Kraft und Aufwand in eine möglichst fehlerfreie und verbesserte Auftragsabwicklung, Projektmanagement und Produktion gesteckt. Sodass wir Beanstandungen deutlich reduzieren konnten. Auch durch den verstärkten Ausbau unserer Kundenbeziehungen, den hundertfach besuchten Schulungen und unserem Vor-Ort-Betreuungsservice durch unsere Außendienstmitarbeiter konnten viele Fehler vermieden werden. Oft haben wir auch festgestellt, dass es sich nicht um klassische Fehler handelt, sondern oft um Missverständnisse, die dann erst zu Fehlern werden. Die verstärkte Kundenbindung und der gute Austausch haben sich hier sehr bewährt.

Letzte Aktualisierung: 19.07.2017