„Handwerk wird gefragter denn je sein!“

Das engagierte Team und der Erfindergeist des Vaters sind für Kerstin Hansmann die wichtigsten Eckpfeiler der positiven betrieblichen Entwicklung der Metall- und Balkonbau Hansmann. Welche Wege in der Nachwuchsgewinnung gegangen werden, erläutert die Firmenchefin im Gespräch mit M&T-Redakteur Jörg Dombrowski.

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"Eine Arbeitgebermarke zu entwickeln, ist ein nächster Schritt, um in der Öffentlichkeit besser wahrgenommen zu werden", verrät Kerstin Hansmann.
Foto: M&T

Ihr Metallbaubetrieb wurde kürzlich als „Unternehmen mit ausgezeichneter Berufs- un Studienorientierung“ geehrt. Was bedeutet Ihnen dieser Preis?
Über den Preis haben wir uns natürlich gefreut, zumal er eine Bestätigung dafür ist, dass unser Engagement und speziell die Zusammenarbeit mit der Grund- und Oberschule Müllrose wahrgenommen wird. Generell braucht es ein praxisorientierteres Zusammenwirken von Unternehmen und Schulen. Und da sind wir auf einem guten Weg.

Inwiefern? Können Sie das an einem Beispiel erläutern?
Wir waren im vergangenen Jahr gemeinsam mit einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern und einer Elektrofirma maßgeblich daran beteiligt, eine Projektidee der Schule zu verwirklichen und den Prototyp eines „sprechenden Mülleimers“ zu produzieren. Das war für alle Beteiligten zwar ziemlich aufwendig, aber vor allem spannend, hat praxisnahe Einblicke in das Handwerk ermöglicht und für einiges Aufsehen gesorgt. Nicht nur Presse, Funk und Fernsehen haben darüber berichtet. Vielmehr hat sich die Schule am Wettbewerb „Mach was!“ der Akademie Würth beteiligt und für den „sprechenden Mülleimer“ den Sonderpreis Innovation erhalten. So haben wir gemeinsam einen konkreten Beitrag geleistet, um praxisnah Begeisterung für das Handwerk zu entwickeln, Talente zu entdecken und konnten in der Folge sogar einen freien Ausbildungsplatz besetzen.

Welches sind derzeit die größten Herausforderungen, denen Sie sich stellen müssen?
Nachwuchs- und Fachkräfte zu finden, also den Folgen des demografischen Wandels zu begegnen, zählt ohne Frage dazu.

Was tut Ihr Unternehmen, um Fachkräfte zu finden und was erwarten Sie diesbezüglich von der Politik?
Wichtig erscheint mir – neben den klassischen Instrumenten der Personalentwicklung – neue Wege zu beschreiten. So sind wir dabei, ein Mitarbeiter wertschätzendes Benefit-System einzuführen. Eine Arbeitgebermarke zu entwickeln, ist ein nächster Schritt, um in der Öffentlichkeit besser wahrgenommen zu werden.

Was die Politik angeht: Aus meiner Sicht braucht vor allem die Bildungspolitik einen anderen Ansatz. Unternehmen können nicht damit allein gelassen werden, gravierende und zunehmende Wissensdefizite von Schulabgängern auszubügeln. Es ist auch nicht unbedingt ratsam unmittelbar nach dem Abitur – ohne jegliche praktische Orientierung und Erfahrung – ein Studium aufzunehmen. Das führt zum einen zu hohen Abbrecherquoten. Zum anderen tun wir gerade so, als müsste jeder studieren oder berühmt werden. Einen Beruf zu erlernen, der Freude macht, kann einen durchs ganze Leben tragen.

Trifft das auch auf Sie persönlich zu? Welche Qualitäten braucht man als Frau, um einen Metallbaubetrieb erfolgreich zu führen?
Das Handwerk hat mich schon immer begeistert, wobei ich anfangs Konditorin werden wollte. Eine Ausbildung aufgenommen habe ich dann aber zunächst als Maschinen- und Anlagenmonteurin und eine weitere gleich darauf in meinem Zweitberuf als Instrumentenschleiferin. Weil ich mich schon damals selbstständig gemacht hatte, war es zwingend nötig, unmittelbar danach noch eine Meisterausbildung als Schneidwerkzeugmechanikerin zu absolvieren. Das war Mitte der 1980er Jahre und für eine Frau sicher kein typischer Werdegang. Doch es scheint mir inzwischen überholt zu sein, darüber nachzudenken, was für Frauen oder Männer typisch ist. Viel wichtiger ist, dass man für das, was man tut, wirklich brennt, sein Handwerk von der Pike auf erlernt, mit Begeisterung bei der Sache ist und ein Leben lang aufgeschlossen und lernbereit bleibt.

Wie kam es dazu, dass Sie sich speziell der Produktion von Balkonsystemen verschrieben haben?
Das ergab sich nach der politischen Wende in der DDR. Damals stand das gesamte Wirtschaftssystem auf dem Prüfstand. Viele Betriebe wurden abgewickelt. Die Aufträge für meine Schleiferei blieben aus. Mir blieb gar nichts anderes übrig, als mich neu zu orientieren. Uns kam zugute, dass zu dieser Zeit ein erheblicher Sanierungsbedarf im Städte- und Wohnungsbau bestand und die Idee goldrichtig war, mein Produktionsprofil mit einer Aluminiumfenster- und -türenfertigung neu aufzustellen.

Gleich während einer ersten Messeteilnahme stand dann die Frage im Raum, ob wir uns vorstellen können, Balkonbrüstungen zu erneuern. Wenn Sie so wollen, war das die Geburtsstunde für die Entwicklung und Produktion vorgestellter Balkonsysteme aus Aluminium. Und dabei ist es vor allem der Erfindergeist meines Vaters, dem wir viel zu verdanken haben. Die Metall- und Balkonbau Hansmann haben wir 1997 gemeinsam gegründet.

Gibt es Meilensteine in der zurückliegenden Firmenentwicklung und worauf kommt es heute an?
Hervorzuheben ist auf jeden Fall, dass uns das stetig gewachsene Auftragsvolumen innerhalb kürzester Zeit und der daraus resultierende Wandel vom klassischen Handwerksbetrieb mit wenigen Mitarbeitern zum modernen leistungsstarken Mittelständler immer wieder vor große Herausforderungen gestellt haben. Das ging 1999 damit einher, in das Gewerbegebiet nach Jacobsdorf umzuziehen und war in der Folge mehrfach mit einer Erweiterung unserer Produktionsstätten verbunden. Als einen weiteren Meilenstein würde ich 2015 die Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Wildau ansehen. Daraufhin haben wir eine an die Industrie angelehnte, flussorientierte neue Stufe der Serienfertigung eingeführt. Und es ist nicht so, dass diese Prozesse nun für die Ewigkeit in Stein gemeißelt sind. Vielmehr fordern sie uns stetig, um die Leistungserbringung so effizient wie möglich zu gestalten.


Welchen technischen Trends werden Sie sich zukünftig stellen müssen?
Es ist wohl davon auszugehen, dass wir die Potenziale noch lange nicht ausgeschöpft haben, die mit einer weiteren Vernetzung von Computern und Maschine einhergehen. Besonders die Schnittstelle zwischen der Konstruktion und der anschließenden Produktion könnte durch Softwarelösungen automatisiert werden. Ebenso ist das automatisierte Schweißen durch Roboter im Bereich der Serienteilfertigung ein Thema. Dennoch müssen wir stets in der Lage sein, zeitnah auf individuelle Kundenwünsche zu reagieren und speziell darauf zugeschnittene Lösungen zu finden. Das wird auch in Zukunft nicht ohne gut ausgebildete Fachkräfte im Metallbau funktionieren.

Welche Rolle spielen Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Erfolgsgeschichte Ihrer Firma?
Ohne ein engagiertes Team wäre so gut wie nichts von alledem möglich gewesen. Auf die Mannschaft kommt es an! Kein Überflieger ist so gut wie ein eingespieltes Team. Herzlichen Dank kann ich da nur immer wieder sagen.

Sie waren kürzlich erstmals auf dem Metallbaukongress. Was haben Sie mitgenommen?
Viele neue Kontakte, Themen und Anregungen, die deutlich gemacht haben, wie wichtig es ist, immer mal wieder einen Blick über den eigenen Tellerrand zu werfen.

Wie fanden Sie die festliche Verleihung des Deutschen Metallbaupreises am Abend des ersten Kongresstages?
Großes Kompliment kann ich nur sagen! Ich fand es wirklich wohltuend, dass das Handwerk in so einem Rahmen eine Anerkennung erfährt. Allerdings sind wir weit davon entfernt, dass es tatsächlich als das wahrgenommen wird, was es ist – nämlich eine tragende Säule der Gesellschaft.

Wir reden heute über künstliche Intelligenz und darüber, wie sie unsere Arbeitswelt und Gesellschaft verändern wird. Ich glaube, dass es gerade im Handwerk immer Schnittstellen geben wird, die künstliche Intelligenz nicht vollständig ersetzen kann. Ich bin überzeugt davon, das Handwerk wird in Zukunft gefragter denn je sein.

Letzte Aktualisierung: 02.03.2020