„Ich begreife Veränderung stets als Herausforderung“

Bernhard Hahner geht mit offenen Augen durch die Welt und hat sich ein großes Maß an Neugier bewahrt, um innovativ sein zu können. Im Interview berichtet er, wie er sein Unternehmen Hahner Technik für die Zukunft aufstellt.

ZMT_2005_Interview_Hahner
„Verglichen mit der Industrie zeigt sich, dass das breit aufgestellte Metallhandwerk auf vielen Füßen steht.“
Foto: Hahner

Welches sind neben der Coronakrise derzeit die besonderen Herausforderungen, denen Sie sich als Stahlbauunternehmen stellen müssen?
Wir befinden uns in einer stahlharten Wettbewerbssituation und einem heftigen Preiskampf. Außerdem müssen wir uns intensiv mit Digitalisierung und Maßnahmen zur Fachkräftesicherung auseinandersetzen. Persönlich sehe ich eine große Herausforderung – und Chance – darin, eigene Innovationen in der Praxis umzusetzen.

Wie schätzen Sie die momentane konjunkturelle Situation im Metallhandwerk und in Ihrem Betrieb ein?
Grundsätzlich hat Handwerk auch weiterhin goldenen Boden. Verglichen mit der Industrie zeigt sich, dass das breit aufgestellte Metallhandwerk auf vielen Füßen steht. Während die Automobilindustrie als Kunde etwas schwächelt, werden unsere Leistungen im Maschinenbau aktuell gut nachgefragt, ebenso aus dem Baugewerbe. Da es jedoch in jedem Bereich immer mal wieder kriselt wachsen auch im Metallhandwerk die Bäume nicht in den Himmel.

Sie gelten als besonders innovatives Unternehmen. Woher nehmen Sie Ihre Ideen?
Um innovativ sein zu können, braucht es ein großes Maß an Neugier und Einblicke in viele unterschiedliche Branchen. Ich versuche mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und begreife Veränderung stets als Herausforderung, nicht als Last. Ich denke, es ist in erster Linie eine Frage der positiven Grundeinstellung. Ich frage niemals: „Muss das denn auch noch sein?“, ich frage „Why not?“.

Auf welche Ihrer Ideen sind Sie besonders stolz?
Wirtschaftlich ist die Entwicklung der „Elektronisch Gesteuerten Abspuleinheit (EGA)“, für die mein Unternehmen Texmer 2014 mit dem M&T Feinwerkmechanikpreis ausgezeichnet wurde, unser größter Erfolg. Am meisten stolz macht mich aber meine patentierte Erfindung des „Centrix“, obwohl wir davon noch nicht ein Stück verkauft haben. Die Justierverschraubung hilft unterschiedliche Maßtoleranzen von Rohbau und Stahlbau zu überwinden und ich bin überzeugt, dass sie die Montage im Stahlbau entscheidend verbessern wird.

Sie haben bereits zwei Mal den Deutschen Metallbaupreis als die wichtigste Branchenauszeichnung gewonnen. Welche Wirkung hat ein solcher Gewinn auf Kunden und die eigenen Mitarbeiter?
Die Auszeichnungen machen uns selbstbewusst und unterstützen die Unternehmenskultur. Sie wirken sich positiv auf Mitarbeiterbindung und Recruiting aus. Es kommen Kunden mit ihren Anfragen zu besonderen Projekten auf uns zu, die sonst nicht auf uns aufmerksam geworden wären.

Sie richten in Ihrem Betrieb besonderes Augenmerk auf moderne Technologien. Warum ist das für Sie so wichtig?
Grundsätzlich sehe ich so eine Möglichkeit, uns im Wettbewerb zu behaupten. Speziell wenn es um Kosten geht, sind wir gezwungen, die knappe und wertvolle Ressource Arbeitskraft sinnvoll einzusetzen. Alles, was eine Maschine gleich oder besser macht als der Mensch, speziell wenn die Aufgabe eintönig und körperlich belastend ist, sollte auch von der Maschine erledigt werden. Soweit eine Automatisierung möglich und sinnvoll ist, stellen wir unseren Betrieb auf eine Fließfertigung Losgröße ein Stück im Vollautomatikbetrieb ohne Medienbruch um.

Wo setzen Sie die Schwerpunkte für Ihre betriebliche Entwicklung in der nächsten Zeit?
Wir haben zwei Schwerpunkte: zum einen die oben erwähnte Automatisierung und damit einhergehend auch die Digitalisierung des Unternehmens. Zum anderen die Aus- und Weiterbildung qualifizierter Mitarbeiter, die komplizierte Anpassarbeiten erledigen und die Prozesse steuern können. Dafür werden wir in diesem Jahr noch in eine Ausbildungswerkstatt investieren.

ZMT_2005_Interview_Hahner
„Um innovativ sein zu können, braucht es ein großes Maß an Neugier und Einblicke in viele unterschiedliche Branchen.“
Foto: Hahner

Wo setzen Sie beim Thema Mitarbeitergewinnung und -sicherung an?
Wir setzen schon weit vorne im Bereich Ausbildung an. So bin ich Mitglied im Steuerungskreis der bundesweit einmaligen Azubi-Region-Fulda (www.azubi.region-fulda.de), in der wir versuchen Jugendliche aus anderen Regionen für eine Ausbildung im Landkreis Fulda zu gewinnen. Wir arbeiten permanent an der Arbeitgebermarke, um so für Mitarbeiter aus der Region attraktiv zu sein. Dazu gehört auch der Bereich Social Media.

An welchen Stellen ist die zunehmende Digitalisierung von Bauprozessen ein Treiber für Ihr Unternehmen?
Ich sehe im Bereich der Bauprozesse noch einen starken Nachholbedarf. Im Verhältnis zu anderen Branchen steht die Digitalisierung noch ganz am Anfang. In den nächsten Jahren wird es eine starke Weiterentwicklung geben müssen. Im Stahlbau allgemein und in unserem Unternehmen im Besonderen ist die Digitalisierung mit 3D-Konstruktionsprogrammen, digitalen Aufmaßen und CNC-gesteuerten Maschinen schon längst angekommen. Wir werden uns also nicht treiben lassen, sondern freuen uns auf die weitere Entwicklung.

Welche technischen Trends sehen Sie in den nächsten Jahren, denen Sie vor allem folgen müssen?
Alle Arbeiten, die als Prozess genau beschreibbar sind, lassen sich automatisieren und alles was sich automatisieren lässt, wird automatisiert werden, so meine feste Überzeugung. Da dies wegen der notwendigen gewaltigen Investitionen große Auftragsvolumina voraussetzt, wird sich auch die Konzentrationsentwicklung weiter fortsetzen, wie man sie schon aus andern Handwerksbranchen kennt. Wichtig ist auch die organisatorische Umsetzung, die für das betriebliche Wachstum und die Unternehmensfinanzierung mindestens ebenso maßgeblich ist wie die technischen Herausforderungen.

In welchen Bereichen sehen Sie das größte Entwicklungs­potenzial für Ihr Unternehmen?
Wenn es uns gelingt, eigene Ideen zu verkaufbaren Produkten zu entwickeln, können wir uns aus der stark preisgetriebenen Situation des Stahlbaus für öffentliche Auftraggeber freischwimmen. Für uns heißt das: Eigene Produkte entwickeln und vermarkten und weniger fremdgesteuerte Projekte umsetzen, bei denen wir „austauschbare“ Lieferanten oder Nachunternehmer sind.

Sie sind seit einigen Jahren Landesfachgruppenleiter Stahlbau in Hessen. Welche Themen sind in diesem Zusammenhang in nächster Zeit für Sie besonders wichtig?
Wichtig ist mir die Förderung des Netzwerksgedankens, denn hochspezialisierte Betriebe können gemeinsam mehr leisten als jeder einzelne alleine. An mich herangetragene Anliegen kann ich in den Bundesverband weiterleiten. Beispielsweise konnten wir durch eine Initiative aus Hessen erreichen, dass nun Gehwegs- und Fahrradbrücken der EXC2 zugeordnet sind und damit auch von kleineren Metallbauern angeboten werden können. Wir können also Einfluss nehmen, wenn die Argumente passen.

Zur Firma
Von der Traktorgarage zu Hahner Technik
1989 hat Maschinenbauingenieur Bernhard Hahner in der Traktorgarage seines Vaters mit dem Stahlbau begonnen. Heute ist Hahner Technik ein international agierendes Unternehmen mit drei verschiedenen Standorten in der Mitte Deutschlands und einem Leistungsspektrum, das inzwischen weit über den reinen Stahlbau hinausgeht. Neue Fertigungsfelder wie Fördertechnik, Abfallsortierung beziehungsweise -aufbereitung und der Bau von Großskulpturen nach Entwürfen namhafter Künstler gewinnen immer mehr an Bedeutung.

Letzte Aktualisierung: 30.04.2020