Ja klar, aber...

Digitalisierung: Sie ist ein gesellschaftliches Phänomen, das sich auf die gesamte Arbeits- und Geschäftswelt auswirkt. Wie eine aktuell im Zusammenhang mit dem Projekt DigiWorldMetall durchgeführte Untersuchung zeigt, ist dieses Thema auch im Metallhandwerk angekommen.

Das Projekt „DigiWorldMetall – Vernetzte interaktive Learning-World des Metallhandwerks“ ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Europäischen Sozialfond der Europäischen Union gefördertes Verbundprojekt. Unter Federführung des Bundes-verbands Metall befasst es sich mit der Entwicklung einer internetgestützten Lern-, Informations- und Beratungsplattform, die den Austausch zwischen Metallhandwerks-betrieben und Verbandsakteuren aber auch zwischen den Betrieben untereinander fördern soll.

Im Zuge der wissenschaftlichen Projektbegleitung durch die Fernuniversität in Hagen sind Mitgliedsbetriebe des Metallhandwerks zur Verwendung digitaler Medien, Anwendungen und Tools in Arbeits- und Lernprozessen befragt worden, um die Ausgangssituation für die Implementierung einer solchen Plattform zu erfassen.
 
Dazu wurden von Mai bis Juni dieses Jahres Bildungsverantwortliche aus je zwei Betrieben in den Regionen der als Verbundpartner beteiligten Landesverbände (Bayern, Berlin-Brandenburg, NRW, Thüringen) zur Nutzung digitaler Medien interviewt.
Die Gesprächspartner/innen machten Angaben über die gelebte Praxis in den Betrieben. Um eine breitere Basis an Betrieben zu erfassen, wurde zusätzlich im Juli ein Online-Fragebogen geschaltet, der von 324 Teilnehmenden vollständig beantwortet worden ist.
Insgesamt gesehen zeigt die durchgeführte Studie, dass sich das Metallhandwerk dem Digitalisierungstrend bereits jetzt stellt. „Ohne digitale Sachen geht es ja heutzutage gar nicht mehr“, diese Äußerung einer interviewten Geschäftsführerin bringt die Situation auf den Punkt. Allerdings zeigt sich auch, dass diese Aussage hauptsächlich für den Büro- und Montagebereich gilt, während in der Fertigung häufig nur Führungskräfte digitale Medien nutzen.

Wie auch die Auswertung der Online-Umfrage nahe legt, sind digitale Medien bei der Kommunikation und bei der häufig gesetzlich vorgeschriebenen Auftragsdokumentation Standard. Sie steigern die Effizienz durch schnelle und einfache Informationsbeschaffung und -weitergabe. Ein ständiger Zugriff auf Daten und eine fortlaufende standortüber-greifende Aktualisierung von Datenbeständen stellen weitere Vorteile dar. Entsprechend zeigt die Interviewstudie, dass sich einige Betriebe mit der digital gestützten Optimierung von Arbeits- und Geschäftsprozessen durch Nutzung einschlägiger Branchensoftware auseinandersetzen. Betriebe, die als Digitalisierungsvorreiter betrachtet werden können, geben an, dass weder das Alter noch die Akzeptanz seitens der Beschäftigten Hürden bei der Einführung digitaler Anwendungen darstellen.

INFO  
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Das neue Bildungsnetzwerk
Ziel des Projektes ist es, ein speziell auf die Bedarfe des Metallhandwerks bezogenes, digital agierendes Bildungsnetzwerk aufzubauen. Die „DigiWorld­Metall“, also eine gemeinsame digitale Lernplattform, soll ein zentrales Sys­tem des Wissensmanagements sein, in der Information, Austausch, Beratung und Lernen miteinander verzahnt werden.

Angebot digitaler Lernformate erweitern

Da digitale Medien zur Unterstützung von Arbeits- und Geschäftsprozessen etabliert sind, liegt es nahe, die genannten Vorteile auch für die Gestaltung betrieblicher Bildungsprozesse zu nutzen. Dabei zeigt die Situationsanalyse, dass digitale Medien zwar verbreitet sind, jedoch die zur Verfügung stehende Bandbreite digitaler Lernformate nicht ausgeschöpft wird. So werden hauptsächlich klassische Lernprogramme und Multimediaanwendungen eingesetzt. Insgesamt wird deutlich, dass durchaus ein Interesse daran besteht, das bisher genutzte Spektrum an digitalen Lernangeboten um neuartige Anwendungen zu erweitern. An diesem Punkt setzt das Projekt DigiWorldMetall an, denn es zielt darauf ab, eine zeitgemäße Bildungsarbeit mit digitalen Medien in den KMU des Metallhandwerks zu unterstützen. Dies kann einerseits dadurch erfolgen, dass auf der entstehenden Plattform einsatzfähige digitale Bildungslösungen angeboten werden. Andererseits wird es in der DigiWorldMetall Beratungs- und Schulungsangebote geben, die Betriebe in die Lage versetzen, selbstständig geeignete digital gestützte Bildungsangebote zu entwickeln.

In den beteiligten Landesverbänden werden im Rahmen des Projektes digitale Berater/innen qualifiziert, welche die Mitglieder dabei unterstützen werden. Darüber hinaus sollen sich auf der Plattform Betriebe über Praxiserfahrungen mit digitalen Bildungslösungen austauschen können und selbst erstellte Lernmedien miteinander teilen. Wie die Interviewstudie zeigt, profitieren viele der Befragten vom kollegialen Austausch in Netzwerken. Dazu möchte die DigiWorldMetall geschützte internetbasierte Kommunikations- und Austauschkanäle bieten. Die Interviewpersonen zeigen sich diesbezüglich aufgeschlossen. Allerdings wird als Voraussetzung für einen lebendigen Austausch eine vertrauensvolle Umgebung mit identifizierbaren Akteuren genannt. Gewünscht wird daher, dass die beteiligten Personen im DigiWorldMetall-Netzwerk nicht nur persönliche Profile anlegen können, sondern auch ihren Betrieb vorstellen. Zudem liefert die Auswertung der Interviewstudie Erkenntnisse darüber, dass technische Funktionen wie Tools für die zeitversetzte und die zeitgleiche Kommunikation (Foren und Chats) sowie gängige Features von Social-Mediaplattformen wie Kommentarfunktion und Like-/Follow-Optionen von den Befragten erwartet werden.

Die Analyse der Ausgangsituation zeigt, dass das Projekt DigiWorldMetall dazu beitragen kann, einzelbetriebliche Herausforderungen bei der Einführung und Weiterentwicklung einer digital gestützten betrieblichen Bildungsarbeit zu überwinden. Der Homepage www.digiworldmetall.de sind nähere Informationen zum Projekt zu entnehmen. Für konkrete Fragen und Anliegen zur DigiWorldMetall stehen Projektleiter Diether Hils und Alexander da Silva als Referent Bildungsprojekte gerne zur Verfügung.
 
Dieser Beitrag ist auch in M&T-Metallhandwerk Ausgabe 12.2018 erschienen.

Letzte Aktualisierung: 17.12.2018