Metallbau: „Wir brauchen mehr Wertschätzung“

Ehrenamtliches Engagement erfordert die Unterstützung im Betrieb und in der Familie – besonders wenn man Handwerkskammerpräsident ist. Wie er die Herausforderung meistert und welche Anforderungen an das Metallhandwerk jetzt und in Zukunft gestellt werden, erläutert Metallbauer Robert Wüst im Interview mit M&T.

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„Die Nachfrage nach handwerklichen Leistungen und Produkten wird aufgrund guter Einkommen, niedriger Zinsen und der starken Baukonjunktur hoch bleiben“, ist sich Robert Wüst sicher. Foto: M&T

Wie schwer ist es, Handwerkskammer-Präsident und Metallbau-Unternehmer in einer Person zu sein?
Es ist es nicht schwerer und nicht leichter als bei anderen Unternehmern, die Ehrenamt und Beruf in Einklang bringen müssen. Natürlich braucht es eine gute Struktur und Organisation. Wir haben eine tolle Mannschaft im Betrieb, meine Familie steht hinter mir und hält mir den Rücken frei. Ohne die viele Unterstützung würde es nicht funktionieren.

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„Wir müssen uns gegenüber der Politik für den Abbau unnötiger Bürokratie noch viel stärker machen“, fordert Wüst im Gespräch mit M&T-Redakteurin Yvonne Schneider. Foto: M&T

Wie schätzen Sie die konjunkturelle Entwicklung des Metallhandwerks ein?
Das Handwerk insgesamt hatte letztes Jahr ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr. Das galt auch im Metallbau. Ich rechne damit, dass sich die tolle Entwicklung 2019 etwas abschwächt, aber wir dennoch im Handwerk wieder ein gutes Jahr haben werden. Die Nachfrage nach handwerklichen Leistungen und Produkten wird aufgrund guter Einkommen, niedriger Zinsen und der starken Baukonjunktur hoch bleiben. Davon wird auch das Metallbauhandwerk bei Türen, Toren oder Fassaden profitieren können.

Was sind die Herausforderungen, vor denen Sie täglich stehen?
Die Bürokratielasten steigen ständig, auch wenn die Politik das Gegenteil behauptet. Tag für Tag verlieren wir ´ne Menge Zeit mit unnützem Papierkram. Zeit, die wir besser in die Arbeit für unsere Kunden investieren sollten. Wir müssen uns gegenüber der Politik für den Abbau unnötiger Bürokratie noch viel stärker machen.

„Die Betriebe des Metallbauhandwerks sind bei der Digitalisierung besonders gefordert.“
Metallbauer und Handwerkskammer­präsident Robert Wüst


In Ihrer Generation sind Sie mit digitalen Möglichkeiten aufgewachsen. Wofür nutzen Sie die digitalen Errungenschaften wie Tablets oder Handys in Ihrem Handwerksbetrieb?
Neben der schnellen Kommunikation schätze ich an den digitalen Möglichkeiten die Vernetzung untereinander und die Möglichkeit der Ressourceneinsparung beispielsweise im Hinblick auf die digitale Ablage. Und wer weiß – vielleicht werde ich als Metallbaumeister meinen Kunden in fünf Jahren dank der Möglichkeiten, die mir mit dem Thema „Virtual Reality“ geboten werden, ihr neues Automatik-Tor direkt auf ihrem Grundstück noch vor der Fertigstellung präsentieren können.

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Lohnend: „Ehrenamtliches Engagement vor Ort entsteht immer aus dem persönlichen Bedürfnis heraus, für die Gemeinschaft da zu sein und mitgestalten zu können“, findet der Metallbaumeister. Foto: M&T

Wie begegnen Sie in Ihrem Betrieb dem allgegenwärtigen Fachkräftemangel?
Die Suche nach Fachkräften ist sicher die größte Herausforderung unserer Betriebe. Wir brauchen mehr Wertschätzung auch von Seiten der Politik für die Chancen der beruflichen Bildung und eine bessere Vorbereitung von Schülerinnen und Schülern. Nur so können wir auch künftig junge Leute fürs Handwerk begeistern. Wir müssen unsere Betriebe aber auch für Bewerber mit besonderen Unterstützungsbedarfen noch breiter öffnen. In meinem Betrieb bilde ich beispielsweise gerade einen Metallbauer aus, der in der Schule Schwierigkeiten hatte und der jetzt in der Ausbildung gute Leistungen zeigen will.

Sie engagieren sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für Ihren Beruf. Was haben junge Handwerksmeister von einem Ehrenamt?
Ehrenamtliches Engagement vor Ort entsteht immer aus dem persönlichen Bedürfnis heraus, für die Gemeinschaft da zu sein und mitgestalten zu können. Handwerksmeister sind in ihren Regionen verwurzelt und interessieren sich schon deshalb dafür, was um sie herum passiert. Sie möchten in einer lebenswerten Umgebung leben und arbeiten. Dazu können sie mit ehrenamtlicher Arbeit beitragen.

Was sind aus Ihrer Sicht die Herausforderungen, vor denen der Metallbauer jetzt und in Zukunft steht?
Neben dem Fachkräftethema sind die Betriebe des Metallbauhandwerks bei der Digitalisierung besonders gefordert, ihre Prozesse und Ressourcen im Betrieb in den Blick zu nehmen und klug zu investieren. Das schließt auch den Blick auf die Serviceketten ein: Zunehmend versuchen Hersteller, unseren Servicebetrieben das Wasser abzugraben. Wir müssen im Handwerk aufpassen, dass dieser wichtige Bereich nicht von der Industrie übernommen wird.

Letzte Aktualisierung: 04.04.2019