Mit besonderer Sorgfalt

(Juni 2020) Die Ausführung eines Treppengeländers war Gegenstand eines Streitfalles zwischen einem Metallbauer und dessen Auftraggeber.

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An dem Treppengeländer und den Trittschutzplatten wurde eine Reihe von Mängeln festgestellt.
Foto: Kania

Bei dem Streitgegenstand handelte es sich um ein Edelstahltreppengeländer sowie die gekanteten Treppenschutzbleche für die Trittstufen. Das Geländer bestand aus insgesamt fünf Läufen vom Keller- bis zum Dachgeschoss. Im Rahmen eines Beweisbeschlusses sollte der Sachverständige prüfen inwieweit von den Metallstreben des Geländers eine Verletzungsgefahr ausging, die Schweißnähte unvollständig waren und die Trittschutzplatten scharfe Kanten aufwiesen und nicht Plan mit den Trittstufen verliefen.

Achten Sie auf die Abstände und Verbindungen

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Die „geschlossenen“ Geländerenden bargen eine Verletzungsgefahr durch das Einklemmen oder Quetschen der Finger.
Foto: Kania

Das Edelstahlgeländer bestand aus Rundpfosten mit einem über ein Rundeisen abgesetzten Handlauf. Als Füllstäbe wurden zwei horizontal verlaufende Rundrohre verarbeitet. An den jeweiligen Endstellen der einzelnen Geländerläufe saßen die Handläufe, befestigt über ein Rundeisen mit einem Durchmesser von zwölf Millimetern auf den Rundrohrpfosten. Bedingt durch die Treppensteigung entstand an einigen Enden des Geländers ein fast geschlossenes Dreieck. Bei anderen Endstücken war das nicht der Fall.
Die Verbindungen zwischen den Füllstäben und den Rundpfosten wurden formschlüssig hergestellt, das heißt die Pfosten wurden für die Aufnahme der Füllstäbe gebohrt. Die runden Füllstäbe wurden dann beim Zusammenbau in die entsprechenden Bohrungen gesteckt. Von Außen wurden dann noch Heftnähte geschweißt, damit der Füllstab sich nicht verdreht beziehungsweise klappert. Der Spielraum zwischen Füllstab und Bohrung im Pfosten betrug bis zu drei Millimeter.

Auf den vorhandenen Holzstufen wurden gekantete Strukturbleche aufgeklebt. Eine Ecke der gekanteten Bleche stand etwa drei Millimeter über der Holzstufe hoch. Alle anderen Ecken und Kanten lagen plan auf den Holzstufen auf und hatten keine scharfen Ecken und Kanten.

Vermeiden Sie eine Verletzungsgefahr

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Der Spielraum zwischen Füllstab und Bohrung im Pfosten betrug bis zu drei Millimeter. Die Heftstellen waren auf jeden Fall ein optischer Mangel.
Foto: Kania

Zuerst stellte sich für den Sachverständigen die Frage nach der Verletzungsgefahr an den Metallstreben (Dreiecksöffnungen). Bei kleinen Öffnungen besteht die Gefahr des Hängenbleibens mit den Fingern. Diese Gefahr gibt es grundsätzlich auch bei Geländerfüllungen mit zum Beispiel Lochblechen oder eng gesetzten Füllstäben, jedoch vor allem bei Handläufen. Die Möglichkeit des „Einfädelns“ mit den Fingern ist dabei möglich.

Die relevante DIN 18065 Gebäudetreppen macht bei Treppen und Geländern für Ein- und Zweifamilienhäuser keine Angaben. Jedoch müssen auch dort die Geländer standsicher und gebrauchstauglich sein. Dazu gehört auch die Vermeidung von Hand- oder Fingerquetschungen. In Anlehnung an die Vorgaben für Geländer (Arbeitsstättenverordnung, -richtlinien und -regeln) kann man von einem Abstand von mindestens 75 Millimetern zwischen zwei senkrechten Stäben ausgehen, um Quetschungen zu vermeiden. Das heißt im vorliegenden Fall müssten die Öffnungen sehr viel größer sein als vorhanden (75 Millimeter in Laufrichtung gemessen) oder einfacher: Die Geländerenden müssen offen gestaltet werden.

Edelstahl
Achten Sie auf die optischen Anforderungen
Fachregelwerk Metallbauerhandwerk – Konstruktionstechnik, Kapitel 2.38.11.5: „Für die Beurteilung des Schliffbildes einer Schweißnaht existiert keine Norm. Jedoch müssen an die Oberfläche eines Geländers aus nicht rostendem Stahl in einem Wohnhaus hohe Ansprüche gestellt werden.“ In diesem Fall musste die Schweißnaht deshalb aus optischen Gründen komplett geschlossen und beschliffen werden.


Berücksichtigen Sie die optischen Anforderungen

Alle Füllstäbe waren in vorhandene Bohrungen im Pfosten gesteckt. Aus statischer Sicht war ein Formschluss gegeben und ausreichend. Zusätzlich wurden die Füllstäbe abgeheftet beziehungsweise teilweise verschweißt. Das verhinderte ein Drehen und Klappern der Füllstäbe. Die Ausführung war aus konstruktiver Sicht fachlich in Ordnung. Allerdings wird bei Edelstahlgeländern eine höhere Anforderung an die Optik gestellt, die bei der vorliegenden Verbindung nicht gegeben war. Deshalb musste die Schweißnaht aus optischen Gründen komplett geschlossen und beschliffen werden.

Berücksichtigen Sie auch Sicherheitsaspekte

Wie beim Ortstermin festgestellt, besaßen die Kanten und Ecken der Trittschutzplatten keine scharfen Kanten oder Grate an denen man sich bei normalem Gebrauch der Treppe verletzen konnte. Die Ausnahme bestand an einer Ecke, die etwa drei Millimeter gegenüber der Holzstufe hoch stand. Nach den Ebenheitstoleranzen der DIN EN ISO 13920 Klasse G (gilt als vereinbart, wenn nichts anderes vereinbart wurde) lag die Abweichung von drei Millimeter noch innerhalb der Toleranz von 5,5 Millimeter, musste aber in diesem Fall aus Sicherheitsaspekten entfernt werden. Das heißt um ein Hängenbleiben beim Begehen der Treppe zu vermeiden, musste diese Ecke wieder zurückgebogen werden, damit ein planes Aufliegen der Trittschutzplatte gewährleistet war.

Fazit: Bessern Sie nach
Die „geschlossenen“ Dreiecke an den Geländeranfängen und -enden mussten umgestaltet werden, damit ein Quetschen und Verbiegen der Finger nicht mehr möglich war. Der Anschluss Füllstab/Pfosten musste aus optischen Gründen verschweißt und geschliffen werden. Eine Ecke der Trittschutzplatten musste aus Sicherheitsgründen zurückgebogen werden.


Autor: Dipl.-Ing./SFI Frank Kania ist Technischer Berater des Bundesverbandes Metall (BVM) in Essen.

Infos im Internet/Downloads: Auf www.mt-metallhandwerk.de/downloads finden Sie weitere Bilder sowie die Toleranztabelle aus DIN EN ISO 13920.

Schadensfälle: Eine Reihe von Schadensfällen zum Thema Geländer ist in den Bänden 1 bis 4 „Schäden im Metallbau“ aus dem Coleman-Verlag enthalten. Recherchieren können Sie auch auf der Schadens-Homepage www.schaeden-im-metallbau.de .

Fachregelwerk: Wichtige Informationen zum Thema finden Sie im Fachregelwerk Metallbauerhandwerk – Konstruktionstechnik im Kapitel 2.38 Geländer und Umwehrungen, Brüstungen, Handläufe. Weitere Informationen zu den Büchern und zum Fachregelwerk erhalten Sie beim M&T-Kundenservice, E-Mail: coleman@vuservice.de oder von Mo-Fr von 7:30 bis 17 Uhr per Telefon unter 06123 9238 274.

Letzte Aktualisierung: 02.07.2020