Mit Leidenschaft und Sachverstand

Er arbeitet akribisch und strukturiert, tritt den Beteiligten seriös und vertrauensvoll gegenüber und bildet sich ständig weiter. Warum das für Metallbaumeister German Sternberger der Garant für eine erfolg­reiche Sachverstän­digentätigkeit ist, lesen Sie im Interview.

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„Das Fachregelwerk ist für mich ein unverzichtbares Gut“, weiß German Sternberger (rechts), hier in der Werkstatt mit dem Auszubildenden Timo Tubach.
Foto: Sternberger

Sie sind Metallbau-Werkstattleiter der Universität Heidelberg. Was sind dort vor allem Ihre Aufgabenbereiche?
Das Spektrum unserer Arbeiten ist vielfältig. Wir unterstützen zunächst die Forschung und Lehre. Am spannendsten dabei sind die Arbeiten mit unseren Forschungsteams und deren Entwicklungen. Es macht große Freude sich mit seiner nun jahrzehntelangen Erfahrung und der Kenntnis von Materialverhalten und Machbarkeiten von Projekten einzubringen. Wir verarbeiten dabei fast ausschließlich hochlegierte Stähle. Weiterhin ist unser Werkstattteam auch Ansprechpartner für die alltäglichen Probleme, die sich im Institut unter der Woche auftun. Da ist mal eine Konsole im Labor zu befestigen oder es sind verschiedene Schweißarbeiten auszuführen. Und wenn ein Schlüssel abgebrochen ist, dann öffnen wir natürlich auch verschlossene Türen.

Hat die Corona-Pandemie Ihren Arbeitsalltag verändert?
Natürlich – der Lockdown hat die Universität nahezu lahmgelegt. Deshalb mussten überwiegend wichtige Gerätschaften und Abläufe überwacht und funktionsbereit gehalten werden. Mit einem rollierenden System haben wir unseren Teil dazu beigetragen. Bis heute tragen wir Masken, halten Abstand und kommen somit gut über die Runden.

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„Die häufigsten Fehler finden sich in der Befestigungstechnik und in einer unzureichenden Standsicherheit“, berichtet German Sternberger im Interview mit M&T-Redakteur Jörg Dombrowski.
Foto: M&T

Sie sind seit 14 Jahren Sachverständiger für das Metallbauerhandwerk. Warum widmen Sie sich so intensiv dem Thema Schäden?
Eine berechtigte Frage – es geht nicht in erster Linie immer um Schäden, sondern um das Beantworten von Fachfragen. Das geht oft einher mit Schäden. Festgestellte Schäden sind überwiegend der Grund für Streitigkeiten, die ich als Sachverständiger klären muss. Diese Arbeit ist meine Leidenschaft. Ich habe gemerkt, dass ich in dieser Nische meinen Platz finden kann. Ich arbeite akribisch und strukturiert. Weiter vermittle ich den Beteiligten Seriosität und Vertrauen. Diese Werte und die stetige Weiterbildung sind der Garant für eine erfolgreiche Sachverständigentätigkeit.

Hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren inhaltlich verändert?
Mal losgelöst von den stetigen fachlichen Entwicklungen und Anpassungen der Regelwerke, die ohne Zweifel unsere Sachverständigentätigkeit beeinflussen. Ich führe von Anfang an eine umfangreiche Fallstatistik. Diese zeigt mit beeindruckender Beharrlichkeit, dass in meinem Büro am meisten über Treppen und Geländer gestritten wird. In dieser Hinsicht hat sich nichts wesentlich verändert.

Welche typischen Fehler begegnen Ihnen bei Ihrer Sachverständigentätigkeit immer wieder?
Meine Schadensfallanalysen sprechen da eine eindeutige Sprache. Die häufigsten Fehler finden sich in der Befestigungstechnik und einer unzureichenden Standsicherheit. Es folgen optische Unregelmäßigkeiten und Abweichungen in den Toleranzen.

Was war der kniffligste Fall, den Sie bisher zu klären hatten?
Eindeutig eine achtstöckige Aluminium-Fassadenkonstruktion, an der nach zehn Jahren einzelne Lamellen der Sonnenschutzanlage anfingen sich zu lösen und auf die darunter befindlichen Verkehrswege abstürzten. Zur Dokumentation der Schweißpunkte an 4.400 Lamellen habe ich 1.500 hochauflösende Fotos erstellt und im Büro ausgewertet. Der Fall „Mangelhafte Lochschweißung“ ist in dem neuen Buch aus dem Coleman-Verlag „Schweißschäden“ beschrieben.

In diesem Fall ging es außerdem um 2,30 Meter lange Fassaden­elemente in großer Höhe, die sich durch Dilatationskräfte aus ihrer Verankerung gelöst hatten und bei Starkwind ebenfalls drohten abzustürzen. Die Fassadenkonstruktion wurde nach meiner Begutachtung aufgrund von „Gefahr im Verzug“ komplett eingerüstet und mit Fangnetzen versehen. Es folgte eine extrem teure und aufwendige Ertüchtigungsaktion.

Was können Sie den Metallhandwerkern raten, damit sie solche Schäden in Zukunft vermeiden?
Der Schaden an den Lochschweißungen wäre zweifelsfrei durch eine funktionierende Qualitätskontrolle unterbunden worden. Die einfache Sichtprüfung hätte dabei schon einen adäquaten Erfolg gebracht.
Das Einhängen der langen, feststehenden Fassadenelemente und die ungünstige Positionierung der Befestigungsschrauben ist ein klarer Planungsfehler. Es braucht vor Ort kompetente Aufsichtspersonen, die im Zweifel Bedenken anmelden können.

Sie nutzen für Ihre Gutachten sehr intensiv das Fachregelwerk Metallbauerhandwerk – Konstruktionstechnik. Wie hilft es Ihnen bei Ihrer Arbeit?
Das Fachregelwerk ist für mich ein unverzichtbares Gut. Die Kapitel sind durchweg gut strukturiert aufgebaut und an wichtigen Stellen sind nützliche Querverweise eingefügt. An entsprechenden Stellen werden Paragrafen der Bauordnungen oder Punkte aus den Technischen Baubestimmungen zitiert, was sehr hilfreich für die Recherche und Gutachtenerstellung ist. Ins Auge springende Abbildungen und Merksätze sorgen zusätzlich für Klarheit. Ich zitiere in Gutachten sehr oft mit direktem Verweis auf das Fachregelwerk.

Sie sind Mitglied in der Metallinnung Heidelberg, im Gesellenprüfungsausschuss und im Meisterprüfungsausschuss der Handwerkskammer. Was bringen Ihnen diese Ehrenämter?
Die Innungsmitgliedschaft ist für mich eine Herzensangelegenheit. Ich suche aktiv den Kontakt zu meinen Berufskollegen. Als Sachverständiger profitiere ich davon genauso wie umgekehrt. Ein Beispiel: Für Gerichtsgutachten liefere ich immer wieder einen ortsüblichen Preis durch eine kleine Umfrage. Im Gegenzug habe ich mit meinen Recherchemöglichkeiten für eine kleine Frage oft eine schnelle Antwort parat.
Aufgrund meiner Berufsethik bin ich mit Freude als Prüfer dabei. Selbst tätig als Ausbilder im Metallbauerhandwerk, begleite ich die jungen Menschen gerne auch in ihren Prüfungen. Wir brauchen gut ausgebildeten Nachwuchs in unserem Beruf und dazu will ich meinen Teil beitragen. Genauso verhält es sich mit den Meisterprüfungen.

Sie sind regelmäßiger Besucher des Metallbaukongresses. Warum sollten die Metallhandwerker am 30. und 31. Oktober 2020 nach Melle kommen?
In der Tat bin ich schon viele Jahre als regelmäßiger Besucher auf dem Metallkongress dabei und animiere gerne alte und neue Teilnehmer. Für mich gibt es auf Anhieb viele Gründe, um nach Melle zu kommen. Man trifft bekannte und neue Gesichter und hat konstruktive Gespräche. Die Vorträge sorgen durch Fort- und Weiterbildung zum echten Mehrwert des Kongresses. Die Aussteller haben sicherlich bis dahin ein schweres Jahr hinter sich und freuen sich über jeden Standbesucher. Zu guter Letzt ist da noch die jedes Jahr gelungene Abendveranstaltung mit der spannenden Verleihung des Deutschen Metallbaupreises.

Ich empfehle den Metallkongress. Kommen Sie nach Melle. Ich bin auch dort und freue mich auf konstruktive Gespräche.

Statistik
Häufige Fehlerursachen
Themen, die im Sachverständigenbüro von German Sternberger gutachterlich bearbeitet wurden:

  • Standsicherheit/Befestigungstechnik: 25 Prozent,
  • Oberflächen/optische Unregelmäßigkeiten: 20 Prozent,
  • Toleranzen: 15 Prozent,
  • Verzinkung: 10 Prozent.
  • Rest: Schweißfehler, Wertermittlung, Schließtechnik, Entwässerung, Dilatation, etc.
  • Metallbauarbeiten, die bisher Gegenstand von Begutachtungen waren:
  • Geländer: 30 Prozent,
  • Türen/Tore/Fenster: 20 Prozent,
  • Treppenkonstruktionen: 15 Prozent
  • Rest: Balkonanlagen, Überdachungen, Vordächer, Zäune, etc.

Letzte Aktualisierung: 02.07.2020