Feinwerkmechanikpreis 2014: Faden ohne Schaden

Am 7. November wurde erstmalig der M&T-Feinwerkmechanikpreis vergeben. Gewonnen hat die „EGA“ Elektronisch geregelte Abspuleinheit der Firma Texmer aus Petersberg-Böckels. Wir liefern die Details.

Feinwerkmechanikpreis 2014 Gewinner Hahner EGA
Gewinner Bernhard Hahner erklärt das Prinzip: Je nach Anwendungsfall werden Einheiten mit einer Spule bis zu mehreren Dutzend EGA (gelber Zylinder) aufgebaut. Foto: M&T

Der erste Platz wurde von der Jury an die innovative elektronisch geregelte Abspuleinheit „EGA“ vergeben, die die Firma Texmer entwickelt und konstruiert hat und jetzt in Serie fertigt. Für viele Prozesse in der Textilindustrie ist das Abrollen von Fäden notwendig. Bisher wurden dabei die Spulen mit einem konstanten Moment gebremst. Das bedeutet, dass die Fadenspannung mit abnehmendem Spulendurchmesser steigt. Das ist für einige Prozesse, speziell bei hochempfindlichen teuren Fasern wie Carbon, nicht akzeptabel, da der Faden reißen kann und dadurch die Qualität des Endprodukts deutlich negativ beeinflusst wird. 

Messen ohne berühren

 
In kompletter Eigenentwicklung von der Idee bis zur Realisierung im eigenen Haus wurde die „EGA“ als Lösung dieses Problems entwickelt und im Markt eingeführt. Mit der EGA wird die Fadenspannung aus mehreren Parametern errechnet und ständig abgeglichen und geregelt. Das neue Verfahren funktioniert komplett berührungslos. Der mittelständische Betrieb betrat für seine eigenen Produktionsmethoden Neuland – vom rein mechanischen hin zum mechatronischen und elektronischen Bereich.

Verschlüsselte Software

 
Ebenso wurde ein neues Oberflächenbearbeitungsverfahren für die Führungsstäbe der Carbonfasern zusammen mit einem Forschungspartner entwickelt, um den problematischen Kontakt der Fasern mit einer metallischen Oberfläche auf ein Minimum zu reduzieren. Texmer hat sich bewusst gegen eine Patentierung des Bremssystems entschieden, weil dafür zu viele Details hätten preisgegeben werden müssen. Stattdessen ist die Software verschlüsselt und wird permanent weiterentwickelt.
Das Produkt wurde im vorigen Jahr zur Markteinführung erstmals auf Messen vorgestellt. Die Fähigkeit des Bremssystems, die Fadenspannung elektronisch geregelt konstant zu halten, ohne den Faden zu berühren, ist weltweit einmalig. Dieses Alleinstellungsmerkmal verhalf der EGA zum sofortigen Durchbruch.
Mit dem Produkt wurden im Einführungsjahr bei gleichzeitiger Umsatzverdopplung fünfzig Prozent des Umsatzes gemacht und siebzig Prozent des Gewinns erzielt. 

Fazit: Mit großer Konsequenz


Mit einem durchdachten und erfolgversprechenden Konzept und mit der notwendigen Konsequenz, dem entsprechenden Durchhaltevermögen und der Bereitschaft sich neuen Techniken und Technologien zu öffnen wurde mit einer kompletten Eigenentwicklung ein neues Standbein in dem sehr zukunftsträchtigen Markt der CFK-Herstellung und -Verarbeitung aufgebaut.

Letzte Aktualisierung: 24.07.2017