Multifunktionstüren: Schöne Fluchten

Moderne Brandschutztüren müssen oftmals mehreren Anforderungen gleichzeitig entsprechen. Wie der Metallbauer mit Baukastensystemen und Planungstools diesen Anforderungen gerecht werden kann, zeigt der Autor. Alexander Gürkan

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Der Einsatz von Türen in explosionsgefährdeten Bereichen stellt besondere Anforderungen an die Sicherheit. Alle gängigen Teckentrup-Türen sind deshalb optional mit Explosionsschutz gemäß Atex-Richtlinie lieferbar. Foto und Grafik: Teckentrup

Türen in Fluchtwegen müssen in der Regel nach außen (beziehungsweise in Fluchtrichtung) aufschlagen, sich jederzeit leicht öffnen lassen und dürfen maximal eine Schwelle von fünf Millimeter haben. Diese Basisanforderung leuchtet sofort ein – schließlich ist sicherzustellen, dass Menschen selbst in Panik fliehen können. Oft kommen weitere Aspekte hinzu und damit steigt der Komplexitätsgrad bei der Planung einer Fluchttür: Ästhetische Ansprüche lassen sich noch vergleichsweise einfach umsetzen, Brand- und Rauchschutz sind naheliegende Qualifikationen. Besonders knifflig wird es, wenn der Durchgang auch gegen Einbruch zu schützen ist – dann prallen die Anforderungen „muss von jedem und immer geöffnet werden können“ und „Durchtritt verboten“ aufeinander.
Schon ein Blick auf die Normen für Türen in Fluchtwegen zeigt: Das ist eine Aufgabe für Fachleute. Und es ist wichtig, stets auf dem aktuellen Normungsstand zu bleiben. Derzeit ersetzen die neuen „Verwaltungsvorschriften Technische Baubestimmung (VV TB)“ die ehemalige Bauregelliste des DIBt. Da dieser Bereich Länderhoheit ist, wird die Planung wieder aufwendiger (zumindest für die, die in mehreren Bundesländern aktiv sind).
Außerdem ist darauf zu achten, welcher Bauwerkstyp vorliegt oder welches Schließsystem eingesetzt werden soll. Nicht zuletzt beeinflusst die individuelle Wahl bei Sicherheit, Komfort und Optik das Bauelement, welches am Ende eingebaut wird.

Analysieren Sie die Anforderungen

Erste Anforderung ist die Größe der Tür. Je mehr Personen im schlimmsten Fall flüchten müssen, desto breiter muss der Durchgang sein (selbstverständlich gilt das Gebot der Schwellenfreiheit). Auch der Gebäudetyp beeinflusst die Fluchtwegeplanung – in gewerblich genutzten Bauwerken gelten beispielsweise über die Betriebsstätten-Verordnung weitere Auflagen, einige Landesbauordnungen (LBO) legen Mindesthöhen für Durchgänge in öffentlichen Gebäuden fest (Beispiel Berlin: lichter Durchgang mindestens 2.000 Millimeter). Zu unterscheiden ist auch zwischen Gebäuden, in denen nur autorisierte Personen Zutritt haben und öffentlich zugänglichen Bauwerken: Wer sich im Gebäude auskennt (zum Beispiel am Arbeitsplatz), reagiert bei Gefahr eher rationaler als bei Ortsunkenntnis. Im zweiten Fall droht Panik, das Gebäude muss für diesen Fall so ausgerüstet sein, dass jeder sofort und intuitiv den nächsten Ausgang ansteuert und diesen problemlos öffnen kann. Wichtig ist auch, dass jede Person die Tür in Fluchtrichtung ohne Schlüssel oder andere Hilfsmittel öffnen können muss.
Vor der Festlegung von Feuerwiderstandsklasse, Elementgröße, Rauchschutz etc. ist also zunächst eine genaue Analyse der länderspezifischen und bauwerkstypologischen Aspekte durchzuführen.

Wählen Sie den richtigen Beschlag

Mit der Wahl der Tür ist es allein noch nicht getan: Auch die Beschläge sind unter dem Gebot der Fluchtwegsicherung zu definieren. Dafür kommen nur Drücker-Schloss-Kombinationen (beziehungsweise Panikstangen-Kombinationen) infrage, die als Einheit geprüft sind. Je nach Bauprojekt gelten die Eckwerte für Not- beziehungsweise für Panikausgänge – im Panikfall reichen konventionelle Türdrücker nicht aus! Bewährt haben sich Panikstangen. Besonders elegant sind „Touchbars“: Sie laufen über die gesamte Türbreite, stehen aber im Gegensatz zu konventionellen Stangengriffen rund ein Drittel weniger in den Raum. Diese Technik ist bereits nach der EN 1125 für Fluchtwege zugelassen. So bleibt vor der Tür mehr Platz und an der kompakten Bauform kann sich nichts verhaken.
Immer häufiger wird zusätzlich zum Feuerschutz auch Rauchschutz gefordert. Die Kombination von Feuer- und Rauchschutz kann mittlerweile als Stand der Technik angesehen werden und sollte immer so umgesetzt werden, das optimale Sicherheit gewährleistet ist. Selbst wenn nur eine dieser Leistungseigenschaften gefordert ist, sollte geprüft werden, ob nicht doch die Kombination zum Einsatz kommt, denn in der Regel sind Fluchtwege immer mit Rauchschutztüren versehen.

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Übersicht über die Varianten für Fluchttürverschlüsse


Montage - Prüfen Sie vor dem Einbau
Prüfen vor der Montage – diesem Grundsatz sollten Verarbeiter generell folgen. Stimmen die Pläne mit den Gegebenheiten auf der Baustelle überein? Ist der Meterriss richtig gesetzt, stimmt die Höhenangabe des Fußbodens und ist die Wand ausgeführt wie beschrieben? Ebenso ist eine Prüfung des Plans an sich zu empfehlen – sind die Vorgaben bezüglich der Fluchtrichtungen sowie die Schloss- und Beschlagkombinationen stimmig mit der Situation vor Ort? Eine T90-Tür in einer hunderter Wand sollte stutzig machen. Selbst wenn der Fachhandwerker sein Aufgabenfeld korrekt ausführt – bei allzu offensichtlichen Fehlern der Vorgewerke hat er eine Hinweispflicht. Hohe Verarbeitungssicherheit bieten Komplettsysteme: Dabei sind die Komponenten aufeinander abgestimmt und oft so weit entwickelt, dass Steckverbindungen an die Stelle von Schraub- oder Schweißarbeiten treten. Das beschleunigt den Baustellenfortschritt und minimiert die Gefahr von Fehlern und Unfällen.

Berücksichtigen Sie den Sonderfall Außentür

Gerade bei Außentüren kommt es zum Interessenkonflikt zwischen der Fluchtvorgabe „unverschließbar“ und Zugangskontrolle beziehungsweise Einbruchschutz. Eine einfache Lösung ist ein Knauf anstelle des Drückers auf der Außenseite. Selbstverriegelnde Antipanikschlösser (SVP) bieten höheren Einbruchschutz bis zur Widerstandsklasse RC4: Derart ausgestattete Türen lassen sich von innen einfach über den Türdrücker öffnen, schließen dann selbsttätig und verriegeln sofort – je nach Ausstattung auch mit Mehrfachverriegelung.
Aufwendiger wird es, wenn ein Fluchtweg gewöhnlich geschlossen ist und nur im Brand- oder Panikfall als Ausgang dient. Beispiele finden sich in Kaufhäusern: Damit Diebe nicht einfach mit der Ware durch den Notausgang marschieren, sind zusätzliche Sicherheitsmodule erforderlich: Alarmanlagen, die das Öffnen einer Tür melden und geschützt liegende Fluchttüröffner, die das „versehentliche“ Öffnen verhindern, sind geeignete Schutzvorrichtungen.
Noch individuellere Lösungen lassen sich mit elektronischen Steuereinheiten realisieren, zum Beispiel zeitabhängig freigegebene beziehungsweise geschlossene Türen. Beispiel Kindergarten: Der freie Zugang wird auf die Bringzeiten am Morgen und die Abholzeiten am Mittag beschränkt, vormittags bleibt die Tür verschlossen. Das schützt vor unkontrolliertem Zutritt und verhindert, dass die Kinder den Kindergarten alleine verlassen. Ein entsprechend hoch montierter Taster erlaubt das Öffnen der Tür von innen nur durch die Eltern und das Personal.

Denken Sie an die Besonderheiten bei Innentüren

Auch bei Innentüren kommt oft Zugangsschutz als zusätzliche Funktion hinzu. Auch dazu ein Beispiel: Fluchtwege können durch Gebäudeteile führen, die im Normalbetrieb nur von ausgewählten Mitarbeitern betreten werden dürfen. Bei einer Katastrophe muss der Durchgang jedoch für jeden sofort frei sein. Für dieses Profil gibt es die Zugangskontrolle mit Fluchtwegterminal: Ist er „scharf“, ist die Tür verschlossen und nur durch Schlüssel oder Chipkarte zu entsperren. Im Notfall lässt sich ein Deckel am Terminal einschlagen. Das unterbricht die Scharfstellung – die Tür lässt sich öffnen, löst aber auch sofort Alarm aus.
Anders liegt der Fall, wenn ein Feuerschutzabschluss im Normalbetrieb offen stehen soll. Beispiel dazu: Flure in Altenheimen und Krankenhäusern. Dann eignen sich Fest-stellanlagen mit autarker Rauch- und Branderkennung, die die Flügel bei Feuer selbstständig schließen. Liegen die Türen im Fluchtweg, gelten die Normen für die Öffnungsmöglichkeiten (im Brandfall) zusätzlich. Generell sind dafür Verschlüsse einzusetzen, die die Tür auch ohne elektrische Energie brandschutztechnisch zuhalten.

Planen Sie einfach und schnell mit digitalen Tools

Die Konfiguration einer Tür im Fluchtweg kostet schnell eine halbe Stunde Zeit. Schneller geht das mit modernen, digitalen Online-Planungstools – wie dem Programm TEO (Teckentrup einfach online): Damit ist nicht nur die Auswahl der Tür wesentlich bequemer, sie wird auch sicherer. Plausibilitätsroutinen stellen sicher, dass das Bauelement widerspruchsfrei zusammengestellt wird. Weitere Features wie Stücklisten und technische Zeichnungen erleichtern die Arbeit zusätzlich und verkürzen den Planungsaufwand erheblich.
Weitere Vorteile bieten Baukastensysteme – sowohl mit Blick auf die Montagezeit als auch mit Blick auf die zahlreichen Ausstattungsmöglichkeiten. Ausgereifte Türmodelle bieten eine breite Palette an Farben, Größen, Zusatzausstattungen und weiteres Zubehör. Wer sich innerhalb dieser Serie bewegt, hat dabei immer die Sicherheit, ein zugelassenes Bauelement zu planen.

Rechnen Sie auch mit Ästhetik im Fluchtweg

Besonders in öffentlich zugänglichen Bereichen gelten höchste Ansprüche an die Ästhetik und das Design einer Tür. Attraktive Türen in Fluchtwegen sind längst kein Problem mehr. Zudem gibt es mittlerweile besonders wirtschaftliche Lösungen, wie das spezielle Designprofil-FB, das eine ästhetische, flächenbündige Ansicht von Tür und Zarge ermöglicht. Auch sonst sind der Kreativität kaum noch Grenzen gesetzt – Farbtöne, Glaseinlässe (in Fluchtwegtüren sogar besonders sinnvoll), elegante Beschläge – normgerechte Angebote gibt es für jeden Wunsch.

Hier finden Sie weitere Informationen zu allen relevanten Normen und weitres (PDF)

Fazit: Informieren Sie sich
Digitalisierung und Smart Home treiben die Entwicklung auch bei Fluchttüren voran. BUS-Systeme binden Türen in Facility-Management-Systeme ein, Zugangskontrolle geht schon heute auch mit Iris-Kennung. Montagesysteme mit einer Arbeitsspannung von 12/24 Volt dürfen auch von Nicht-Elektrikern installiert werden, damit können Verarbeiter umfassende „Alles-aus-einer-Hand-Angebote“ formulieren (die Tür ist dann nur bauseitig von einer Elektrofachkraft an das Stromnetz anzuschließen).

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Autor Alexander Gürkan

Autor:Dipl.-Ing. (FH) Alexander Gürkan arbeitet seit 2009 als Maschinenbauingenieur beim Türenspezialisten Teckentrup in Verl. Seit 2015 Teamleitung Zulassung/Kennzeichnung Türen/Tore, seit 2017 Leitung Entwicklung/Konstruktion Türen.

Letzte Aktualisierung: 30.07.2019