Nachhaltigkeit: „Ich bin gerne Unternehmer“

Für eine moderne Unternehmensführung ist es wichtig mehr am als im Unternehmen zu arbeiten. Das heißt Betriebsabläufe immer wieder zu überdenken. Wie die Huhle Stahl- und Metallbau das umsetzt, beschreibt der geschäftsführende Gesellschafter Günter Huhle im Interview.

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„Unsere Kunden wollen von uns, dass wir Ihre Probleme lösen und zwar praktikabel, schnell und bezahlbar“, erläutert Günter Huhle im Interview. Foto: M&T

Wie nachhaltig ist Ihr Unternehmen?
Vor zwanzig Jahren haben wir das Thema Nachhaltigkeit in unser Leitbild aufgenommen. Damals war uns sicherlich noch nicht bewusst, was sich alles hinter diesem Begriff verbirgt. Wir hatten als erstes eine große Brauchwasseranlage für Toilettenspülungen installiert und hatten viele Jahre den Fokus auf Ökologie und Umweltschutz gelegt, auch durch unsere Teilnahme bei „Ökoprofit“ (Umweltberatungs- und Klimaschutzprogramm für Unternehmen der Landeshauptstadt Wiesbaden – d. Red.).
Wir haben seitdem erfolgreich jedes Jahr Maßnahmen umgesetzt, die nicht nur dauerhaft Geld sparen sondern auch umweltfreundlich sind. Seit 2011 haben wir uns zusätzlich bei „CSR – Gesellschaftliche Verantwortung im Mittelstand“ (CSR: Corporate Social Responsibility – Unternehmerische Sozialverantwortung – d. Red.) regional vernetzt. Diese regelmäßigen Workshops bieten die Plattform zu neuesten Technologien und Standards und dem wichtigen Austausch mit anderen Unternehmen.
Ein bewusster Umgang mit Nachhaltigkeit sollte heute in jedem erfolgreichen Unternehmen eine Selbstverständlichkeit sein. Das wird auch zukünftig bei der Personalsuche eine größere Rolle spielen. In unserem Unternehmen ist das Thema Nachhaltigkeit und CSR „Chefsache“. Das muss man glaubhaft vorleben und dauerhaft dran bleiben.

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„Soziales Engagement bedeutet für mich auch eine ganz eigene Art der Weiterbildung die hängen bleibt“, weiß Metallbauunternehmer Günter Huhle im Gespräch mit M&T-Redakteurin Yvonne Schneider. Foto: M&T

Wie gewinnen Sie Fachkräfte?
Wir starten damit bereits sozusagen im Kindesalter. Durch eine Kooperation mit einer nahe gelegenen Gesamtschule besuchen uns jedes Jahr rund hundert Schüler mit deren Lehrern. Wir bieten etwa vierzig jungen Menschen die Möglichkeit für ein Praktikum. Daraus entstehen zurzeit etwa 15 Bewerbungen mit sehr unterschiedlichem Niveau. Wir mischen bewusst jeden Jahrgang und geben dabei Schwächeren oder Menschen mit einem Handicap eine Chance. Am Ende der Ausbildungszeit hat sich das Bild oft gedreht und wir haben einen motivierten jungen Menschen vor uns. Bei Huhle erhalten durchschnittlich fünf Lehrlinge einen Ausbildungsvertrag pro Jahr und die Garantie für einen anschließenden Jahresvertrag. Der überwiegende Teil unserer Mitarbeiter kommt somit aus der eigenen „Schmiede“.
Auf dem freien Markt wird es dagegen immer schwieriger. Hinzu kommt, dass der demografische Wandel auch beim Handwerk stark zu spüren ist.

An welchen Punkten bezeichnen Sie Ihr Unternehmen als besonders innovativ?
Durch unsere sehr breite Produktpalette und einen hohen Anteil von Nischengeschäften, mit hauptsächlich Einzelfertigung gehört Innovation bei der Projektabwicklung zum Alltag in allen Abteilungen. Unsere Kunden wollen von uns, dass wir ihre Probleme lösen und zwar praktikabel, schnell und bezahlbar.
Wir machen aber auch zurzeit eine Stärken- und Schwächen-Analyse (SWOT: englisch für Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken – d. Red.) gemeinsam mit den Mitarbeitern und ich kann sagen, es werden viele Innovationen von unseren Mitarbeitern eingebracht und mitentwickelt. Das ist super und bringt uns voran.

Wann ist es schwierig, Unternehmer zu sein?
Da fällt mir gerade nicht viel ein. Ich bin gerne Unternehmer und stelle mich dieser Verantwortung täglich. Es wird nur dann schwierig, wenn ich mal wieder zu viel Zeit in Projektleitung investiere.

Welche Aufgaben machen Sie in Ihrem Unternehmen besonders gern?
Mich reizen die etwas schwierigeren Aufgaben gerade in der Kommunikation mit den Mitarbeitern und dem Teamwork in den Abteilungen – Stichwort Vernetzung. Aber auch die Kunden- oder Architektenberatung, bei denen Problemlösungen gefragt sind, reizen mich immer wieder.

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„Nachhaltigkeit und unternehmerische Sozialverantwortung muss man glaubhaft vorleben und dauerhaft dran bleiben“, verrät der engagierte Stahlbauer. Foto: M&T

Was nützt aus Ihrer Sicht soziales Engagement rund um den eigenen Betrieb?
Für ein dauerhaftes zusammen Arbeiten und gemeinsam in der Region Leben ist soziales Engagement die Grundlage für Sicherheit, Stabilität und Zufriedenheit. Neben dem hohen gemeinsamen Engagement fördern wir gerne das private Engagement der Mitarbeiter. Soziales Engagement bedeutet für mich auch eine ganz eigene Art der Weiterbildung, die hängen bleibt.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft Ihres Betriebs?
Es sind hauptsächlich viele kleinere Ziele und Maßnahmen, die es gilt umzusetzen. Und davon gibt es eine Menge. Das Unternehmen ist gut aufgestellt und wir haben beschlossen, nicht weiter zu wachsen. Es gilt, immer wieder viele Betriebsabläufe zu überdenken und den kontinuierlichen Verbesserungsprozess weiter auszubauen. Mehr am Unternehmen arbeiten als im Unternehmen.

Zitat
„Das Handwerk wird in vielen Bereichen immer noch nicht leistungsgerecht bezahlt.“
Metallbauunternehmer Günter Huhle

Wie schätzen sie die Konjunktur im Metallhandwerk ein?
Ich vermute weiterhin gut, auch in den nächsten Jahren. Aber die eigentlichen Themen werden sein: Digitalisierung in Planung, Verwaltung und Produktion und die zunehmende Globalisierung, das heißt viel mehr Konkurrenz von außen. Doch das wichtigste ist, für unsere Arbeit brauchen wir weiterhin politische Stabilität und diese möglichst sozial ausgewogen. Das Handwerk wird in vielen Bereichen immer noch nicht leistungsgerecht bezahlt.

Sie unterstützen seit vielen Jahren die Arbeit der Jury des Deutschen Metallbaupreises. Was bedeutet der Preis für die Branche?
Für uns Metallbauer ist der Deutsche Metallbaupreis sehr wichtig und in der Branche nicht mehr wegzudenken. Er ist jedes Jahr ein Barometer für Innovation. Er bietet allen die einmalige Change, hervorragende Leistungen, die man sonst nicht mitbekäme, sehen zu dürfen. Daraus entstehen häufig bei Kollegen neue Impulse für neue Höchstleistungen. Der Preis mit seiner ganzen Vielfalt in den Sparten tut den Metallbauern gut. Wir setzen uns damit von unseren Nachbarländern in Europa ab.

VITA
Dipl.-Ing. (FH) Günter Huhle
Günter Huhle (55) hat Metallbauer im väterlichen Betrieb in Wiesbaden gelernt und ist nach dem Bauingenieurstudium 1991 bei seinem 15 Jahre älteren Bruder Siegfried Huhle als Abteilungsleiter gestartet. 2002 wurde er Geschäftsführer und führte bis 2010 das Familienunternehmen mit seinem Bruder in der dritten Generation. Seit 2010 ist er gemeinsam mit seinem Neffen Oliver Huhle geschäftsführender Gesellschafter. Das Unternehmen beschäftigt 110 Mitarbeiter und ist nach DIN EN ISO 9001 sowie DIN EN 1090 EXC 4 Stahl und EXC 3 Aluminium zertifiziert. Die wesentlichen Produktsparten sind Stahl- und Metallbau, Antennentragwerke, Türen und Tore sowie Aluminium-Systemgeländer und Balkone.

Letzte Aktualisierung: 02.07.2019