„Nur Vorteile für unsere Kunden und für uns“

Eine neue europäische Verordnung legt unter dem Stichwort „Ecodesign“ Richtlinien für die Produktion und den Betrieb von Schweißgeräten fest, die sich positiv auf die Umwelt auswirken sollen. Als Präsident der European Welding Association (EWA) und als Vorstandsmitglied bei EWM mit Schwerpunkt Vertrieb gibt Robert Stöckl eine Einschätzung zu den Auswirkungen aufs Metallhandwerk.

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„Mit unserem Schweißmanagement-System helfen unsere Schweißgeräte bei Fehlerprävention und -minimierung.“ erklärt Robert Stöckl (links) im Interview mit M&T-Chefredakteur John Siehoff.
Foto: M&T

Welche Rolle spielt für Sie das Thema Nachhaltigkeit?
Nachhaltigkeit war bei EWM bereits seit Einführung der Invertertechnologie in den 80er Jahren, neben der Qualität der Produkte, das wichtigste Thema überhaupt. EWM setzt stets auf wirtschaftliche Effizienz seiner hochinnovativen Produktpalette. Um das zu untermauern hat EWM dann vor etwa zehn Jahren mit „blueEvolution“ eine Ökologieinitiative gestartet, die für hocheffiziente und zugleich umweltfreundliche Produkte steht. Damit wurde der Beweis angetreten, dass Kostenvorteile beim Schweißen nicht im Gegensatz zu Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit stehen. Für uns ist ein zeit- und ressourcensparender Einsatz unserer Stromquellen zugleich wichtige Grundlage für den Wettbewerbsvorsprung unserer Kunden.

Was bedeutet Ecodesign?
Der Begriff Ecodesign steht für Verordnungen der EU-Kommission für Produkte, die einerseits ein erhebliches Umsatz- und Handelsvolumen in der Union ausmachen und erhebliche Umweltauswirkungen haben. Anderseits sollten die Produkte ein erhebliches Verbesserungspotenzial hinsichtlich Umweltauswirkungen durch Verordnungen aufweisen, ohne übermäßige Kosten zu verursachen. Die daraus resultierenden Maßnahmen stehen für erhebliche Energieeinsparungen und die Reduzierung von Treibhausgasemissionen. Der Energieverbrauch in der Nutzungsphase und Aspekte der Ressourceneffizienz werden dabei als wesentlich eingestuft.

Wie wirken sich die Anforderungen der Ecodesign-Schweiß­geräte-Verordnung auf EWM und Ihre Kunden aus?
Die Anforderungen bringen EWM und seinen Kunden nur Vorteile. Anwender müssen sich bewusst sein, dass sie in neue und nur leicht teurere Technologie investieren müssen, die sich im Laufe der Nutzungsphase sehr schnell amortisiert.

Die Ecodesign-Richtlinie legt einen Aktionsplan für eine ressourcenschonende Kreislaufwirtschaft mit Anforderungen an Demontage, Reparaturfähigkeit und Verwendung kritischer Rohstoffe fest. Der Energie- und Ressourcenverbrauch von Schweißgeräten kann auch durch die Anwendung innovativer Schweißprozesse verringert werden, ohne dass Kosten für Einkauf und Betrieb steigen. Bei EWM sind das Schweißprozesse wie forceArc XQ/forcearc puls XQ, coldArc XQ/coldArc puls XQ, wiredArc XQ/wired Arc puls XQ und rootArc XQ/rootArc puls XQ.

Welche Anforderungen der Verordnung sind für EWM die größten Herausforderungen, sei es bezüglich Strom- und Materialverbrauch, konstruktiven Anforderungen oder Lieferfähigkeit der Ersatzteile?
Wir von EWM haben das bereits ohne Verordnung alles so gelebt und freuen uns, dass die gesamte Schweißtechnik jetzt diese Anforderungen erfüllen muss. Daher enthält dies für uns keine neuen Aspekte.

Welche Trends sehen Sie sonst noch in den nächsten Jahren bei Schweißgeräten?
Digitalisierung und Automation werden weiter voranschreiten. Die Bedienung und Einbindung der Schweißgeräte muss einfacher werden und das Schweißgerät wird vorgeben, wie zu arbeiten ist, um beste Ergebnisse zu erzielen. Die Schweißgeräte werden „mitdenken“ und sich selber optimieren.

An welchen Stellen ist die zunehmende Digitalisierung ein Treiber für Ihr Unternehmen?
Die Digitalisierung der Fertigungsprozesse hat vor allem die Ausrichtung und die damit einhergehende Qualifikation unserer Entwicklungs- und Vertriebsmannschaft geändert. Welding 4.0 – ist unsere digitale Antwort auf Industrie 4.0. Durch die Entwicklung des EWM-Schweißmanagement-Systems „ewm Xnet“ können unsere Kunden ihre Fertigung, Planung, Qualitätsmanagement, Schweißaufsicht sowie Verwaltung transparent organisieren.

Wie kann dieses digitale Werkzeug den Metallbauer bei der Verbesserung seiner Prozesse unterstützen?
Unser System „ewm Xnet“ macht metallverarbeitende Unternehmen zukunftssicher durch Qualitätssicherung, Produktivitätssteigerung und Kostensenkung. Wirtschaftlichkeit, Qualität und Dokumentation werden entscheidend erhöht und verbessert. Der Metallbauer weiß dann genau, was seine Schweißnaht kostet, wo er effizienter arbeiten muss und das alles ist auch noch Schwarz auf Weiß dokumentiert.

Spielt BIM (Building Information Modeling) eine Rolle für Ihr Unternehmen?
Für EWM macht es keinen Unterschied ob unsere Geräte in einer Schweißfertigung oder in einer Bauplanung und -fertigung eingebunden sind. Mit „ewm Xnet“ ist eine intelligente und produktivitätssteigernde Vernetzung von Mensch und Maschinen für einen automatischen Datenfluss in der Produktionskette möglich.

Zum Thema Fehlerprävention: Wie helfen Ihre Schweißgeräte bei der Sicherung der Ausführungsqualität?
Mit unserem Schweißmanagement-System helfen unsere Schweißgeräte bei Fehlerprävention und -minimierung durch Verknüpfung der Schweißanweisung (Welding Procedure Specification = WPS) zum Bauteil, On-Time-Monitoring der Parameter direkt am Schweißgerät und klare Zuordnung der geforderten Qualifikation vom Schweißer. Die Bauteile-Verwaltung und der WPS-Manager geben die Parameter für die jeweilige Schweißaufgabe vor.

Stichwort Robotics: Welche Neuheiten gibt es für die Auto­matisierung der Schweißprozesse – auch ab Losgröße eins?
EWM bietet ab sofort mit „Easyweld“ CE-konforme Schweißkonzepte für die Automatisierung mit kollaborierendem Roboter an. Ausgestattet mit hochwertiger Robotertechnik und einer hervorragenden Stromquelle zum marktgerechten Preis, ermöglicht dies dem Kunden auch bei kleinen Losgrößen effizient und perfekt zu schweißen. Wie der Name Easyweld aussagt, ist die Bedienung einfach und intuitiv und wird durch Videochat, Onlineschulung und -hilfestellung bis hin zur Fernwartung unterstützt.

Haben Sie Neuheiten, die aus Ihrer Sicht besonders spannend für Metallbauer sind – und warum?
Unsere neue Picomig 305 in den Ausführungen Synergic oder Puls erfüllt bereits alles was ecodesign verordnet und ist auf die Bedürfnisse des Metallbauers zugeschnitten. Im Laufe des zweiten Halbjahres werden weitere sehr spannende Neuheiten für Metallbauer präsentieren. Mehr möchte ich hier noch nicht verraten.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf die Hersteller von Elektroschweißgeräten?
Die Auswirkungen der Corona-Pandemie spüren naturgemäß auch die Hersteller von Elektroschweißgeräten. Eine Umfrage unter den Mitgliedern im Fachverband ergab, dass die Aufträge bereits im April extrem einbrachen und allgemein erwarten die Firmen weitere Umsatzrückgänge. Die Unternehmen gehen davon aus, dass sie diese Rückgänge in absehbarer Zeit wieder aufholen können, allerdings lediglich in Teilen.

Ecodesign
Verordnung aus Brüssel
Die Europäische Kommission hat mit dem Wirksamkeitsdatum 1. Januar 2021 unter dem Titel „COMMISSION REGULATION (EU) …/… of 1.10.2019 laying down ecodesign requirements for welding equipment pursuant to Directive 2009/125/EC of the European Parliament and of the Council“ für die Hersteller von Schweißvorrichtungen verbindliche Anforderungen formuliert. Diese legen Grenzwerte für Energieverbrauch und Ressourceneffizienz sowie entsprechende Sparquoten fest. Aber auch weitere Aspekte wurden formuliert, die sich auf die Zerlegbarkeit und Reparaturfähigkeit der Geräte, die Lieferfähigkeit von Ersatzteilen, Informationsmaterialien und die Verwendung kritischer Rohstoffe beziehen. Die Verordnung dient dem Schutz der Verbraucher.

Infos zur Person
Robert Stöckl wurde 1959 in Rumänien geboren, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Wichtige Stationen:

  • 1985 Umzug nach Deutschland nach dem Abschluss des Ingenieurstudiums Maschinenbau mit Schwerpunkt Schweißtechnologie,
  • 1986 Beginn der Karriere als Schweißfachingenieur mit Verantwortung für ein 15-köpfiges Vertriebsteam bei Messer Griesheim in Köln,
  • 1990-1994 Leiter der Mechanisierung bei Messer Griesheim (später: Messer Lincoln),
  • seit 1994 verschiedene Positionen bei EWM, darunter Vertriebsleiter und Prokurist,
  • seit 2013 Vorstandsmitglied bei EWM mit Schwerpunkt Vertrieb.
  • Über 10 Jahre Mitglied des Vorstands der European Welding Association (EWA), 2015 bis 2017 Vizepräsident der EWA, seit 2017 Präsident der EWA.

Letzte Aktualisierung: 05.08.2020