Pioniere: Von Hochvakuumtechnik bis E-Learning

Betriebsportrait: Reuter Technologie aus Alzenau, Spezialist in der Hochvakuumtechnik.


Weitere Infos finden Sie unter www.reuter-techologie.de beziehungsweise www.metallhandwerk.de/bundesfachgruppe-feinwerkmechanik .

Reuter
Karl-Heinz Reuter (links, mit Albrecht Reuter) ist es gewohnt, Pionier zu sein, und hat damit gute Erfahrungen gemacht. Foto: Karl-Heinz Reuter und Albrecht Reuter

Dass die 1953 gegründete Reuter Technologie aus Alzenau heute so erfolgreich ist, hat mit mutigen Entscheidungen zu tun.
1996 entschieden sich Karl-Heinz Reuter und sein Bruder Albrecht, das Unternehmen strategisch neu zu positionieren. „Wir waren damals ein gutes Unternehmen, aber nichts Besonderes, nicht spezialisiert“, erzählt er. „Dann haben wir uns mit Unterstützung der Fraunhofergesellschaft auf einen Innovationsprozess eingelassen, der unser Unternehmen vollständig verändert hat. Wir haben damals drei autonome Teams gebildet. Jedes ging von einem der Werkstoffe aus, mit denen wir gearbeitet haben, und hatte die Aufgabe, sich neu zu erfinden. Irgendwann war klar: Die Spezialisierung auf die Verfahrenstechnik, und zwar vor allem auf die Hochvakuumtechnik, hat das größte Potential.“ Eine gute Entscheidung, wie sich schnell herausstellte.

Hochvakuumtechnik wird immer dann benötigt, wenn die Anforderungen an die Luftreinheit besonders hoch sind, zum Beispiel bei der Herstellung von Mikrochips. Erst kürzlich haben die Experten von Reuter Technologie ihr von den Abmessungen her größtes Projekt ausgeliefert. In einer mannshohen Vakuumkammer werden Spezialisten eines namhaften Instituts einen Satelliten testen, mit dem sie die Aktivität der Sonne erforschen wollen. Als einer der führenden Anbieter in der Vakuumlöttechnik kann Reuter die verschiedensten Werkstoffe wie Kupfer, Edelstahl, Keramik, Titan oder auch Diamant miteinander verbinden. Solche Werkstoffverbindungen sind mechanisch hochbelastbar, vakuumdicht und metallisch blank. Das Unternehmen beschäftigt Maschinenbauer, Feinwerkmechaniker, Produktentwickler, Physiker und Ingenieure und sagt: „Viele Mitarbeiter, die mit uns diesen Weg seit zwanzig Jahren gegangen sind, und auch wir selbst haben viel gelernt. Jeder Auftrag hat uns geholfen, uns weiterzuentwickeln. Das macht Spaß und es ist viel Leidenschaft dabei.“
Als Obermeister seiner Innung liegt ihm der Nachwuchs sehr am Herzen. Das Unternehmen hat inzwischen über fünfzig Gesellen ausgebildet. Karl-Heinz Reuter kennt die Alltagsprobleme seiner Kollegen und der Berufsschullehrer gut.

E-Learning in der Ausbildung

Partikelarme
Partikelarme Be- und Verarbeitung

Dass elektronische Medien inzwischen von den jungen Leuten im Alltag intensiv genutzt werden, aber in der Ausbildung bisher keine Rolle spielten, fiel ihm schon länger auf, und er fragte sich, warum neue Medien nicht auch für die Ausbildung intensiver genutzt werden. Die lernbegleitenden E-Learning-Module des Bildungswerkes Deutscher Metallhandwerke haben ihn daher sofort interessiert. Karl-Heinz Reuter: „Lernen muss Spaß machen, dann geht es fast von alleine. Neue Medien können die Brücke sein, die verschiedene Lernmethoden verbinden.“
Seit 2016 sammelt das Unternehmen jetzt Erfahrungen mit dieser neuen Lernmethode. Zwei Auszubildende konnte Karl-Heinz Reuter für dieses Experiment gewinnen. Einen Gast-Auszubildenden aus Spanien und einen Auszubildenden aus der Region, der nach seinem Hauptschulabschluss die Lehre bei REUTER in Angriff nahm. Die beiden jungen Leute mussten verbindlich zusagen, dass sie die Lernmodule bearbeiten und nutzen. „Schließlich gibt es das E-Learning nicht umsonst.“
Es gab ein Kick-Off-Meeting mit allen Beteiligten. Seitdem nutzen die beiden Azubis das Lernprogramm mindestens einmal die Woche. Wie und wo können sie selbst entscheiden. Unterwegs auf dem Smartphone oder am Computer zu Hause oder im Betrieb. Ganz alleine lassen die Ausbilder die beiden Auszubildenden aber nicht. In der Cloud können sie nachvollziehen, ob und wie der Lernprozess voranschreitet. Alle drei Monate findet ein Ausbilderzirkel statt, und der Lernstand wird evaluiert.
Karl-Heinz Reuter: „Die Gesellenprüfung Teil 1, die nach eineinhalb Jahren abgelegt wird, ist erfahrungsgemäß der erste große Meilenstein. Wer sie nicht schafft, hat ein Riesenproblem mit der abschließenden Gesellenprüfung Teil 2. Wir sind sehr gespannt, ob unsere beiden Auszubildenden das gut hinbekommen oder nicht. Das ist für uns die Probe aufs Exempel.“

Hochvakuumtechnik

Auch wenn eine externe Lernkontrolle noch aussteht, sieht Karl-Heinz Reuter die neue Lernmethode sehr positiv. Das E-Learning macht manches besser verständlich: Simulationen und Video-Animationen erleichtern das Verständnis. Es gibt gute Glossare, und die Inhalte sind optisch interessant aufbereitet und somit auch leichter verständlich. Karl-Heinz Reuter: „Eines der Lernmodule ermöglicht es z. B. mit der Maus Hydraulikschläuche zu bewegen und an Pumpe und Zylinder anzuschließen. Der Nutzer kann sofort sehen, ob er es richtiggemacht hat.
(Quelle; BVM)

Letzte Aktualisierung: 07.12.2018