Portaleingang: Stillos ausgeführt

(Februar 2019) Portaleingang: Eine Konstruktion für die Überdachung eines Einganges gab an verschiedenen Stellen Grund zur Beanstandung. Was bei Statik, Schweißnaht- und Oberflächenausführung nicht in Ordnung war, erläutert der Autor. German Sternberger

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Dieser dekorative Portaleingang war mangelhaft ausgeführt worden. Fotos: Sternberger

Gerade bei einem Ortstermin im Privatbereich erweitert sich oft der Fragenkatalog für den Sachverständigen während der Besichtigung. Sehr schnell kommen Fragen hinzu, die am Rande des Bestellungsgebiets liegen und auch darüber hinaus, wie dieser Fall zeigt. Der Kunde eines Metallbauers war generell sehr unzufrieden mit der Ausführung der bestellten Konstruktion. Im telefonischen Vorgespräch war die Rede von sich ständig lösenden Verschraubungen und von störenden, übergroßen Schweißnähten am mitgelieferten Geländer.
Bei der Besichtigung stellte der Sachverständige fest, dass der Portaleingang aus zwei gusseisernen Säulen bestand, auf die eine aus vorgefertigten Einzelteilen verschraubte Dachkonstruktion montiert worden war. Die Verschraubungen der Dachkonstruktion bestanden alle aus Gewindestangen sowie Hutmuttern und es war keine Schraubensicherung vorhanden. Es wurden auch tatsächlich lose Hutmuttern festgestellt. Das Dach machte einen instabilen Eindruck. Eine statische Berechnung lag nicht vor.
An den mitgelieferten Geländern waren zur Zierde zwischen Obergurt und Handlauf einfache Ornamente eingeschweißt worden. Die überhöhten einseitigen Heftschweißungen waren unglücklicherweise alle auf der Ansichtsseite.
Auch die Oberflächenausführung wurde beanstandet. Die ganze Konstruk­tion war weiß beschichtet und mit zahllosen Poren in unterschiedlicher Größe übersät. Der Durchmesser der Fehlstellen lag zwischen unter 0,1 Millimeter bis hin zu fünf Millimetern. Auch die künstliche Patina (goldfarben) am Handlauf wirkte auf den Betrachter als dilettantisch ausgeführt.

Achten Sie auf den Standsicherheitsnachweis

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An den gusseisernen Säulen sind diverse Schlauchporen zu finden.

Eine Protalüberdachung ist eine bauliche Anlage, die so herzustellen ist, dass von ihr keine Gefährdung ausgeht. Die Technischen Baubestimmungen sind zu beachten. Dazu gehören nach DIN 18360 Metallbauarbeiten auch Zeichnungen oder Beschreibungen, die durch den Auftraggeber freizuzeichnen sind. Auch ist auf Grundlage der Landesbauordnung ein Standsicherheitsnachweis notwendig.
Die Geländer unterliegen aufgrund ihrer Absturzhöhe von unter einem Meter keinen weiteren Anforderungen. Aus Kundensicht hätte man sich verständlicherweise gewünscht, dass die Heftschweißungen auf der blickabgewandten Seite ausgeführt werden. Vereinbarungen über Aussehen und Toleranzen wurden aber nicht getroffen. So legte der Sachverständige die Bewertungsgruppe „D“ nach „EN ISO 5817“ zur Begutachtung der Schweißnähte fest. Die Hefter waren danach noch im hinnehmbaren Bereich. An zwei Heftern wären kosmetische Ausbesserungen denkbar.
Zur visuellen Beurteilung der Beschichtung zog der Sachverständige die im Fachregelwerk im Kapitel 1.19.5 Optische Unregelmäßigkeiten enthaltenen Informationen zu Rate. Die Größen und die Häufigkeit der Blasen und Krater an den beschichteten gusseisernen Säulen waren danach zu beanstanden.

Liefern Sie eine detaillierte Leistungsbeschreibung

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Die künstliche Patina wurde nicht fachmännisch ausgeführt.

Um Streitigkeiten von vornherein zu vermeiden ist eine detaillierte Absprache zur erbringenden Leistung erforderlich. Dabei hilft schon die Beachtung der Regelwerke, die bei Überdachungen Zeichnungen oder Beschreibungen und einen Standsicherheitsnachweis festlegen. Als kurzfristige Maßnahme wurde das Einbauen von Schraubsicherungen vereinbart.
Die Heftschweißungen hätten weniger überhöht ausgeführt oder vor der Beschichtung etwas abgetragen werden können. Sinnvollerweise wären sie von vornherein auf der blickabgewandten Seite eingeplant worden.
Das Problem der Poren in der Beschichtung liegt möglicherweise im Gusswerkstoff begründet. Der offenporige Werkstoff lässt sich unter Umständen auch mit mehrlagiger Beschichtung nicht ohne Poren ausführen. Durch Dampfdruckausgleich bilden sich immer wieder an gleicher Stelle Schlauchporen, sogenannte „Pinholes“. Deshalb empfahl der Sachverständige die Einbeziehung eines Fachmannes auf dem Gebiet der Beschichtung.

Weitere Bilder und Infos (PDF)

TIPP SCHADENSVERMEIDUNG
Das sollten Sie beachten:
Für Überdachungen sind Zeichnun­gen oder Beschreibungen herzustellen, die der Freigabe des Auftraggebers bedürfen. Auf Grundlage der Landesbauordnungen sind für Überdachungen Standsicherheitsnachweise notwendig.
Vor der Beschichtung sind die Bauteile auf Fehlstellen oder optische Unregelmäßigkeiten zu überprüfen.
Für nachträgliches Beschichten sollte der Grundwerkstoff möglichst porenfrei sein. Achtung Schlauchporen (Pinholes)!

Letzte Aktualisierung: 05.03.2019