Falle durch die falsche Falle

(Februar 2021) Installationsschächte werden in der Regel von Feuerschutzabschlüssen begrenzt. Es gibt aber auch immer wieder Fälle bei denen (fälschlicherweise) Revisionsabschlüsse eingebaut werden – wie der Schadensfall sehr anschaulich zeigt. Der Sach­verständige fordert in seinem Gutachten einen Austausch.

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Installationsschächte sollten in der Regel von Feuerschutzabschlüssen, meist in der Qualität als feuerbeständige Rauchschutztüren, abgeschlossen sein. Fotos: Mink

Schächte für Installationen sind in Gebäuden ein wesentlicher Bestandteil zur Erschließung des Gebäudes mit den jeweils erforderlichen technischen Einrichtungen. Häufig handelt es sich bei diesen Installationsschächten um geschossübergreifende Schächte, die eine erhebliche Tiefe von einigen Metern aufweisen. Zur Begehung und Überprüfung der Installationen sind in den einzelnen Etagen Gitterroste verlegt.
Abgeschlossen werden diese Schächte in der Regel von Feuerschutzabschlüssen, heute meist in der Qualität als feuerbeständige Rauchschutztüren. Je nach Planer/Architekt findet sich jedoch hier und da statt einer feuerbeständigen Tür ein Revisionsabschluss. Diese sind in der Regel als feuerbeständigen Elemente gekennzeichnet und ähneln im Prinzip einer Tür. Sie weisen Bänder und Schlösser auf, jedoch kein Schließmittel.

Prüfen Sie die Zulassungsnummer

In einem größeren Gebäude wurden im vorliegenden Fall aus dem Jahr 2018 Türen zu Installationsschächten in Augenschein genommen, die eben nicht als Feuerschutzabschlüsse mit einer Zulassung aus dem Zulassungsnummernkreis Z-6.20 gekennzeichnet waren, sondern als Revisionsabschluss, gekennzeichnet mit einer Zulassungsnummer aus dem Nummernkreis Z-6.55.
Hinsichtlich des Feuerwiderstandes sind Tür und Revisionsabschluss, sofern als feuerbeständig gekennzeichnet, prinzipiell gleichwertig. Gewisse Unterschiede bestehen jedoch neben dem fehlenden Schließmittel in der Verwendung der jeweiligen Schlösser und dazugehörigen Spalte – also dem Kammermaß.
Gemäß der Zulassungsrichtlinie des Deutschen Institutes für Bautechnik für Feuerschutzabschlüsse müssen diese einen Falleneingriff von mindestens sechs Millimeter ins Schließblech aufweisen. Übliche Schlösser für Feuerschutzabschlüsse nach DIN 18250 weisen einen Fallenvorstand von 11,5 Millimeter auf. Unter Berücksichtigung der Vorgaben des Falleneingriffes von mindestens sechs Millimeter ergibt sich dann ein maximal zulässiges Kammermaß von 5,5 Millimeter, in den Einbauanleitungen der Feuerschutzabschlüsse meist mit 4,5 plus/minus ein Millimeter angegeben. Nur so wird ein brandschutztechnisch sicherer Verschluss der jeweiligen Türen sichergestellt.

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Ein Falleneingriff von maximal zwei Millimetern ist für eine Feuerschutztür nicht ausreichend.

Achten Sie auf den Falleingriff

Die in diesem Fall in Augenschein genommenen Revisionsabschlüsse als Verschluss der Installationsschächte wiesen Schlösser auf, die als Mehrfachverriegelungsschlösser mit drei Schlossfallen ausgerüstet waren. Diese Schlossfallen hatten einen Fallenvorstand von maximal zehn Millimeter. Vom Hersteller in der Einbauanleitung zugelassen wurde ein Kammermaß von fünf plus/minus drei Millimeter, was vor Ort auch in großen Spalten von bis zu acht Millimeter ausgeführt war. Daraus ergibt sich ein Falleneingriff von maximal zwei Millimeter bei Ausnutzung des vom Hersteller maximal zugelassenen Kammermaßes von acht Millimeter.
Im Nachgang zur Ortsbegehung wurden die Grundrisspläne eingesehen. Dort waren die bauaufsichtlich geforderten Eigenschaften der Abschlüsse der Installationsschächte eingetragen. Es waren T90 RS-Türen vorgegeben. Die Revisionsabschlüsse werden, wie vom Hersteller bestätigt, nach DIN 4102-4 geprüft und zertifiziert. Im Prinzip sind sie somit den Wänden zuzurechnen. Feuerschutztüren werden hingegen nach DIN 4102-5 geprüft und entsprechend den Zulassungskriterien des DIBt zugelassen. Auch die MVV TB verlangt im Abschnitt A 2.1.6 einen ausreichenden Falleneingriff, ohne eine maßliche Vorgabe zu geben. Ein Falleneingriff von etwa zwei Millimeter ist als nicht ausreichend zu bewerten.

Fazit: Austausch zur Schadensbeseitigung
Gemäß der national noch üblichen Nomenklatur erfordert die Vorgabe T90 RS die Verwendung von geprüften Feuerschutztüren und nicht Revisionsabschlüssen. Mit den Revisionsabschlüssen wurden die baurechtlichen Vorgaben somit nicht erfüllt. Zur Herstellung eines mangelfreien Gewerkes bliebe nur der Austausch der jeweiligen Abschlüsse und Ersatz gegen Feuerschutzabschlüsse mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung aus dem Nummernkreis Z-6.20.

Letzte Aktualisierung: 01.03.2021