Schüler in der Werkstatt

Minijob: Viele Schüler nutzen die Ferienzeit nicht nur zur Entspannung. Sie verdienen sich auch gerne ein paar Euro als Ferienjobber dazu. Auch für Sie kann der Einsatz solcher Aushilfen durchaus in mehrfacher Hinsicht lohnen. Nicht zuletzt, um die jungen Menschen zu schützen, gelten für diese „Ferienjobs“ klare Regelungen. Was dabei zu beachten ist, erfahren Sie in unserem Beitrag.

Betriebsführung_Schülerjob
Bevor es zur Geldübergabe kommt, müssen Vorkehrungen für den Arbeitnehmer Schüler in der Werkstatt getroffen werden.
Foto: M&T

Abgesehen von finanziellen Vorteilen – dazu später mehr – gibt es gerade in Zeiten, in denen es immer schwerer wird, Auszubildende zu finden, auch andere Gründe, Ferienjobber zu beschäftigen. Der junge Mensch kann den Beruf kennenlernen und vielleicht auch für eine Ausbildung gewonnen werden. Gleichzeitig lernt man auch den „Azubi in spe“ näher kennen und kann besser entscheiden, ob eine Ausbildung für beide Seiten sinnvoll ist. Nach dem Berufsbildungsbericht 2019 liegt die Quote der abgebrochenen Berufsausbildung bei 25,7 Prozent. Dies macht deutlich, dass eine Kennenlernphase innerhalb eines Ferienjobs durchaus von Vorteil ist.

Beachten Sie die Altersgrenzen


Zum Schutz der Heranwachsenden gibt es Grenzen, innerhalb derer die Beschäftigung von Jugendlichen erlaubt ist. Um unnötigen Ärger zu vermeiden, sollten diese Grenzen unbedingt eingehalten werden.

  • Grundsätzlich ist es untersagt, Kinder im Alter bis 13 Jahre überhaupt zu beschäftigen.
  • Personen unter 18 Jahre zu Akkordarbeiten heranzuziehen
  • Personen unter 18 Jahre am Fließband zu beschäftigen.
  • Heranwachsende die älter als 13 aber noch keine 15 Jahre alt sind, benötigen in jedem Fall die Zustimmung der Erziehungsberechtigten. Diese Bestätigung sollten Sie sich in jedem Fall schriftlich geben lassen. Aber auch mit der Einwilligung dürfen die Kinder in dieser Altersgruppe maximal zwei Stunden pro Tag an fünf Wochentagen unter altersgerechten Bedingungen arbeiten. Außerdem ist eine Beschäftigung nach 18 Uhr und vor 8 Uhr nicht erlaubt.

Altersgerecht sind Tätigkeiten,
  • bei denen die Gesundheit der Kinder nicht gefährdet oder negativ beeinflusst wird,
  • kein Sicherheitsrisiko für die Kinder besteht, sich die Tätigkeit nicht negativ auf die Konzentrationskraft im Unterricht auswirkt
  • sie nicht am Schulbesuch, an der Vorbereitung auf eine Berufsausbildung oder an einer Berufsausbildung gehindert werden.

Bei Interessenten, die bereits 15 Jahre alt sind, muss darauf geachtet werden, ob sie noch der Vollzeitschulpflicht unterliegen (siehe unten). Außerdem gibt es noch Sonderreglungen bezüglich der Arbeitszeit für Jugendliche ab 17 Jahren: Sie dürfen in bestimmten Bereichen länger arbeiten:
  • im Gaststätten- und Schaustellergewerbe bis 22:00 Uhr, in mehrschichtigen Betrieben bis 23:00 Uhr,
  • in Bäckereien und Konditoreien ab 5:00 Uhr.

Ist der Schüler noch in der Vollzeitschulpflicht?


Jugendliche über 15 Jahre, die noch der Vollzeitschulpflicht unterliegen, dürfen grundsätzlich nicht außerhalb der Ferien beschäftigt werden. Unter Vollzeitschulpflicht versteht man den Zeitraum, in dem von den Bundesländern der Schulbesuch vorgeschrieben wird.
Mit Einwilligung der Eltern ist allerdings eine Beschäftigung auch außerhalb der Ferienzeit möglich, wenn die Tätigkeit an fünf Tagen pro Woche maximal zwei Stunden pro Tag nicht überschreitet. Auch in diesem Fall darf nur unter altersgerechten Bedingungen gearbeitet werden. Während der Schulzeit sind nur bestimmte Arbeiten erlaubt. Für Ihren Betrieb dürfte aufgrund dieser Einschränkungen nur das Austragen von Werbeprospekten infrage kommen.
Außerdem dürfen die Jugendlichen in den Ferien bis zu vier Wochen beziehungsweise zwanzig Arbeitstage im Jahr arbeiten. Wenn also beispielsweise in den Osterferien bereits eine Woche gearbeitet wurde, dürfen in den Sommerferien nur noch drei Wochen gearbeitet werden. Deshalb sollte man sich möglichst schriftlich bestätigen lassen, ob der Jobinteressent in diesem Jahr bereits in anderen Bereichen tätig war und wenn ja, wie lange er dort gearbeitet hat.
Wichtig: Nach § 14 Jugendarbeitsschutzgesetz dürfen Jugendliche (15 bis 18 Jahre) grundsätzlich nicht an Samstagen beschäftigt werden.

Mindestlohn – ja oder nein?


Grundsätzlich gilt der Mindestlohn auch für den Ferienjobber. Jedoch gibt es dazu eine Ausnahme: Wenn der Beschäftigte noch keine 18 Jahre alt ist und keine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen kann, kann auch weniger als der Mindestlohn (2020: 9,35 Euro) gezahlt werden.

Befristeter Arbeitsvertrag


Mit Ferienjobbern sollte ein befristeter Arbeitsvertrag geschlossen werden. Dabei ist zu beachten, dass die Befristung mit einem im Betrieb liegenden Anlass begründet werden muss. Dies kann beispielsweise eine Urlaubsvertretung sein (die innerhalb der Schulferien ja häufig benötigt wird) oder aber auch für Inventurarbeiten oder andere nicht regelmäßige Arbeitsspitzen gelten. Der Grund sollte schriftlich festgehalten werden. Außerdem sollte schriftlich geklärt werden, ob der Beschäftigte bereits in anderen Unternehmen beschäftigt war, damit die Höchstarbeitszeit von vier Wochen pro Jahr nicht überschritten wird.
Wichtig: Sollte darauf verzichtet werden, den Grund für die Befristung festzuhalten, besteht die Gefahr, dass Ansprüche auf eine Festanstellung geltend gemacht werden.

Kurzfristige Beschäftigung


Da schon durch die gesetzliche Begrenzung bei Schülern auf vier Wochen Arbeit im Jahr das Limit von 70 Arbeitstagen oder maximal drei Monaten bei einem Ferienjobber nicht überschritten wird, handelt es sich im Regelfall um eine kurzfristige Beschäftigung.
Es empfiehlt sich nicht, den Schüler als 450-Euro-Minijobber anzumelden, was theoretisch auch möglich ist. Im Unterschied zur kurzfristigen Beschäftigung fallen beim 450-Euro-Jobber jedoch Sozialversicherungsbeiträge – wenn auch in geringem Umfang – an (Krankenversicherung 13 Prozent. Rentenversicherung 15 Prozent). Außerdem ist die Steuerpauschale von zwei Prozent zu entrichten, was bei einer kurzfristigen Beschäftigung ebenfalls nicht der Fall ist.
Für kurzfristig Beschäftigte muss der Arbeitgeber keine Pauschalbeträge an die Sozialversicherungsträger abführen. Allerdings sind die Arbeitsentgelte in der gesetzlichen Unfallversicherung umlagepflichtig.
Die Umlage U1 (Lohnfortzahlung Krankheit) dürfte jedoch in den meisten Fällen entfallen, da diese nur fällig wird, wenn die Beschäftigungsdauer über vier Wochen liegt. Es bleiben also

  • die Umlage 2 (U2 – Mutterschaft) 0,30 Prozent
  • die Insolvenzgeldumlage 0,15 Prozent und
  • die individuell unterschiedlichen Beiträge für den zuständigen Unfallversicherungsträger.

Für Schüler gilt in der Krankenversicherung normalerweise die Mitversicherung bei einem Elternteil im Rahmen der sogenannten Familienversicherung. Grundsätzlich fällt diese Familienversicherung weg, wenn das regelmäßige Gesamteinkommen über 435 Euro liegt. Da jedoch Einkünfte aus einer kurzfristigen Beschäftigung grundsätzlich als unregelmäßig bewertet werden, bleibt die Familienversicherung bei Ferienjobbern erhalten.
Versteuert wird das Einkommen eines Ferienjobbers nach der Höhe der Bezüge. Da es sich aber nur um geringe Beträge handelt, kann sich der Jobber diese Steuern im Rahmen eines Lohnsteuerjahresausgleichs wieder zurückholen.
Wichtig: Da der Ferienjobber nicht ganzjährig beschäftigt wird, ist ein betrieblicher Lohnsteuerjahresausgleich nicht möglich.
Es besteht in den meisten Fällen auch die Möglichkeit der Pauschalversteuerung, bei der 25 Prozent des Lohnes plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer gezahlt werden müssen. Ist aber keine ausdrücklich anderslautende Vereinbarung getroffen worden, gehen diese Kosten zu Lasten des Arbeitgebers. Die Voraussetzungen für die Pauschalierung der Lohnsteuer sind bei Ferienjobbern praktisch immer gegeben. Sie ist möglich, wenn
  • die Beschäftigung maximal 18 zusammenhängende Arbeitstage umfasst. Es werden nur die Tage gerechnet, an denen die Person wirklich tätig war.
  • Maximal 12,00 Euro pro Stunde gezahlt werden.
  • Der durchschnittliche Arbeitslohn pro Tag maximal 68,00 Euro beträgt. Dieser Höchstbetrag kann unter Umständen bei unvorhersehbarer Mehrbeschäftigung überschritten werden.

Ende der Schulzeit


Ein Beschäftigter ist kein Schüler mehr, wenn die Schulzeit endgültig beendet wird. Im Ausnahmefall kann das eventuell durch Abbruch der Schulausbildung sein, normalerweise ergibt sich das Ende der Schulzeit aus dem Datum des Abschluss-, Abgangs- oder Prüfungszeugnisses. Dies ist insofern wichtig, da ab diesem Datum die Befreiung von Sozialversicherungsbeiträgen nicht mehr besteht. Es empfiehlt sich dann, den jetzt ehemaligen Schüler als 450-Euro-Jobber zu führen. 

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Melden Sie Ihre Aushilfen an
Wie alle Aushilfen müssen auch die Ferienjobber bei der Minijobzentrale an- und abgemeldet werden ( www.minijob-zentrale.de ). Die Umlagen müssen bis zum drittletzten banküblichen Arbeitstag des abzurechnenden Monats an die Minijobzentrale abgeführt werden. Die Meldung Dazu muss mindestens zwei Tage früher erfolgen.
Außerdem müssen Aushilfen beim Finanzamt angemeldet und die Lohnsteuer dorthin abgeführt werden. Haben Sie erstmalig eine Aushilfe beschäftigt, muss sie der Berufsgenossenschaft gemeldet werden. Danach reicht es, den Aushilfslohn in den jährlichen Entgeltnachweis aufzunehmen.


Autor: Hartmut Fischer ist freier Journalist und Autor von verschiedenen Fachbüchern.

Letzte Aktualisierung: 29.10.2020