Schweißerprüfungen: Wer darf Verfahren und Personal prüfen?

Häufig besteht Unklarheit darüber, wer im Sinne der DIN EN 1090-2 Ausführung von Stahltragwerken, Prüfer und Prüfstellen für Schweißerprüfungen nach DIN EN ISO 9606-1 und für Verfahrensprüfungen nach DIN EN ISO 15614-1 sind. Frank Kania vom BVM informiert über die Details.

Schweißerprüfung
Oft ist unklar, wer Prüfer und Prüfstellen für Schweißerprüfungen und Verfahrensprüfungen sind. Foto: EWM

Die DIN EN ISO 15607 Anforderung und Qualifizierung von Schweißverfahren für metallische Werkstoffe; Allgemeine Regeln, definiert die Begriffe Prüfer und Prüfstellen im dritten Kapitel der Norm:

  • Prüfer sind Personen, die benannt werden, um die Übereinstimmung mit der anzuwendenden Norm zu prüfen.
  • Prüfstellen sind Organisationen, die benannt werden, um die Übereinstimmung mit der anzuwendenden Norm zu prüfen.
Die DIN EN ISO 15607 macht keine Aussagen darüber, durch wen die Prüfer oder Prüfstellen benannt werden. Auch die Anwendungsnorm DIN EN 1090 spezifiziert diese Aussagen nicht weiter. Das heißt letztlich kann der Hersteller selbst festlegen, wer Prüfstelle (gegebenenfalls der Hersteller selbst) und Prüfer (gegebenenfalls die Schweißaufsichtsperson) sind. Andere Anwendungsnormen und Richtlinien können dieses jedoch einschränken. So legt zum Beispiel die Druckgeräterichtlinie (DGRL) fest, dass Prüfstellen nur anerkannte Stellen nach DGRL sein können.

Was heißt das für die Verfahrensprüfung nach DIN EN ISO 15614-1?
Normativ ist keine Festlegung oder Einschränkung bezüglich des Prüfers oder der Prüfstelle vorhanden. In der betrachteten Anwendungsnorm DIN EN 1090-2 ist jedoch im Abschnitt 7.4 das Prozedere der zusätzlichen Prüfungen für DIN EN ISO 15614-1 geregelt. Diese zusätzlichen Prüfungen sind Kerbschlagbiegeprüfungen, Mikroschliffe für vergütete Stähle nach DIN EN 10025-6 oder das Schweißen auf Fertigbeschichtungen. Außerdem wird bei der Qualifizierung der Schweißverfahren nach DIN EN ISO 15614-1 eine Kreuzzugprobe nach DIN EN ISO 9018 für Stahlsorten mit einem Festigkeitsbereich oberhalb S275 verlangt.

Wer darf den Anerkennungsbericht (WPQR) zu einer Verfahrensprüfung ausstellen?
Jeder darf die Anerkennungsberichte (WPQR) ausstellen. Gängige Praxis in Industrie und Handwerk ist, für die Laborarbeiten (akkreditierte) Werkstofflabore zu beauftragen, zerstörungsfreie Prüfungen (ZfP) von zertifizierten Prüfern (mindestens Qualifizierung der Stufe zwei) durchführen zu lassen und die Anerkennungsberichte von der Schweißaufsicht des Herstellers ausstellen zu lassen.
Auch eine Ausstellung einer Standardschweißanweisung (SWPS) nach DIN EN ISO 15612 durch den Hersteller auf Grundlage der eigenen Verfahrensprüfung ist möglich. Genauso ist die kostenlose oder kostenpflichtige Weitergabe an Dritte möglich.

Wie lange ist eine Verfahrensprüfung gültig?
Im Prinzip unbegrenzt, weil die Physik (Lichtbogen) und Metallurgie (Grund- und Zusatzwerkstoffe) kein Verfallsdatum haben. Falls festgelegt, müssen Arbeitsprüfungen in Übereinstimmung mit den maßgeblichen Qualifizierungsnormen, zum Beispiel DIN EN ISO 14555 für das Lichtbogenbolzenschweißen durchgeführt werden.
Weiterhin sind für ein Schweißverfahren (keine Kombiprozesse), welches eine längere Zeit nicht eingesetzt und nach DIN EN ISO 15614-1 qualifiziert wurde, zusätzliche Prüfungen erforderlich:
  • Für Stahlsorten oberhalb S355 müssen Untersuchungen und Prüfungen durchgeführt werden, wenn sie von einem Schweißer bis zu drei Jahren nicht mehr geschweißt wurden.
  • Wenn die Stähle länger als drei Jahre nicht mehr verarbeitet wurden, unterscheidet man zwischen den Festigkeiten bis S355 und oberhalb S355. Bei Festigkeiten bis S355 wird ein Makroschliff aus einer Arbeitsprobe verlangt, oberhalb S355 muss eine neue Verfahrensprüfung durchgeführt werden.

Dazu zwei Beispiele:
  1. Ein Schweißbetrieb hat eine Verfahrensprüfung im Prozess 141 WIG für zum Beispiel 1.4301 in der Festigkeitsklasse S275. Wenn der Hersteller immer (regelmäßig) im Prozess 141 WIG schweißt, bleibt die Verfahrensprüfung gültig.
  2. Ein Schweißbetrieb hat eine Verfahrensprüfung im Prozess 111 Lichtbogenhandschweißen für zum Beispiel Feinkornbaustrahl S420NL. Wenn er länger als ein Jahr und weniger als drei Jahre nicht mehr im Prozess 111 den S420NL schweißt, wird zur Aufrechterhaltung eine Arbeitsprobe fällig, wenn er mehr als drei Jahre nicht mehr im Prozess 111 schweißt, wird eine neue Verfahrensprüfung fällig.

Wer darf Schweißerprüfungen nach DIN EN ISO 9606-1 durchführen und Schweißer-Prüfbescheinigungen ausstellen?
Waren in früheren Normausgaben der DIN EN 287-1 Prüfung von Schweißern; Schmelzschweißen, im nationalen Vorwort der deutschen Fassung noch die Prüfstellen namentlich genannt, gilt nun die Regelung, dass Prüfstellen und Prüfer in den maßgeblichen Rechtsvorschriften, Richtlinien oder in Liefervereinbarungen angegeben sind.
Das heißt für Betriebe, die im bauaufsichtlichen Bereich nach EN 1090 tätig sind, besteht die Möglichkeit der Durchführung von Schweißerprüfungen durch eigenes Personal (zum Beispiel durch die Schweißaufsicht) oder durch von dem Betrieb bestimmte Dritte. Diese Dritte können Prüfstellen, Prüfer oder andere Personen sein. Maßgeblich sind letztlich die Liefervereinbarungen des Betriebes (Rechtsvorschriften und europäische Richtlinien gibt es für Schweißerprüfungen im bauaufsichtlichen Bereich nicht). Zu jeder Prüfbescheinigung gehört zwingend eine aussagekräftige Dokumentation des Prüfergebnisses (Sicht-, Bruchprüfung etc.) und der fachkundlichen Prüfung (nur in Deutschland). Eine Akkreditierung der Prüfstelle ist zurzeit nicht vorgeschrieben.
(Frank Kania, Technischer Berater beim Bundesverband Metall (BVM))

Letzte Aktualisierung: 28.06.2018