Schweißnaht: Zinkschicht wächst örtlich auf

(Juni 2018) Bei einem Geländer wurden vom Bauherrn die auffallend sichtbaren Schweißnähte bemängelt. An diesen Stellen war die Zinkschicht dicker als auf der übrigen Konstruktion.

Treppenraum des Burgturmes
Der Treppenraum des Burgturmes, hier gut ausgeleuchtet mit künstlichem Licht. Fotos: Sternberger

Schadensbeschreibung

Als Sanierungsmaßnahme wurde in einer Burgruine das Treppengeländer zum Burgturm erneuert. Pfosten und Obergurt beziehungsweise Handlauf des Geländers wurden aus geschweißten Quadratrohren gefertigt, die jeweils oben und unten mit einem Flachstahl belegt wurden. Diese Konstruktionsart ermöglicht eine Kabelführung im Quadratrohr, um den schlecht ausgeleuchteten Treppenraum der Burgruine später mit einer Notbeleuchtung im Handlauf nachrüsten zu können. Während der Abnahme des Geländers gab es eine Meinungsverschiedenheit zwischen dem Auftraggeber und der bauausführenden Firma wegen auffallend sichtbarer Schweißnähte. Der Sachverständige konnte aus gutachterlicher Sicht das Geschehen erklären und somit auch zur erfolgreichen Abnahme beitragen.

Fehleranalyse und -bewertung

Zinkschicht auf der eben geschliffenen Schweißnaht
Detailaufnahme mit Streiflicht von der aufgewachsenen Zinkschicht auf der eben geschliffenen Schweißnaht.

Zur positiven Entscheidung für die Konstruktionsart des Geländers trug ein Ausführungsmuster bei, welches allerdings zur Ansicht nicht beschichtet wurde. Die sichtbaren Schweißnähte an der Quadratrohrkonstruktion wurden vor der Belegung mit den Flachstählen eben geschliffen. Wie besprochen wurde das Geländer nach Art und Weise des Ausführungsmusters gefertigt. Nachdem das fertige Geländer zum Korrosionsschutz verzinkt und anschließend mit Farbe beschichtet wurde, traten die glattgeschliffenen Schweißnähte deutlich wahrnehmbar zutage. Der Auftraggeber beanstandete daher die aus seiner Sicht nicht glatt geschliffenen und unter Streiflicht sichtbaren Schweißnähte. Der Metallbauer wiederum bestand auf seiner Ausführung der eben geschliffenen Schweißnähte und verwies auf das fertigungsbedingte Aufwachsen der Zinkschicht im Schweißnahtbereich. Der Sachverständige konnte in diesem Fall die Aussagen des Metallbauers bestätigen und die Erklärung fachlich vertiefen. Auch die Bewertung, ob dadurch ein Mangel oder eine hinzunehmende Unregelmäßigkeit vorliegt, wurde für beide Seiten akzeptabel vorgetragen.

Schadensvermeidung und -beseitigung

Das originale Ausführungsmuster
Das originale Ausführungsmuster zum Auftrag des Burgturmgeländers.

Zunächst stellte der Sachverständige fest, dass das Geländer tatsächlich nach Art und Weise des Ausführungsmusters hergestellt wurde. Das schließt auch die Schweißnähte mit ein, die vor der Verzinkungsbeschichtung eben verschliffen waren. Durch die ungünstige Konstellation von Schweißzusatzwerkstoff und Grundmaterial war das Aufwachsen der Zinkschicht im Schweißnahtbereich möglich. Verantwortlich hierfür sind unterschiedliche Silizium- und Phosphorgehalte, die als Legierungsbestandteile in den Werkstoffen vorzufinden sind. Gerade der Siliziumgehalt ist entscheidend verantwortlich für die Dicke des Zinküberzuges. Bei einer genauen Abstimmung vom Schweißzusatz auf den Grundwerkstoff ist ein besseres Ergebnis nach der Verzinkung inklusive der Beschichtung zu erwarten. Da oft Schweißdrähte höhere Siliziumgehalte als die Grundwerkstoffe aufweisen, empfiehlt es sich bei der Auswahl und Bestellung von Schweißzusatzwerkstoffen auf einen siliziumärmeren Zusatz zu achten. Dies kann das Aussehen eben verschliffener und verzinkter Schweißnähte verbessern, wenngleich die völlige Unterdrückung des Effektes nicht garantiert werden kann.
Zum Schluss bleibt die Bewertung der aufgewachsenen Zinkschicht am Geländer der Burgruine. Hier spielt die optische Auffälligkeit eine wesentliche Rolle. Die Treppe und der Treppenraum sind entsprechend einer Burgruine in einem eher rustikalen Zustand. Zudem ist der Treppenraum nur durch Tageslicht sehr spärlich ausgeleuchtet. Die beanstandete Unregelmäßigkeit wirkt nicht auffällig. Diese Umstände lassen den Effekt der aufgewachsenen Zinkschicht am Geländer bedeutungslos erscheinen. In diesem Fall liegt eine hinzunehmende Unregelmäßigkeit vor.

Das sollten Sie beachten

  • Arbeiten Sie mit Ausführungsmustern, wenn der Auftrag es zulässt.
  • Achten Sie auf den Siliziumgehalt von Schweißzusätzen und Grundwerkstoffen bei eben zu schleifenden Schweißnähten von Schweißkonstruktionen, wenn die Oberflächen verzinkt werden sollen.
  • Schweißdrähte weisen oft höhere Siliziumgehalte als Grundwerkstoffe auf. Deshalb empfiehlt sich, bei der Bestellung von Schweißzusatzwerkstoffen auf einen siliziumärmeren Gehalt zu achten.


Die Beachtung folgender Normen, Richtlinien, Verordnungen und Regeln sind die Voraussetzungen für die fachtechnisch einwandfreie Ausführung der Arbeit:

  • Fachregelwerk Metallbauerhandwerk – Konstruktionstechnik: Kap. 1.8.2.1.2.2.2 Feuerverzinken - Auftragsablauf; Kap. 2.38 Geländer und Umwehrungen,
  • Arbeitsblätter Feuerverzinken: B.2 Werkstoff Stahl und D.4 Schweißen vor dem Feuerverzinken,
  • DIN EN ISO 1461 Durch Feuerverzinken auf Stahl aufgebrachte Zinküberzüge (Stückverzinken),
  • DIN EN ISO 14713 Zinküberzüge; Leitfäden und Empfehlungen zum Schutz von Eisen und Stahlkonstruktionen vor Korrosion,
  • DASt-Richtlinie 022 Feuerverzinken von tragenden Stahlbauteilen.

Passend zum Thema haben wir für Sie wichtige Hinweise zur richtigen Bestellung des Stahlgrundwerkstoffes für die Feuerverzinkung zusammengestellt.
Zum Download (PDF)
(Quelle: Fachregelwerk Metallbauerhandwerk – Konstruktionstechnik)

German Sternberger, ö.b.u.v. Sachverständiger

Letzte Aktualisierung: 20.07.2018