Schweißtechnik: Lohnender Wechsel

(April 2021) Mit moderner Inverter-Schweißtechnik kann der Metallhandwerker wesentlich effektiver, flexibler, umwelt- und mitarbeiterschonender sowie qualitätsgerechter arbeiten als mit veralteten (meist) stufengeschalteten Geräten. Wir haben die Schweißprofis von sieben führenden Herstellern (Cloos, Esab, EWM, Fronius, Lorch, Merkle und Rehm) nach den Vorteilen und Besonderheiten der Technik und nach ihren besonderen Produkten und Serviceleistungen gefragt.

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Mit modernen Inverterstromquellen lassen sich die Schweißprozesse effizienter gestalten und die Schweißer entlasten. Foto: EWM

Die Schweißtechnik hat in den letzten Jahren auch durch die Digitalisierung deutliche Innovationssprünge gemacht. Vergleicht man moderne Inverterstromquellen mit stufengeschalteten Schweißanlagen wird das mehr als deutlich.
Moderne Invertertechnik lässt sich wesentlich einfacher bedienen, sie ist leichter und kleiner, erheblich effizienter, leistungsfähiger, flexibler einsetzbar und einfacher handhabbar. Mit der richtigen Ausstattung können alle gängigen Stahl- und Aluminiumwerkstoffe geschweißt werden. Schätzungen der Hersteller gehen davon aus, dass durch die Reduzierung des Stromverbrauchs, der Materialkosten und der Schweißzeit Kosteneinsparungen von bis zu sechzig Prozent erreicht werden können. Außerdem können die CO2-Emissionen im Schweißrauch um bis zu 75 Prozent verringert werden.

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„Für uns ist entscheidend, dass der Metallhandwerker mit der Neuanschaffung einen Mehrwert erzielen kann“, bemerkt Toralf Pekrul, EWM. Foto: EWM

Werden Sie effizienter

Das bestätigen auch die Anwendungstechniker führender Hersteller. So weiß Toralf Pekrul, Standortleiter bei EWM: „Eine Neuanschaffung lohnt sich immer, wenn der Metallhandwerker noch mit stufengeschalteten Geräten arbeitet. Schon unter dem Gesichtspunkt der Energieeinsparung. Alleine bei der Umstellung vom Stufenschalter zum Inverter spart man bei einer größeren Maschine etwa 400 Euro im Jahr bei den Stromkosten. Dazu kommt natürlich, dass ich weniger Rauchgasemissionen habe. Außerdem ist die Zertifizierung wesentlich leichter, die Nacharbeit wird durch weniger Spritzer deutlich geringer, man hat mehr technologische Möglichkeiten – insgesamt wird die Arbeit viel effektiver.“
Kai Lebang von ESAB sieht vor allem die Schweißaufgabe beim Metallhandwerker. Für ihn lohnt sich eine Neuanschaffung, „wenn durch die neue Technik auch anspruchsvolle Schweißaufgaben besser gelöst werden können, Energie eingespart werden kann und sich bessere Arbeitsbedingungen darstellen lassen.“
Für Christian Wacker, regionaler Vertriebsleiter bei Fronius

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„Inverterstromquellen sind leicht, lassen sich präzise einstellen und sind auch als Multiprozessanlagen erhältlich“, informiert Kai Lebang, ESAB. Foto: ESAB

Deutschland, lohnen sich Neuinvestitionen in die Schweißtechnik immer aus zwei Perspektiven heraus: „Die eine ist die betriebswirtschaftliche Betrachtung: Neue Schweißgeräte sind in der Regel energieeffizienter und es entstehen weniger Ausgaben für Ersatz- und Verschleißteile. Auch bei Verbrauchsmaterialien wie Zusatzwerkstoffen und Schutzgasen, bei der Nacharbeit und bei der Fertigungsgeschwindigkeit bietet moderne Technik erhebliche Einsparpotenziale. Der andere triftige Grund: Betriebe können sich und ihre Produkte durch den Einsatz innovativer Technologien weiterentwickeln und fit für die
Zukunft machen.“

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„Premiumschweißanlagen amortisieren sich schnell und ermöglichen einen echten Produktivitätsgewinn“, verkündet Jonas Kappel, Lorch. Foto: Lorch

Erreichen Sie echten Produktivitätsgewinn

Jonas Kappel, Leiter Produktmanagement und Marketing bei Lorch meint sogar, dass sich „eine Neuinvestition in der Regel immer lohnt, da die aktuellen Premiumschweißanlagen über eine weit höhere Energieeffizienz verfügen als ältere Anlagen, sich damit schnell amortisieren und einen echten Produktivitätsgewinn ermöglichen. Im Metallhandwerk gibt es oft wechselnde Materialdicken, man ist auf Montage unterwegs oder hat in kleinster Serie Bauteile, die effizient und mit hoher Qualität geschweißt werden sollen. Da erhöhen moderne Anlagen mit ihrer innovativen Technik die Qualität der Schweißnaht und reduzieren aufwendige Nacharbeiten.“
Für Melanie Neumann, Anwendungstechnikerin bei Merkle, steht die Flexibilität und Kosteneffizienz im Mittelpunkt: „Multiprozess-Schweißgeräte decken mehrere Schweißverfahren gleichzeitig ab und sind somit flexibel im Einsatz für MIG/MAG, Elektrode und TIG (WIG).“ Sie sieht den ungebrochenen Trend zu kleinen, tragbaren und universell einzusetzenden Schweißgeräten: „Die moderne

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„Der Trend zu kleinen, tragbaren und universell einsetzbaren Schweißgeräten hält unverändert an“, erläutert Melanie Neumann, Merkle. Foto: Merkle

Invertertechnik erlaubt es, kompakte und leichte Anlagen zu bauen. Die Geräte sind somit universell einsatzbar, sowohl in der Werkstatt als auch auf der Montage.“

Erzielen Sie zusätzlichen Nutzen

Andreas Lehnertz, Produktmanager bei Rehm, stellt die Aspekte der Wirtschaftlichkeit, der Qualität, der Gesundheit, der laufenden Kosten und der Mitarbeitermotivation in den Mittelpunkt der Investentscheidung: „Da ist zunächst die reine Wirtschaftlichkeit. Der Anteil an Nacharbeit lässt sich durch Einsatz der richtigen Technologie um bis zu achtzig Prozent reduzieren. Moderne Schweißtechnik macht es sehr viel einfacher, die Schweißqualität auf einem gleichmäßigen Niveau zu halten. Außerdem wird bis zu siebzig Prozent weniger Schweißrauch erzeugt, als beim konventionellen Schweißprozess. Und auch der Schleifstaub lässt sich deutlich reduzieren, weil einfach nicht mehr so viel nachgearbeitet werden muss. Nicht zu vernachlässigen sind

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„Jeder Mitarbeiter arbeitet mit modernem Werkzeug motivierter“, weiß Andreas Lehnertz, Rehm. Foto: Rehm

die Reparaturkosten bei älteren Geräten und letztlich arbeitet jeder Mitarbeiter mit modernem Werkzeug viel motivierter.“
Für Frank Schneider, Leiter Vertrieb Welding Products & Key Account Automotive bei Cloos sind die Rahmenbedingungen für die Neuanschaffung wichtig: „Auch im Metallhandwerk steigen die Anforderungen an Wirtschaftlichkeit, Qualität und Energieeffizienz kontinuierlich. Gleichzeitig wächst die Bandbreite an Technologien für eine moderne und nachhaltige Schweißfertigung stetig. Die Auswahl des richtigen Schweißverfahrens ist enorm wichtig. Mit der passenden Kombination aus Equipment, Verfahren und Parametern gibt es die optimale Lösung für die individuelle fertigungstechnische Aufgabenstellung.“

Auswahl
Darauf sollten Sie achten

  • Achten Sie auf robuste, intuitiv einstellbare Geräte, die nicht durch zu komplizierte Bedienung verwirren.
  • Achten Sie auf Geräte, die bereits heute die strenge EU-Vorschrift (EU) 2019/1784 zur umweltgerechten Gestaltung von Schweißgeräten ab 2023 erfüllen. Diese haben eine hohe Energieeffizienz. Das spart Geld, schont die Umwelt und Sie sind für die Zukunft gut gerüstet.
  • Überlegen Sie, ob heute oder zukünftig Software zur WPS Erstellung und Schweißdatenüberwachung (Stichwort Industrie 4.0) zweckmäßig sein könnte.
(Kai Lebang, ESAB)

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„Die Invertertechnik garantiert eine optimale Lichtbogenregelung für exzellente Schweißergebnisse“, schildert Frank Schneider, Cloos. Foto: Cloos

Setzen Sie auf neue Technik

Die Technik, die die führenden Hersteller für die Neuinvestition in die Schweißtechnik anbieten, lässt kaum Wünsche offen. Empfehlung aller Anwendungstechniker ist ausschließlich Schweißstromquellen mit Invertertechnik einzusetzen. Sie sind leicht, lassen sich präzise einstellen und sind auch als Multiprozessanlagen erhältlich, das heißt, man kann mit einer Investition mehrere Schweißverfahren abdecken.
Bei Cloos umfasst das Angebot laut Frank Schneider fast alles, „vom kleinen tragbaren Handschweißgerät bis hin zur hochkomplexen Schweißstromquelle. Das modulare Baukastensystem unserer QINEO-Stromquellenserie bietet vielfältige Möglichkeiten für unterschiedliche Anwendungsfälle. Auch kompakte Schweißroboterzellen wie unsere QIROX Micro und Compact Cells sowie Cobot-Lösungen halten verstärkt Einzug im Metallhandwerk.“
Für Toralf Pekrul von EWM ist der modulare Aufbau der Technik wichtig: „Als Basis bieten wir die Picomig-puls, die Phoenix-puls oder die Titan-Synergic an und der Metallhandwerker kann dann je nach Schweißaufgabe erweitern, variieren, kombinieren und anpassen. Dazu gibt es auch die Möglichkeit des Leasings und EWM hilft bei der Beantragung von Fördermitteln. Da sind je nach Größe des Gerätes bis zu 800 Euro möglich.“

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„Betriebe können sich und ihre Produkte durch den Einsatz innovativer Technologien weiterentwickeln und fit für die Zukunft machen“, informiert Christian Wacker, Fronius. Foto: Fronius

Vernetzen Sie die Geräte

Für Christian Wacker von Fronius sind heutzutage primär getaktete Inverter „State of the Art“: „Ihre höhere Arbeitsfrequenz erlaubt es, selbst dynamische Schweißprozesse präzise zu regeln. Die Geräte zeichnen sich durch einen hohen Wirkungsgrad aus, also ein günstiges Verhältnis von Schein-, Blind- und Wirkleistung. Dank digitalisierter Steuerungen, intuitiver Bedienkonzepte und Einstellmöglichkeiten sind sie zudem einfach in der Handhabung, kompakt und gewichtsreduziert in der Bauform.“
Jonas Kappel von Lorch wirbt für die patentierte Micor-Boost Technologie: „Damit schaffen wir es höchste Leistungsfähigkeit und hohe Spannungsreserven für den Lichtbogen bereitzustellen. Mit den Industrieschweißgeräten für das Handwerk ist es sogar möglich, die Anlagen mit dem digitalen Service Lorch Connect zu vernetzen, so dass ohne großen IT-Aufwand die Schweißnähte dokumentiert und die Produktivität analysiert werden kann.“
Melanie Neumann von Merkle sieht im „BiPowerPLUS-System“ die richtige Ergänzung, wenn das Schweißgerät nicht nur stationär in der Werkstatt, sondern auch auf der Montage oder beim Kundendienst eingesetzt werden soll: „Die Geräte können sowohl am Lichtnetz (dann mit begrenzter Ausgangsleistung) als auch am 400-Volt-Drehstromnetz betrieben werden. Die Technik erkennt automatisch die angeschlossene Netzversorgung.“

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Flexible, kompakte und leistungsstarke Invertertechnik ist für den Baustelleneinsatz geradezu prädestiniert. Foto: Cloos

Lassen Sie sich beraten

Eine intensive und detaillierte Kundenberatung steht bei allen Herstellern im Mittelpunkt. Die Palette reicht von Live-Demonstrationen über Online-Schweißkostenrechner, eine Customer Intimacy Strategy über Hilfen bei der Arbeitsplatzoptimierung, Rechenmodelle, um die wirtschaftlichen Vorteile transparent zu machen bis zur Unterstützung bei neuen Aufgaben rund ums Schweißen. Dabei helfen ein gut ausgebautes Händler- und Servicenetz und kompetente Fachberater und Anwendungstechniker.
Allen Metallhandwerkern, die eine Neuanschaffung planen, ist unbedingt zu empfehlen, die Beratungs- und Testangebote zu nutzen, um sich intensiv über neue Technologien und Schweißprozesse zu informieren. Entscheidend ist, dass der Anwender mit der neuen Technik einen Mehrwert erzielen kann – und der muss messbar sein.

Fazit: Sparen Sie mit neuer Technik
Neben der Leistungsvielfalt und Effizienz stehen die Flexibilität und das leichtere Handling bei moderner Invertertechnik im Vordergrund. Zeitgemäße Schweißtechnik eröffnet neue Möglichkeiten, die immer komplexeren Herausforderungen im Metallhandwerk zu bewältigen. Innovative Schweißprozesse benötigen nicht nur wesentlich weniger Rohstoffe und Energie, sie sparen auch Arbeitszeit und führen damit zu signifikanten Kosteneinsparungen.

Letzte Aktualisierung: 26.03.2021