Stahlbau: „Jeden Tag ein bisschen besser“

Das mittelständische Unternehmen Buthmann Ingenieur-Stahlbau aus Glinde ist momentan gut ausgelastet, macht sich aber Sorgen um guten Berufsnachwuchs. Wir fragten bei Firmenchef Marco Buthmann nach Lösungen.

Marco Buthmann
„Wir müssen darauf achten, die Anforderungen und Wünsche unserer Kunden niemals aus den Augen zu verlieren“, Marco Buthmann.

Wie ist die momentane konjunkturelle Situation Ihrer Firma?
Die wirtschaftliche Lage des Unternehmens ist durchweg als gut, die Auftragslage und Auslastung als sehr gut zu bezeichnen. Die Auftragsreichweite beträgt rund 6,5 Monate und die Nachfrage ist so reichhaltig, dass nicht alle Anfragen beantwortet werden können. Durch die Vollauslastung sind wir aber auch in der komfortablen Lage, nicht überall mitbieten zu müssen. Wir können momentan durchaus selektieren und müssen nur auf Kundenanfragen reagieren, die eine reelle Chance zum Auftrag und auf Ertrag haben.

Welche Bereiche laufen besonders gut?
Zurzeit ist es tatsächlich so, dass von unseren Kunden alle unsere Kernkompetenzen gefordert werden und wir Aufgabenstellungen in jedem unserer Bereiche haben. Dies sind:
der ingenieurmäßige Stahlbau mit Fußgängerbrücken, Fassadensicherungen, tragenden Fassadenunterkonstruktionen und Verkehrszeichenbrücken, der Stahlbau für den Umbau im Bestand mit Aufstockungen, statischen Deckenverstärkungen und Erweiterungsbauten, der architektonisch gestaltete Stahlbau mit individuellen Lösungen aus scharfkantigen Schweißprofilen oder auch eine druckwasserdichte Konstruktion mit hohem optischem Anspruch.

Mit welchen Schwierigkeiten haben Sie gegenwärtig besonders zu kämpfen?
Die größten Schwierigkeiten bereiten uns gegenwärtig planerische Unzulänglichkeiten, zögerliche Freigaben, lange Bearbeitungszeiten durch die Planer und daraus resultierende Verschiebungen in der Erstellung der Werkplanung, Fertigung und Montage. Dazu kommt, dass dadurch eine koordinierte und sinnvolle Fertigungsplanung nicht mehr möglich ist und Objekte in der Fertigung kollidieren. Dies lässt dann eine wirtschaftliche Bearbeitung dieser Aufträge kaum zu. Gleichzeitig ist der Termindruck durch die Auftraggeber mit knappen Ausführungsfristen konstant hoch. Und es wird von uns als Ausführende erwartet, die Versäumnisse der Planer wieder aufzuholen.

Sie sind Spezialist für die anspruchsvollen Stahlkonstruktionen. Wo liegen dabei Ihre besonderen Stärken?
Unsere Stärke liegt unter Anderem im Erfahrungsschatz unseres Teams aus Ingenieuren, Technikern, sowie den gut ausgebildeten Facharbeitern in der Werkstatt und auf der Montage. Dadurch können wir noch viele Aufgabenstellungen handwerklich lösen, die mit industrieller Maschinenbearbeitung nicht ausführbar wären. Gleichzeitig verfügen wir über eine moderne technische Ausstattung mit 3D-CAD-Anlagen, CNC-Maschinen und Montageequipment.

Was müssen Sie dafür tun, um sich in diesem Segment zu behaupten?
Wir müssen darauf achten, die Anforderungen und Wünsche unserer Kunden niemals aus den Augen zu verlieren, immer auf technisch hohem Stand in der Fertigung sowie führend in der Ausführungsqualität zu bleiben. Dazu müssen wir den Ausbildungsstand unseres Personals hoch halten und gleichzeitig mit modernster Technik die Kosten auf einem marktgerechten Niveau halten.

Wo werden in nächster Zukunft die besonderen Herausforderungen für einen mittelständischen Stahlbaubetrieb liegen?
Wir sehen die größte Herausforderung darin, gutes Fachpersonal zu gewinnen und langfristig an das Unternehmen zu binden. Dies ist besonders bei den finanziellen Möglichkeiten der Großindustrie in unserer Region wie Airbus in Hamburg recht schwierig. Dies gilt auch im Hinblick auf potenzielle Bewerber, um Ausbildungsplätze adäquat zu besetzen und eigenen Nachwuchs zu generieren. Die Baukonjunktur wird nicht immer so laufen wie zurzeit. Es sollte darauf geachtet werden, in guten Zeiten zu investieren, um auch zukünftig wirtschaftlich fertigen zu können und in Zeiten des härteren Wettbewerbs am Markt bestehen zu können.

Wie bereiten Sie sich und Ihre Firma auf zukünftige Anforderungen und Bedingungen vor?
Wir haben in den letzten Jahren massiv in modernste Maschinentechnik und den Ausbau der Kapazitäten des technischen Büros investiert. Zurzeit haben wir eine gute Durchmischung von jungen und erfahrenen Mitarbeitern, so dass wir uns gegenwärtig gut für die Zukunft gerüstet fühlen. Dennoch müssen wir uns immer wieder hinterfragen, Prozesse überprüfen und wachsam auf Veränderungen am Markt reagieren.

Wo sehen Sie Ihren Betrieb in fünf Jahren?
Unser Anspruch ist es, jeden Tag und mit jeder Erfahrung noch ein bisschen besser zu werden. Dann können und werden wir unsere Marktstellung in Verbindung mit unserem Ruf halten oder sogar noch ausbauen können. Daraus resultierend sollten Erträge die Möglichkeiten schaffen, das Unternehmen auf technisch hohem und modernem Stand zu halten. Auch können wir uns vorstellen, eine Ausweitung in zusätzliche Geschäftsfelder vorzunehmen.

Buthmann Dombrowski
Firmenchef Marco Buthmann berichtet im Gespräch mit M&T-Redakteur Jörg Dombrowski von den Schwierigkeiten bei der Berufsnachwuchssuche. Fotos: M&T

Welchen Tipp können Sie abschließend Ihren Kollegen noch geben?
Das ist ja von Betrieb zu Betrieb ganz unterschiedlich, so dass ich mir nicht zumute einen generellen Tipp zu geben. Oder doch vielleicht einen, den mein Großvater bereits gelebt hat: Arbeite stets fachlich korrekt und gehe keine Kompromisse bei der Qualität ein.

Welche Rolle spielt die Qualifizierung Ihrer Mitarbeiter?
Das handwerkliche Können und die theoretische Qualifizierung unserer Mitarbeiter sind für das Arbeitsergebnis von entscheidender Bedeutung. Jeder Mitarbeiter in unserem Unternehmen hat mindestens eine abgeschlossene Berufsausbildung und ist für die an ihn gestellten Aufgaben qualifiziert.
Natürlich achten wir auch darauf, die Mitarbeiter für die sich ändernden und steigenden Anforderungen laufend zu qualifizieren. Bei uns betrifft dies hauptsächlich die Arbeitssicherheit und den Einsatz von neuen Maschinen oder Montagewerkzeugen.

Sie haben kürzlich den Deutschen Metallbaupreis gewonnen. Was bedeutet Ihnen dieser Preis?
Wir haben uns sehr über den Gewinn des Metallbaupreises gefreut, besonders weil es uns bereits ein zweites Mal gelungen ist, die Jury mit unseren Leistungen an einem unserer Objekte zu überzeugen.
Neben dem ideellen Wert ist es auch eine wertvolle Unterstützung, um Architekten und Kunden von unserem Unternehmen und unserer Qualität zu überzeugen. Eventuell gibt es auch den letzten Ausschlag für eine Auftragserteilung an unsere Firma.

Firmenporträt

  • 1955: Gründung als Einzelunternehmen durch den Maschinenbaumeister Edgar Karl Buthmann zunächst in der Garage des Wohnhauses,
  • 1961: Umzug in eigene Werkhalle mit 600 m² Fertigungsfläche in Hamburg-Wandsbek,
  • 1981: Gründung der Edgar Buthmann Stahlbau GmbH,
  • 1982: Edgar Buthmann verstirbt im Alter von nur 56 Jahren und sein Sohn Dipl.-Ing. SFI Uwe Buthmann übernimmt die alleinige Verantwortung für das Unternehmen,
  • 1987: Neubau einer größeren modernen Werkhalle und Verlegung des Firmensitzes nach Glinde.
  • Das Unternehmen wir immer mehr zum Spezialisten im individuellen, architektonischen und statisch aufwändigen Stahlbau.
  • 1999: das Empfangsgebäude der Lufthansa Technik in Hamburg wird eines der „Gebäude des Jahres“ in Hamburg,
  • 2003: wird Dipl.-Ing. BdH Marco Buthmann als dritte Generation Teil der Geschäftsleitung,
  • 2014: Gewinn des Deutschen Metallbaupreises für den Horizontweg in Hamburg-Georgswerder,
  • Zum Sieger Film auf dem M&T-Youtube-Kanal. Weitere Filme über Gewinner des Deutschen Metallbaupreises finden Sie auch auf www.metallbautv.de.
  • 2015: Umfirmierung in die Buthmann Ingenieur-Stahlbau AG und Übernahme der kompletten Verantwortung durch Dipl.-Ing. SFI Boris Bitsch und Dipl.-Ing. BdH Marco Buthmann – die Übergabe in die dritte Generation ist damit erfolgreich abgeschlossen,
  • 2016 und 2017: große Investitionsmaßnahmen in moderne Maschinen in der Werkfertigung und Ausbau der Kapazitäten im technischen Büro,
  • 2017: erneuter Gewinn des Deutschen Metallbaupreises für das Empfangsgebäude der Hanse Merkur Versicherung AG in Hamburg,
  • 2018: Rekordstart in das neue Jahr mit einer Auslastung für über sechs Monate.

Letzte Aktualisierung: 28.03.2018