Stahlbau: "Jeden Tag ein bisschen besser"

(April 2018) Das mittelständische Unternehmen Buthmann Ingenieur-Stahlbau aus Glinde ist momentan gut ausgelastet, macht sich aber Sorgen um guten Berufsnachwuchs. Wir fragten bei Firmenchef Marco Buthmann nach Lösungen.

Buthmann Dombrowski
Firmenchef Marco Buthmann berichtet im Gespräch mit M&T-Redakteur Jörg Dombrowski von den Schwierigkeiten bei der Berufsnachwuchssuche. Fotos: M&T

Wie ist die momentane konjunkturelle Situation Ihrer Firma?
Die wirtschaftliche Lage des Unternehmens ist durchweg als gut, die Auftragslage und Auslastung als sehr gut zu bezeichnen. Die Auftragsreichweite beträgt rund 6,5 Monate und die Nachfrage ist so reichhaltig, dass nicht alle Anfragen beantwortet werden können. Durch die Vollauslastung sind wir aber auch in der komfortablen Lage, nicht überall mitbieten zu müssen. Wir können momentan durchaus selektieren und müssen nur auf Kundenanfragen reagieren, die eine reelle Chance zum Auftrag und auf Ertrag haben.

Welche Bereiche laufen besonders gut?
Zurzeit ist es tatsächlich so, dass von unseren Kunden alle unsere Kernkompetenzen gefordert werden und wir Aufgabenstellungen in jedem unserer Bereiche haben. Dies sind:

  • der ingenieurmäßige Stahlbau mit Fußgängerbrücken, Fassadensicherungen, tragenden Fassadenunterkonstruktionen und Verkehrszeichenbrücken,
  • der Stahlbau für den Umbau im Bestand mit Aufstockungen, statischen Deckenverstärkungen und Erweiterungsbauten,
  • der architektonisch gestaltete Stahlbau mit individuellen Lösungen aus scharfkantigen Schweißprofilen oder auch eine druckwasserdichte Konstruktion mit hohem optischem Anspruch.
Mit welchen Schwierigkeiten haben Sie gegenwärtig besonders zu kämpfen?
Die größten Schwierigkeiten bereiten uns gegenwärtig planerische Unzulänglichkeiten, zögerliche Freigaben, lange Bearbeitungszeiten durch die Planer und daraus resultierende Verschiebungen in der Erstellung der Werkplanung, Fertigung und Montage. Dazu kommt, dass dadurch eine koordinierte und sinnvolle Fertigungsplanung nicht mehr möglich ist und Objekte in der Fertigung kollidieren. Dies lässt dann eine wirtschaftliche Bearbeitung dieser Aufträge kaum zu. Gleichzeitig ist der Termindruck durch die Auftraggeber mit knappen Ausführungsfristen konstant hoch. Und es wird von uns als Ausführende erwartet, die Versäumnisse der Planer wieder aufzuholen.

Sie sind Spezialist für die anspruchsvollen Stahlkonstruktionen. Wo liegen dabei Ihre besonderen Stärken?
Unsere Stärke liegt unter Anderem im Erfahrungsschatz unseres Teams aus Ingenieuren, Technikern, sowie den gut ausgebildeten Facharbeitern in der Werkstatt und auf der Montage. Dadurch können wir noch viele Aufgabenstellungen handwerklich lösen, die mit industrieller Maschinenbearbeitung nicht ausführbar wären. Gleichzeitig verfügen wir über eine moderne technische Ausstattung mit 3D-CAD-Anlagen, CNC-Maschinen und Montageequipment.

„Arbeite stets fachlich korrekt und gehe keine Kompromisse bei der Qualität ein.“

Was müssen Sie dafür tun, um sich in diesem Segment zu behaupten?
Wir müssen darauf achten, die Anforderungen und Wünsche unserer Kunden niemals aus den Augen zu verlieren, immer auf technisch hohem Stand in der Fertigung sowie führend in der Ausführungsqualität zu bleiben. Dazu müssen wir den Ausbildungsstand unseres Personals hoch halten und gleichzeitig mit modernster Technik die Kosten auf einem marktgerechten Niveau halten.

Wo werden in nächster Zukunft die besonderen Herausforderungen für einen mittelständischen Stahlbaubetrieb liegen?
Wir sehen die größte Herausforderung darin, gutes Fachpersonal zu gewinnen und langfristig an das Unternehmen zu binden. Dies ist besonders bei den finanziellen Möglichkeiten der Großindustrie in unserer Region wie Airbus in Hamburg recht schwierig. Dies gilt auch im Hinblick auf potenzielle Bewerber, um Ausbildungsplätze adäquat zu besetzen und eigenen Nachwuchs zu generieren. Die Baukonjunktur wird nicht immer so laufen wie zurzeit. Es sollte darauf geachtet werden, in guten Zeiten zu investieren, um auch zukünftig wirtschaftlich fertigen zu können und in Zeiten des härteren Wettbewerbs am Markt bestehen zu können.

Marco Buthmann
„Wir müssen darauf achten, die Anforderungen und Wünsche unserer Kunden niemals aus den Augen zu verlieren“, Marco Buthmann.

Wie bereiten Sie sich und Ihre Firma auf zukünftige Anforderungen und Bedingungen vor?
Wir haben in den letzten Jahren massiv in modernste Maschinentechnik und den Ausbau der Kapazitäten des technischen Büros investiert. Zurzeit haben wir eine gute Durchmischung von jungen und erfahrenen Mitarbeitern, so dass wir uns gegenwärtig gut für die Zukunft gerüstet fühlen. Dennoch müssen wir uns immer wieder hinterfragen, Prozesse überprüfen und wachsam auf Veränderungen am Markt reagieren.

Wo sehen Sie Ihren Betrieb in fünf Jahren?
Unser Anspruch ist es, jeden Tag und mit jeder Erfahrung noch ein bisschen besser zu werden. Dann können und werden wir unsere Marktstellung in Verbindung mit unserem Ruf halten oder sogar noch ausbauen können. Daraus resultierend sollten Erträge die Möglichkeiten schaffen, das Unternehmen auf technisch hohem und modernem Stand zu halten. Auch können wir uns vorstellen, eine Ausweitung in zusätzliche Geschäftsfelder vorzunehmen.
Welchen Tipp können Sie abschließend Ihren Kollegen noch geben?
Das ist ja von Betrieb zu Betrieb ganz unterschiedlich, so dass ich mir nicht zumute einen generellen Tipp zu geben. Oder doch vielleicht einen, den mein Großvater bereits gelebt hat: Arbeite stets fachlich korrekt und gehe keine Kompromisse bei der Qualität ein.

Letzte Aktualisierung: 10.10.2018