Terrassenüberdachungen: Funktionalität und Luxus

Aufgrund der Zuwachsraten sind Überdachungen für Terrassen ein wichtiger Bestandteil des Angebotsspektrums von Metallbaubetrieben mit Schwerpunkt Wintergartenbau. Welche Aspekte rund um das Bauteil zu beachten sind, hat die Autorin im Doppelinterview mit Dr. Steffen Spenke und Dag Iske geklärt.

Terrassendach an einem Wohnhaus
Mit einem Terrassendach kann man aus einer etwa fünfmonatigen Saison praktisch eine siebenmonatige machen und bereits mit den ersten Frühlingssonnenstrahlen Outdoor-Feeling genießen.

Mit einer Terrassenüberdachung kann die Nutzungssaison vor allem in den Übergangsjahreszeiten Frühjahr und Herbst deutlich verlängert werden. Für die einen ist es der pure Luxus, die Terrasse mit einem Dach zu bekrönen und damit geschützt vor Sonne und Regen den Aufenthalt im Freien zu zelebrieren. Für die anderen ist das genau der Grund, das Terrassendach als funktional notwendig zu betrachten. „Wenn man durch ein Terrassendach aus einer etwa fünfmonatigen Saison praktisch eine siebenmonatige machen kann, wenn man bereits mit den ersten Frühlingssonnenstrahlen bis zum späten Herbst Outdoor-Feeling genießen kann und selbst kurze Regenschauer das Vergnügen nicht trüben, sind das Kundenargumente, für die sie gern Geld investieren“, umreißt Dag Iske, Geschäftsführer im Multiraumzentrum Berlin-Brandenburg, seine Geschäftsphilosophie.

Wie sehen Sie die Marktentwicklung bei Terrassenüberdachungen?
Dr. Spenke: Terrassenüberdachungen boomen seit einigen Jahren. Sie bieten eine kostengünstige und dauerhaft gebrauchstaugliche Möglichkeit, den Freisitz zu nutzen, auch wenn zwischendurch einige Tropfen von oben kommen. Die Outdoor-Möbel können draußen bleiben, ohne dass zu viel Feuchtigkeit und UV-Einstrahlung einwirken. Meist ist dann noch eine Beschattung vorhanden, die vor allzu starker solarer Aufheizung und UV-Wirkung zusätzlich schützt. Häufig kommt, auch als spätere Nachrüstung, ein seitlicher Windschutz hinzu, bis zur rundum schützenden Ganzglasanlage. Diese schrittweise Anpassung an wachsende Bedürfnisse sowie die Streckung der Investitionen sind besonders interessant.

Was ist bei der Planung eines Terrassendaches zu beachten?
Dr. Spenke: Dabei ist eine begriffliche Grenze zwischen „Terrassenüberdachung mit seitlichem Windschutz“ und einem Wintergarten zu ziehen, was in der „Definition Wintergarten“ des Bundesverbandes Wintergarten klar zum Ausdruck kommt. Diese Abgrenzung kann im Baugenehmigungsverfahren eine Rolle spielen. So sind zum Beispiel Terrassenüberdachungen bis zu einer dort festgelegten Größe in einigen Bundesländern verfahrensfrei!
Handwerksbetriebe, die einem Privatkunden eine Terrassenüberdachung verkaufen, übernehmen damit die Planungsverantwortung für ein mangelfreies Bauwerk und nicht nur für eine mangelfreie Metallkonstruktion. Kern sind die Landesbauordnungen und die darin geforderten bautechnischen Nachweise. In unserem Falle die Bestimmung der Lastannahmen (zum Beispiel Schnee und Wind) nach Eurocodes 1 und die Bemessung der tragenden Konstruktion und der Verglasung entsprechend den Eurocodes 3 (Stahlbau) und 9 (Aluminiumbau) beziehungsweise der DIN 18008 für die Verglasung sowie die Bemessung der Befestigungen am Bestandsbau.

Das ist für den gestandenen Fachmann, der die objekt- und ortspezifischen Ausgangsdaten gründlich ermittelt hat, in der Regel auch kein Problem. Ob innerhalb eines Betriebes oder im Zusammenwirken mit entsprechend kompetenten Partnern wie Planern, Statikern, Sachverständigen und der geeigneten Software können die erforderlichen Bemessungen schnell, zuverlässig und kostengünstig ermittelt werden. Eine sachkundige Aufklärung der Kunden hilft, dass diese nicht auf Billiganbieter hereinfallen.

Terrassendach im Aufbau
Terrassendächer haben wichtige Aufgaben zu übernehmen und daher bedarf es eines spezifischen Wissens um das System und die Montage am Baukörper.

Für den Fachbetrieb ergibt sich gegenüber dem Wintergarten ein stark vereinfachtes Aufmaß, Planung, Herstellung und Montage, selbst wenn seitliche Windschutzelemente hinzukommen. Das ermöglicht es, trotz wesentlich geringerer Kompetenzen mehr Terrassenüberdachungen zu verkaufen, zu fertigen und zu montieren als es bei Wohnwintergärten erforderlich ist. Das gleicht den geringeren Gewinn pro Einheit aus. Aber genau da liegt das Problem. Sehr schnell okkupieren dann Betriebe den Markt, die das geforderte Know-how nicht haben und es sich auch nicht aneignen wollen oder können. Deshalb müssen wir konsequent darauf achten, dass Voraussetzungen wie die Zertifizierung nach DIN EN 1090 (tragende Stahl- und Aluminiumkonstruktionen) und Qualitätsnachweise für die Produkte, wie die Systemprüfung durch den Bundesverband Wintergarten und andere bekannt gemacht und durchgesetzt werden.

Planungs-Tipp

Gehen Sie systematisch vor

  1. Kundenwünsche anhören und beachten,
  2. Form, Farbe und Größe in Breite, Tiefe, Höhe am Haus und die Höhe Unterkante Rinne mit dem Kunden vereinbaren,
  3. Bauordnung beachten – diese enthält Aussagen zu baugenehmigungsfreien Vorhaben,
  4. Art und Beschaffenheit der Wand feststellen (Wandaufbau, Material der Wand, Wanddicke, möglicherweise Dämmung oder Fertigteilhäuser mit Ständerwerkaufbau) und die Tragfähigkeit und dauerhaft sichere Verankerung des Wandanschlusses am Haus prüfen. Sehr oft kommen daher Dächer mit freitragendem Wandanschluss zum Einsatz. Diese sind statisch nachweisbar und stehen im Einklang mit der Statik des gesamten Daches.
  5. Beurteilung der sicheren Dimensionierung und Verankerung der Stützen im oder auf dem Terrassenboden (Einspannung der Stützen in Köcherfundamenten oder auf Punktfundamenten beziehungsweise mit Rinnenkonsolen bei der Montage auf Fertigterrassenbelägen).
  6. Schneelastzone beachten – für Region Berlin-Brandenburg: Schneelastzone 2 jedoch mit der Besonderheit Norddeutsches Tiefland (NDTL) was zur Folge hat, das nicht 85 Kilogramm pro Quadratmeter sondern laut DIN 1991-1-3 der Faktor 2,3 zwingend anzusetzen ist. Im günstigsten Anbaufall muss das Dach für eine Schneelast von 156 Kilogramm pro Quadratmeter ausgelegt sein. Wird die Montage an einem Giebel erfolgen, wird eine zusätzliche statische Last, die „Schneekeilbildung“, in die Statik eingerechnet und man erreicht schnell 236 bis 252 Kilogramm pro Quadratmeter. Gerade im öffentlichen Bereich (EXC 2 nach DIN EN 1090-2) ist das ein nachzuweisendes und vom Prüfstatiker kontrolliertes Detail.
  7. Letztlich ist je nach Ausführung der Dacheindeckung (Glas oder Stegplatte) auch dazu ein Nachweis zu erbringen. Je höher die Schneelast, je länger die Eindeckung ist, umso höher die Anforderung an diese. Grundsätzlich kann eine Faustformel angewendet werden: bei 156 Kilogramm pro Quadratmeter Schneelast und einer Kantenlänge des Glases über 1.500 Millimeter reicht eine VSG 10,76 Millimeter Scheibe nicht mehr aus. Dazu erarbeitet der Glaslieferant eine Glasdickenempfehlung, welche vom Statiker dann zu prüfen ist.
  8. Wichtig für die statische und damit planerische Vorarbeit des Terrassendaches ist es zu wissen, ob das Dach mit Ausfachungselementen (Schiebelemente, andere Terrassenverglasungssysteme oder Festelemente) jetzt oder später ausgestattet werden soll. Dies hat erheblichen Einfluss auf die technisch statische Ausfertigung der Stützen und der tragenden Rinne, weil zusätzliche Verkehrslasten in das Dach abgetragen werden (Durchbiegung, Sog und Druck und Knicklasten).

Welche Zusatzfunktionen sind denkbar und welche Zusatzelemente bringen einen Mehrwert bei der Montage eines Terrassendaches?
Dag Iske: Ziel ist es, die Terrasse, das Mobiliar darauf und natürlich die Terrassennutzer vor Regen, Schnee, Schmutz, Lärm und geringen Temperaturen zu schützen. Dazu werden zusätzlich gern Ausfachungselemente, welche variabel schiebbar, gerahmt oder ungerahmt sein können oder Drehschiebe- und Faltsysteme beziehungsweise Festverglasungen verbaut. Dabei ist der Trend eindeutig zum einfach zu bedienenden Parallel-Schiebesystem zu erkennen.
Dr. Spenke: Zur Ausdehnung der Nutzungszeiten, aber auch als Sichtschutz sind Windschutzelemente sehr beliebt. Das können Anlagen aus Glas oder nichttransparenten Werkstoffen sowie senkrechte Markisen aus Textil oder Kunststoff sein. Häufig wird bei Terrassenüberdachungen der Wärmestau unterschätzt, dem mit einigen Dachfenstern erfolgreich entgegengewirkt werden kann.

Was empfehlen Sie – Dachsysteme oder Eigenkonstruktion?

 Dr. Steffen Spenke
„Sehr schnell okkupieren dann Betriebe den Markt, die das geforderte Know-how nicht haben und es sich auch nicht aneignen wollen oder können“, Dr. Steffen Spenke, Vorsitzender des Bundesverbandes Wintergarten.

Dr. Spenke: Bei Einsatz eines am Markt bewährten Systems ist die eigene Planungs-, Konstruktions- und fertigungstechnische Vorarbeit am geringsten. Die Risiken sind insgesamt überschaubarer. Der Metallbauer profitiert darüber hinaus vom Ruf des Systemgebers, der Systembeschreibung, den Fertigungshinweisen, dessen Logistik sowie den Ergebnissen der Systemprüfung.

Dag Iske: Wir verbauen grundsätzlich namenhafte Marken-Systeme. Der Grund besteht darin, dass alle Systemkomponenten aufwendig geprüft sind, ein CE-Zeichen aufweisen und eine sehr hohe Herstellungsqualität mit Garantieangaben besitzen. Außerdem profitieren wir und unsere Kunden von den langfristigen Nachkaufgarantien und der Vielfalt der Ausführungen – das versetzt uns in die Lage für jeden Zweck alle Kundenwünsche zu erfüllen.

Wie kann Sonnenschutz umgesetzt werden?
Dag Iske: Wir verarbeiten und empfehlen gern hocheffiziente Heat-Stop-Sonnenschutzstegplatten (16 und 32 Millimeter Dicke) aus Plexiglas mit dreißig Jahren Garantie auf UV-Beständigkeit welche bis 75 Prozent der Sonnenenergie absorbieren. Sie besitzen einen reinigungsunterstützenden Effekt (Nodrop-Beschichtung), sind leicht, sehr stabil und bis sieben Meter aus einem Stück verlegbar. Aber der Clou ist, dass sie aufgrund einer leicht bläulichen Einfärbung ein sehr angenehmes optisches Ambiente erzeugen (Markenname „Cool Blue“). Weiterhin gibt es bei der Verwendung von Glas als Dacheindeckung Markisen, die seitlich fest mit den Terrassendachsparren verschraubt werden. Diese sind damit auch unempfindlicher gegen Wind. Eine Überwachung mittels Sonnen- und Windwächter ist dennoch aufgrund der meist großen Stoffflächen empfehlenswert.

Dr. Spenke: Je nach Lage ist bei Terrassenüberdachungen ein angemessener Sonnenschutz notwendig. Auch wenn die Seiten offen sind, kann sich unter dem Dach ein unangenehmer Warmluftstau bilden, abgesehen von störender Blendwirkung durch die Verglasung bei starkem Sonnenlichteinfall. Eine Markise oder Sonnenschutzverglasung beziehungsweise Heat-Stop-Stegplatten sollten im Beratungsgespräch eine nachweisbare Rolle spielen. Im Unterschied zum Wintergarten, ist bei luftdurchlässigen Seiten eine gute Hinterlüftung der innenliegenden Markise zu erwarten und damit eine hohe Wirksamkeit, wenn diese einen ausreichenden Abstand vom Dach hat (mindestens fünf Zentimeter). Die innenliegende Markise wird nicht so schnell verschmutzt, wie eine ansonsten zu bevorzugende außenliegende Markise. Weitere Möglichkeiten des Sonnenschutzes bei transparenten Terrassenüberdachungen sind Sonnensegel oder feststehende Lamellen.

Welche Fehler werden bei Planung und Montage immer wieder gemacht?
Dr. Spenke: Häufige Fehler sind die fehlende Zertifizierung nach DIN EN 1090 für die Herstellung tragender Aluminiumkonstruktionen und zu geringe Last­annahmen (Schnee- und Windlast) am Standort. Dazu kommen immer wieder die fehlende Bemessung der tragenden Befestigung am oberen Bauanschluss und für die Bodenplatten der Stützen, unzureichende Vorklärung der Bausituation wie die Wandbeschaffenheit am Punkt der geplanten Befestigungen oder Besonderheiten in den Schnee- und Windverhältnissen.

Dag Iske
„Wer nach dem Motto handelt ‚Das wird schon halten‘ ignoriert den Stand der Technik und beweist mangelnde Kompetenz“, Dag Iske, Geschäftsführer im Multiraumzentrum Berlin-Brandenburg. Foto: Domke

Dag Iske: Bei der Planung – ein häufiges Problem ist der ungenügende Wissenstand und der Umgang mit dem Thema Statik. Wer nach dem Motto handelt: Das wird schon halten oder das habe ich schon immer so gemacht, ignoriert den Stand der Technik und beweist mangelnde Kompetenz. Diese „Fachbetriebe“ unterschätzen den Bedarf an Schulungen und Weiterbildung, handeln in Bezug auf die Sicherheit falsch und grob fahrlässig und bringen den gesamten Berufsstand in Verruf. Der Kunde möchte Sicherheit, Zuverlässigkeit, Stabilität und ein bewährtes Markensystem. Bekommt er vom fachkundigen Metallbauer eine anhaltend hochwertige Qualität sowie Garantie darauf, gibt er auch gern mehr Geld dafür aus.
Bei der Montage – Dächer haben wichtige Aufgaben zu übernehmen und daher bedarf es eines spezifischen Wissens um das System und die Montage am Baukörper. Die direkte Montage eines Daches an einer Klinkerwand oder hochwärmegedämmten Fassade kann und darf nicht erfolgen, denn der Klinker ist als Fassade und nicht als tragendes Mauerwerk anzusehen und außerdem kann ein statischer Nachweis über die Lastabtragung, Biege- und Scherkräfte genauso wenig erbracht werden, wie bei einer Montage an hochgedämmten Fassaden. Kein Statiker wird dafür grünes Licht geben.
Die Auswahl von bauaufsichtlich zugelassenem Befestigungsmaterial ist der Garant für eine ordentliche nachweisbare Haltbarkeit des ganzen Daches. Dazu kommt die Verwendung der vom Systemgeber geprüften Verbindungsschrauben zum Beispiel für die Verbindung der Bodeneinspannstütze mit der Aluminiumstütze. Auch dabei ist es wichtig, dass die enormen Scherkräfte durch die richtigen Schrauben dauerhaft abgetragen werden müssen.

Auto: Petra Domke

Letzte Aktualisierung: 06.09.2018