Thema des Monats - Eine runde Sache

(April 2019) Treppenwange: Zwei ähnlich gelagerte Streitfälle innerhalb von zwei Jahren über die Wangen an gewendelten Treppen sind für den Sachverständigen Anlass darüber zu informieren, welche Fallstricke auf den Metallbauer dabei lauern können. German Sternberger

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Treppe des ersten Falles. Im Einbaustadium sind die gebogenen Treppenwangen deutlich zu sehen. Foto: Sternberger

Bei beiden Fällen entbrannten die Streitigkeiten unmittelbar nach dem Einbau der Wangenkonstruktionen in den Treppenräumen. Streitpunkt war jeweils die gebogene Form der Treppenwangen. Die Auftraggeber waren von geraden Wangenlinien ausgegangen. Grundlage für die Auftragsvergabe waren jeweils „Hochglanzprospekte“ mit Bildern, auf denen bevorzugt die Geländer und Stufenbeläge in Szene gesetzt waren. Die Details zu den Treppenwangen waren nicht klar ersichtlich.
Beim Aufbau der Wangen im Treppenraum war das Entsetzen beziehungsweise der Ärger der Auftraggeber groß. Die beiden Parteien stellten sich geradlinige Wangen in ihrem Treppenraum vor und konnten die gebogene Wangenformen nicht akzeptieren. Dementsprechend schnell kam es nach dem Einbau der Treppenkonstruktion zum Kontakt mit dem Sachverständigen.
Im Einbaustadium der Treppe, lediglich mit Behelfsstufen bestückt, waren die gebogenen Wangen auffällig zu sehen. Im ersten Fall war es die Auftraggeberin, die den Sachverständigen um Hilfe bat und fragte, wieso die Treppenwangen unten geschwungene Kanten haben. Im zweiten Fall bat hingegen der Metallbauer um Unterstützung und um Argumentationshilfe gegenüber dem Auftraggeber für seine Ausführung der Wangen.
Die als Vertragsgrundlage dienenden Prospekte wurden dem Sachverständigen in beiden Fällen gezeigt. Auf den Bildern waren die Wangenkanten schwer zu erkennen. Dennoch waren die Krümmungen mit dem geschulten Auge zumindest zu erahnen. Ein Laie konnte diese Details aber übersehen und von geraden Linien ausgehen.

Vermeiden Sie Missverständnisse

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Treppe des zweiten Falles. Der Kunde zeigt mit Schnüren (→), wie er sich die geraden Wangenkanten vorstellt. Foto: Sternberger

Die Bilder in den Prospekten zeigten nur beispielhafte beziehungsweise artverwandte Treppen, die nicht für die projektbezogenen Treppenräume zuge­schnitten waren. Entsprechend ist es wichtig, im Verkaufsgespräch herauszustellen, dass jede Treppe ein Unikat darstellt, welches durch die bauseitigen Geometrien geprägt wird. Andernfalls kann es zu den beschriebenen Meinungsverschiedenheiten kommen. Treppenraummaße, Geschosshöhe, Treppenauge und Steigungsverhältnis sind nur wenige Schlagwörter, die wesentlichen Einfluss auf das spätere Aussehen der Wangen haben. Auch der Bereich der Stufenverziehung mit der Anzahl der verzogenen Stufen im Treppenlauf hat Einfluss auf die Wangenform.
Aus der Sicht des Sachverständigen waren in beiden Fällen keine fachlichen Fehler an der Treppenkonstruktion festzustellen. Die gebogene Wangenform ist bei dieser Treppenart gängig und üblich. Letzten Endes mussten die Auftraggeber einräumen, dass bei der Besichtigung anderer gewendelter Treppen deutlich wurde, dass die geschwungene Form gebräuchlich ist. Zudem wurde eine gerade Linienführung auch nicht ausdrücklich vereinbart.

Dokumentieren Sie alle Details

Der Sachverständige rät beim Verkauf von Treppenkonstruktionen dazu, unbedingt das Verkaufsgespräch auch dazu zu nutzen, um die Details vor Vertragsabschluss anzusprechen und zu dokumentieren. Treppenkonstruktionen haben für Kunden zumeist den gleichen Stellenwert wie eine Haustür und dienen oft als Blickfang.
Besseres Verkaufspotenzial als Pros­pekte bieten die heutigen Zeichenprogramme mit ihren Möglichkeiten zu computergenerierten Bildern. Dies sollte mittlerweile Standard sein.

Fazit: Klären Sie den Kunden auf
Letztlich führte in beiden Fällen kein Weg an den ausgeführten Treppenkonstruktionen vorbei. Die Kunden mussten die geschwungenen Treppenwangen akzeptieren. Diese Ausführung ist gängig und an einläufig gewendelten Treppen mit verzogenen Stufen üblich.

Letzte Aktualisierung: 03.04.2019