Thema des Monats - Kleiner als vom Architekt geplant

(Juni 2019) Treppenbau: Die Größe eines Treppenpodestes war Grund für eine Meinungsverschiedenheit zwischen dem Metallbauer und dem planenden Architekten. Der Sachverständige konnte den Streit schlichten. Karsten Zimmer

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Die Maße einer Treppe – im vorliegenden Fall die minimale Treppenpodesttiefe – sind immer wieder Ursache von Diskussionen. Foto: HPL

Ein Metallbauer sollte für einen Privatkunden eine Treppe für sein Einfamilienhaus bauen. Der Architekt des Bauherrn und der Metallbauer konnten sich über die Maße der auszuführenden Treppe nicht einigen. Dabei ging es insbesondere um die Größe der auszuführenden Treppenpodeste. Streitpunkt war die Tiefe des Podestes, um schließlich ein normgerechtes Steigungsverhältnis zu realisieren.
Der Metallbauer holte sich Hilfe bei einem Sachverständigen für das Metallbauerhandwerk, der die bauaufsichtlichen Anforderungen erläutern und insbesondere die Frage beantworten sollte, welche Mindestanforderungen an Treppenpodeste gestellt werden. Geplant war eine zweiläufige gerade Treppe mit Zwischenpodest mit einer Treppenlaufbreite von 115 Zentimetern. Der Architekt war der Meinung, dass die Treppenpodesttiefe so groß sein muss, wie die Treppenlaufbreite. Der Metallbauer nicht. Er vertrat den Standpunkt, dass die Podesttiefe kleiner sein kann und nur achtzig Zentimeter ausreichen würden.

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In der MVV TB ist im Abschnitt 4 „Sicherheit und Barrierefreiheit bei der Nutzung“ die DIN 18065 aufgelistet. Grafik: MVV TB

Beachten Sie die einschlägige Norm

Die relevante Norm ist die DIN 18065 Gebäudetreppen. Diese ist Bestandteil der Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB). Fundstelle in der MVV TB ist der Abschnitt 4 „Sicherheit und Barrierefreiheit bei der Nutzung“, A 4.2 „Technische Anforderungen hinsichtlich Planung, Bemessung und Ausführung an bestimmte bauliche Anlagen und ihre Teile gem. § 85a Abs. 2 MBO“. Unter A 4.2.1 ist die DIN 18065 aufgelistet.
Treppenpodeste werden in der DIN 18065 im Abschnitt 6.3 „Treppenpodeste und Trittstufen“ behandelt. Dort heißt es im Abschnitt 6.3.1, dass die nutzbare Treppenpodestbreite und Treppenpodesttiefe mindestens der nutzbaren Treppenlaufbreite nach Bild 1 beziehungsweise Bild 2 (in Abs. 6.1.1 der DIN 18065) entsprechen muss.
In Bild 1 wird für baurechtlich notwendige Treppen in „Gebäuden im Allgemeinen“ eine nutzbare Laufbreite von mindestens hundert Zentimetern vorgegeben. In Bild 2 für die in diesem Fall relevanten „Wohngebäude mit bis zu zwei Wohnungen und innerhalb von Wohnungen“ ist es eine nutzbare Laufbreite von mindestens achtzig Zentimeter für baurechtlich notwendige Treppen.

Berücksichtigen Sie den Unterschied

Der Sachverständige für das Metallbauerhandwerk kommt in seiner Stellungnahme also zu dem Schluss, dass der feine Unterschied in den unterschiedlichen Sichtweisen von Architekt und Metallbauer in der Formulierung des Abschnittes 6.3.1 liegt. Entscheidend ist der Verweis auf die Bilder 1 und 2 in DIN 18065. Die Treppenpodesttiefe muss nach DIN 18065 nicht der geplanten Treppenlaufbreite entsprechen, sondern dem Mindestmaß der nutzbaren Treppenlaufbreite nach Bild 1 beziehungsweise Bild 2.

Fazit: Achten Sie auf den Anwendungsbereich
Bei der in diesem Fall auszuführenden Treppe mit 115 Zentimeter Laufbreite ist also eine Treppenpodesttiefe von mindestens achtzig Zentimeter zu planen. In einer Randnotiz verweist der Sachverständige schließlich noch auf die Anlage A 4.2/1 zu DIN 18065 in der MVV TB. Dort ist festgehalten, dass die Anwendung der DIN 18065 auf Treppen in Wohngebäuden der Gebäudeklasse 1 und 2 und in Wohnungen von der Einführung ausgenommen ist (Gebäudeklasse 1 und 2: freistehende Gebäude und Gebäude mit einer Höhe bis zu sieben Meter und nicht mehr als zwei Nutzungseinheiten von insgesamt nicht mehr als 400 Quadratmeter).

Letzte Aktualisierung: 04.06.2019