Ohne überzogene Forderungen

(März 2019) Dübelverankerungen: In einem angeblichen Schadensfall verlangte der Bauherr Zertifikate für die Metallbauer, die die Treppen- und Balkongeländer montiert hatten. Warum der Metallbauer letztlich Recht bekam, erfahren Sie im Schadensbericht.

Schadensfall März 2019 Befestigung
Bei den Schulungen der Monteure werden oft auch Auszugsversuche zur Demonstration durchgeführt. Foto: M&T

Für eine Wohnungsbaugesellschaft hatte der Metallbauer für ein Bauvorhaben eine Vielzahl von Absturzsicherungen (Treppen- und Balkongeländer) gebaut. Diese wurden im Auftrag des Bauherrn durch einen Sachverständigen abgenommen. Im Zuge der Überprüfung verlangte der Sachverständige Zertifikate derjenigen, die die Montage der Geländer vorgenommen hatten. Er behauptete, dass für die Ausführung von Verankerungen in Beton eine Zertifizierung im Bereich der Dübeltechnik erforderlich ist. Zertifikate konnte der Metallbauer für seine Mitarbeiter nicht vorlegen.
Zu beantworten waren also die Fragen, ob und welche bauaufsichtlichen Anforderungen es für die Ausführung von Dübelverankerungen gibt und ob Zertifizierungen der Monteure erforderlich sind.

Beachten Sie die Regelwerke

Konkrete Regelungen für die Ausführung einer korrekten Dübelmontage finden sich weder in den 16 Landesbauordnungen der Bundesländer noch in den zugehörigen technischen Baubestimmungen. Fündig wird man aber zum einen in den Dübelzulassungen und zum anderen in einer Veröffentlichung des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt) aus dem Jahre 2010.
Die sogenannten Dübelzulassungen sind „Europäische Technische Bewertungen“ (ETA), die die Dübelhersteller bei einer technischen Bewertungsstelle (zum Beispiel in Deutschland das DIBt) für ihre Dübel zur Verankerung in Beton erwirken. Die ETA teilen sich auf in einen „Allgemeinen Teil“ und den „Besonderen Teil“, der insbesondere eine Beschreibung des Produkts, des Verwendungszwecks, der Leistungsmerkmale sowie Anlagen zu Einbauzustand, Varianten, Produktkennzeichnung, Abmessungen, Werkstoffen, Montage- und Dübelkennwerten, Montageanweisung sowie minimale Achs- und Randabstände enthält.
Hinsichtlich des Einbaus findet sich in allen diesen ETA eine gleichlautende Formulierung: „Einbau durch entsprechend geschultes Personal unter der Aufsicht des Bauleiters.“

Berücksichtigen Sie die Montagehinweise

Vom DIBt sind im Oktober 2010 „Hinweise für die Montage von Dübelverankerungen“ veröffentlicht worden, die seitdem unverändert sind. Damit wurden erstmals die Kompetenzanforderungen an Dübelmonteure beschrieben. Sie nehmen Bezug auf die europäischen technischen Zulassungen mit ihren „Besonderen Bestimmungen“ für Planung, Bemessung und Montage von Dübelverankerungen. Diese „Besonderen Bestimmungen“ sind für die jeweiligen Dübelprodukte zu beachten und einzuhalten, da sie die Basis für das in der Planung und Berechnung der Verankerung zugrunde gelegte Sicherheitskonzept darstellen.
Der Abschnitt 2 der „Hinweise für die Montage von Dübelverankerungen“ behandelt planerische Vorgaben für die Montage. Dort geht es um die sich aus der Planung und Bemessung der Verankerung ergebenden Vorgaben für die Montage, die der Monteur auf der Baustelle benötigt und die in den Konstruktionszeichnungen enthalten sein müssen.
Abschnitt 3 ist mit Montageanweisungen überschrieben. Die „Besonderen Bestimmungen“ der Zulassungen enthalten bezüglich der Dübelmontage Vorgaben für den Verankerungsgrund, die Einbaubedingungen und sie detaillieren den Montageablauf über konkrete Anweisungen.
Schließlich wird in den „Besonderen Bestimmungen“ festgestellt, dass von der Brauchbarkeit der Dübelverankerung nur ausgegangen werden kann, wenn der Einbau der Dübel durch geschultes Personal unter Verantwortung des Bauleiters erfolgt.

Weisen Sie die Kompetenz nach

Im Abschnitt 4 werden die erforderlichen Kompetenzen für Monteure beschrieben. Bezüglich der Kompetenzanforderungen an Dübelmonteure wird in den DIBt-Hinweisen festgestellt, dass die Verantwortung für die Ausführung der korrekten Dübelmontage beim ausführenden Betrieb liegt. Dieser hat entsprechend geschultes Personal einzusetzen. Das Personal muss dazu in der Lage sein, die Montageanweisungen zu lesen, zu verstehen und bei der Montage umzusetzen. Unterschieden wird Grundwissen (grundsätzliche Kompetenzanforderungen für alle Dübeltypen) und dübelspezifisches Fachwissen wie die unterschiedlichen Funktionsmechanismen der verschiedenen Dübeltypen.
Im Abschnitt 5 geht es schließlich um mögliche Schulungsmaßnahmen. Dort ist festgehalten, dass es in der Verantwortung des ausführenden Betriebs liegt, welchen Weg er zur Sicherstellung der Kompetenz seiner Monteure wählt. Das können sein: interne oder externe Schulung, Einweisung oder Eigenschulung. Entscheidend ist allein die erlangte Kompetenz.
Zu guter Letzt werden auch Orga­nisationen beziehungsweise Orga­nisa­tionsformen im Bereich der Schulung für Dübelmonteure genannt. Daraus geht zuallererst hervor, dass eine Ausbildung zum Beispiel zum Metallbauer ein gangbarer Weg für den Nachweis ist. Genauso bieten sich Schulungen durch zum Beispiel Innungen, Meisterschulen, innerbetriebliche Fortbildung, Schulung in Kompetenzzentren oder durch Hersteller an.

Fazit: Abnahme konnte nicht verweigert werden

Im vorliegenden Fall konnte der Metallbauer nachweisen, dass die mit der Montage der Geländer beauftragten Mitarbeiter alle gelernte Metallbauer waren, die zudem alle eine interne Schulung absolviert hatten. Darüber konnte der Metallbauer entsprechende von den Mitarbeitern unterzeichnete Unterweisungsprotokolle vorlegen.
Die einschlägigen Anforderungen aus der europäischen technischen Bewertung des eingesetzten Dübels sowie die „Hinweise für die Montage von Dübelverankerungen“ wurden eingehalten. Die Dübelverankerungen der Geländer wur­den von geschultem Personal vorgenommen. Die Abnahme konnte nicht verweigert werden.

TIPP Planung
Nutzen Sie das Fachregelwerk
Die „Hinweise für die Montage von Dübelverankerungen“ des DIBt sind Bestandteil des Fachregelwerkes (www.metallbaupraxis.de). Im Kapitel 1.9.6.11 Hinweise für die Montage von Dübelverankerungen sind diese vollständig abgedruckt.
Informationen finden Sie auch auf den Internetseiten des DIBt: www.dibt.de, Service, Suche nach Dokumenten, Stichwort: Dübelverankerungen.
Die Vorlage für ein Unterweisungsprotokoll findet sich ebenfalls im Fachregelwerk, Kapitel 1.18.3.5 Schulungs-/Unterweisungsprotokoll.

Letzte Aktualisierung: 03.04.2019