Vorsicht bei Ausgasungen

(April 2020 ) Ein an sich einfacher Auftrag mit einem Duplexsystem mit Pulverbeschichtung führte im Endeffekt dazu, dass ein Metallbauer auf einem Produktschaden von rund 1.000 Euro sitzenblieb. Was passiert ist und wie man das Risiko mindern kann, beschreibt der Artikel.

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Die Ursache der Bläschen sind unerwünschte Ausgasungen.
Foto: Sternberger

Vom Auftraggeber war ein Balkongeländer aus Baustahl bestellt worden, das zum Korrosionsschutz verzinkt und anschließend pulverbeschichtet wurde. Nach erfolgter Pulverbeschichtung des Geländers war die Oberfläche übersät mit kleinen Kratern und Blasen. Das Geländer konnte in diesem Zustand nicht montiert und dem Kunden nicht übergeben werden. Andererseits wies der Beschichtungsbetrieb die Verantwortung von sich. Keiner wollte die Verantwortung übernehmen.

Kompliziert wurde der Sachverhalt durch zusätzliche Umstände. Das zunächst feuerverzinkte Geländer wurde zwischenzeitlich in der Werkstatt des Metallbauers zum Pulverbeschichten vorbereitetet. Bis dahin war die Konstruktion frei von Pickeln und Erhebungen. Der nachfolgend beauftragte Beschichtungsbetrieb gab hingegen eigenmächtig und ohne Rücksprache das Balkongeländer an einen Mitbewerber weiter.

Dokumentieren Sie richtig


Zuerst wurde der beauftragte Beschichtungsbetrieb mit dem fehlerhaften Ergebnis konfrontiert. Dieser hatte jedoch wegen eingeschränkter Kapazitäten das Geländer an einen Mitbewerber untervergeben. Dieses Beschichtungsunternehmen versicherte seinerseits eine fachlich einwandfreie Durchführung der Pulverbeschichtung inklusive Sweepen und vorgeschaltetem Tempervorgang. Ursache für die beanstandungswürdigen Oberflächen wären nach dessen Ansicht die vorgelagerte Feuerverzinkung und ein fehlerhafter beziehungsweise für das Duplexverfahren ungeeigneter Grundwerkstoff.

Der zertifizierte Verzinkungsbetrieb konnte durch ausreichende Dokumentation die fachgerechte Feuerverzinkung nachweisen. Hingegen konnte der geschädigte Metallbauer in Bezug auf den Baustahl und die Werkstoffbestellung keine ausreichenden Nachweise vorlegen. Aus diesem Grund scheute der Metallbauer weitergehende Analyseverfahren und ein mögliches Prozessrisiko.

Das Duplexsystem mit Pulverbeschichtung erfordert, um ein ordentliches Oberflächenergebnis zu erzielen, einige richtig eingestellte Parameter. Vorzugsweise werden relevante Punkte mit dem entsprechenden Prozesspartner besprochen und vertraglich festgelegt. Um für etwaige Reklamationen gewappnet zu sein, braucht es eine
lückenlose Dokumentation.

Bestellen Sie das passende Material


Die Schadensvermeidung beginnt genaugenommen schon mit der Materialbestellung. Im Einkauf sollte auf einen ausgewogenen Silizium- und Phosphorgehalt des Stahlwerkstoffs geachtet werden (auch das Werkszeugnis mitbestellen). Das Ziel ist eine Zinklegierungsschicht, bei der später möglichst wenige Ausgasungserscheinungen auftreten können. Deshalb ist frühzeitig ein kompetenter Verzinkungs-/Beschichtungsbetrieb mit einzubeziehen.
Die Nachbehandlung der Verzinkungsoberfläche ist im Duplexsystem mit Pulverbeschichtung sehr diffizil und kann gleichsam bei falscher Bearbeitung zu den gefürchteten Ausgasungen führen. Die Oberflächenvorbereitung zum Beispiel durch Strahlen und Sweepen muss in kompetente Hände gelegt werden. Der renommierte Pulverbeschichter weiß um die Notwendigkeit des richtigen Tempervorganges um die letzten Ausgasungen vor dem Pulvern auszutreiben. Vereinzelte unvermeidliche Blasen sollten dann im Bereich der hinzunehmenden Unregelmäßigkeiten liegen und sind nicht immer restlos zu vermeiden. German Sternberger

Fazit: Stimmen Sie sich rechtzeitig ab
In diesem Fall aus dem Jahr 2019 war das Ende für den Metallbauer teuer. Keiner der Beteiligten war zu einer Konzession bereit. Der Metallbauer sah das Prozessrisiko mit ungewissem Ausgang des Verfahrens. Das Geländer wurde letztendlich zu seinen Kosten entschichtet und die anschließende Neubeschichtung komplett in die Hände einer Verzinkerei gelegt.

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Das Geländer ist übersät mit kleinen Kratern und Blasen.
Foto: Sternberger


Schadensvermeidung

Beachten Sie diese Tipps

  • Zum Verzinken nur geeigneten und auf Silizium- und Phosphorgehalt abgestimmten Baustahl mit Werkszeugnis zur Dokumentation bestellen.
  • Mit dem Verzinkungs-/Beschichtungsbetrieb die spätere Pulverbeschichtung abstimmen und die Konstruktion verzinkungsgerecht vorbereiten.
  • Lassen Sie Ihre Konstruktionen nur von erfahrenen Betrieben Verzinken und Pulverbeschichten, die die Problematik mit den Ausgasungen von feuerverzinkten Bauteilen kennen.
  • Für das Duplexsystem mit Pulverbeschichtung ist es sinnvoll die Verzinkung und Pulverbeschichtung in einer Hand zu lassen.

Folgende Normen sollten beachtet werden:
  • DIN EN ISO 1461 Durch Feuerverzinken auf Stahl aufgebrachte Zinküberzüge (Stückverzinken),
  • DIN EN ISO 12944-4 Beschichtungsstoffe; Korrosionsschutz von Stahlbauten durch Beschichtungssysteme; Teil 4: Arten von Oberflächen und Oberflächenvorbereitung,
  • DIN 55633 Beschichtungsstoffe; Korrosionsschutz von Stahlbauten durch Pulver-Beschichtungssysteme; Bewertung der Pulver-Beschichtungssysteme und Ausführung der Beschichtung.


Autor: German Sternberger aus Leimen ist öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Metallbauerhandwerk der Handwerkskammer Mannheim.

Schlagworte für die Online-Recherche im Archiv auf www.mt-metallhandwerk.de : Duplexsystem, Geländer, Korrosionsschutz, Oberflächenbehandlung, Pulverbeschichten.

Schadensfälle: Eine Reihe von Schadensfällen zum Thema Oberflächentechnik ist in den Bänden 1 bis 4 „Schäden im Metallbau“ aus dem Coleman-Verlag enthalten. Recherchieren können Sie auch auf der Schadens-Homepage www.schaeden-im-metallbau.de .

Fachregelwerk: Wichtige Informationen zum Thema finden Sie im Fachregelwerk Metallbauerhandwerk – Konstruktionstechnik in den Kapiteln 1.8.2.1.2.2.3 Duplex-System, 1.19.5.2.1 Visuelle Beurteilung von beschichteten Oberflächen, 2.38.11.5 Geländer – Qualität der Ausführung. Weitere Informationen zu den Büchern und zum Fachregelwerk erhalten Sie beim M&T-Kundenservice, E-Mail: coleman@vuservice.de oder von Mo-Fr von 7:30 bis 17 Uhr per Telefon unter 06123 9238 274.


Letzte Aktualisierung: 27.05.2020