Thema des Monats: Vorsicht bei Kappenträgern

Der Gutachter hatte mehrere Fälle zu klären, bei denen der Metallbauer an alten Kappenträgern eine Befestigungsmöglichkeit anschweißen wollte. Warum das nicht geht, erfahren Sie im Beitrag. Michael P. R. Rohnke

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Die Schweißnaht an dem Kappenträger zeigt, dass dieser Stahl kaum schweißbar ist.
Foto: M. Rohnke

Bei allen Fällen hatte der Metallbauer den Schweißprozess als Befestigungsmethode an den Kappenträgern genutzt. Das ist aber meistens auf Grund der Herstellung der Träger (aus den Jahren um 1900) nicht möglich, da diese keinen definierten Kohlenstoffanteil haben und so in der Regel nicht schweißbar sind. Der Kohlenstoffgehalt lag meist über 1,5 Prozent. Stahlprofile werden heute für eine gute Schweißbarkeit mit einem Kohlenstoffgehalt von unter 0,22 Prozent hergestellt.

Achten Sie auf die EXC

In einem der Fälle gab es anlässlich des Gutachtens an einer abgehängten Konstruktion (keine abgehängte Decke), die an Kappenträgern durch Schweißen befestigt werden sollte, einen Ortstermin. Laut der Fragestellung des Gerichtes sollte dort auch eine genaue Untersuchung der Vorgaben für die Konstruktion und der Schweißnähte erfolgen.
Bei der Konstruktion handelte es sich um eine leichte Stahlkonstruktion, die durch ihre Überkopfanordnung mit darunter liegendem Personendurchgang eine Statik erforderte und daher den Bedingungen der DIN EN 1090-1 und der DIN EN 1090-2 entsprechen musste. Die Herstellung und Montage hätte durch einen für die EXC2 zertifizierten Betrieb erfolgen müssen. Es zeigte sich eine Vielzahl von Mängeln in der Planung, der Herstellung und der Montage der Konstruktion.

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Die gemauerte Kappendecke hat eine gewölbte Form und die Wölbungsenden liegen auf dem Kappenträger aus Stahl auf.
Foto: M. Rohnke

Weisen Sie die Eignung nach

Hier ein unvollständiger Auszug aus der Mängelliste:

  • Der ausführende Betrieb hätte vor der Montage der Konstruktion zuerst eine gründliche Untersuchung der vorhandenen Kappenträger und eine Statik für die vorgesehene Tragekonstruktion beim Auftraggeber anfordern müssen.
  • Dem Schweißer hätte bei dem ersten Versuch einer Schweißung an den Kappenträgern auffallen müssen, dass an dieser Stelle keine fachgerechte Schweißung möglich war.
  • Der Auftragnehmer konnte keine gültige Qualifikation des eingesetzten Schweißers nachweisen.
  • Der Auftragnehmer hatte keine Zertifizierung in einer Ausführungsklasse (EXC) gemäß DIN EN 1090-1.
  • Eine qualifizierte Schweißaufsichtsperson und qualifizierte Schweißer für die Überkopfschweißungen (PE = Überkopfschweißen beziehungsweise Überkopfposition) für den Betrieb fehlten.

Lese-Tipp
Lernen Sie aus Schweißschäden
Weitere Schadensfälle aus diesem Bereich finden Sie auch in der beim Coleman-Verlag erschienenen Ausgabe in der Schadensfallbuchreihe „Schweißschäden“. In diesem Band werden einhundert Schadensfälle aus dem speziellen Metallbau-Bereich Schweißen vorgestellt. Mit dem Buch können Sie aus den Schweißschäden anderer lernen und folgenschwere, teure, unangenehme und rufschädigende Fehler vermeiden. Weitere Informationen finden Sie unter www.mt-metallhandwerk.de/schweiss-schaeden .

Lassen Sie sich zertifizieren

Die lange Mängelliste wies auf eine Vielzahl von Versäumnissen in der Auftragsplanung, der Ausführung und Überwachung der Schweißarbeiten hin. Als erstes hatte der Auftragnehmer versäumt, seinen Betrieb auf die seit 2012 geltenden Regeln der DIN EN 1090-1 und -2 einzurichten.

Da der Auftragnehmer den Auftraggeber nicht nach einer gültigen Statik gefragt hatte und er offensichtlich auch nicht mit den Eigenschaften einer Kappendecke vertraut war, beachtete er das Baujahr der Kappendeckenträger nicht. Der Sachverständige ermittelte für das Baujahr der Kappendecke das Jahr 1900 (Bauzeit des Gebäudes). Stahlträger aus dieser Zeit wurden nicht mit einem definierten Kohlenstoffgehalt hergestellt und sind daher in der Regel auch nicht schweißbar.

Der Schweißer hatte keine Prüfung nach DIN EN ISO 9606-1. Da keine Schweißaufsichtsperson vorhanden war, wurden die Schweißnähte in nicht fachgerecht hergestellt. Aus diesem Grund, war auch keine komplette Sichtprüfung der Nähte vorgenommen worden.

Schadensvermeidung
Arbeiten Sie normgerecht

  • Sorgfältige Überprüfung der eingehenden Aufträge.
  • Abwägen, ob der Auftrag nach den relevanten Normen und Regeln ausgeführt werden kann.
  • Das eigene Personal entsprechend den betrieblichen Anforderungen qualifizieren.
  • Fehlende Informationen, die nach VOB vom Auftraggeber mitzuliefern sind, abfordern.
  • Lassen Sie sich in unsicheren Fällen von Technischen Beratern Ihrer Innung, Ihres Landesverbandes oder des Bundesverbandes beraten.


Der Metallbauer muss sich vor Ausführung einer Leistung davon überzeugen, dass er mit seinem Betrieb in der Lage ist, einen bestimmten Auftrag auszuführen. Dazu gehört es, mehr als sieben Jahre nach Einführung der DIN EN 1090-01 zu wissen, welche Aufträge er bearbeiten darf und welche nicht. Jeder Schweißer sollte eine gültige Schulung absolvieren und die für seine Schweißarbeiten erforderliche Zertifizierung besitzen. Oftmals reicht dabei der Schutzgasprozess (Kennzahl 135) oder die E-Handschweißprozess (Kennzahl 111) in der Position PA (Wannenposition), wenn die Konstruktionsteile bei der Herstellung in die entsprechende Lage gedreht werden können.

Eine fachgerechte Vorbereitung der eingehenden Aufträge fängt schon mit der Überprüfung der vertraglich vereinbarten Parameter (Bauteilspezifikation) an.

  • Zuerst sind die Vorgaben des Vertrags in Bezug auf die statischen Anforderungen zu prüfen. Ist die Statik nicht vorhanden, muss der Metallbauer diese vom Auftraggeber anfordern.
  • Hat der Betrieb die erforderliche Qualifikation, um den Auftrag fach- und normgerecht auszuführen?
  • Welche Vorgaben hat der Auftraggeber in seinem Auftrag formuliert und kann der Metallbaubetrieb diese Vorgaben erfüllen?
  • Wenn die Stahlsorten, an denen befestigt werden soll, unbekannt sind, muss der Metallbaubetrieb Informationen über diese Materialien vom Auftraggeber anfordern.

Fazit: Wählen Sie eine andere Befestigung
Die durch den Sachverständigen festgestellten Schweißnahtunregelmäßigkeiten müssen so beseitigt werden, dass die Kappenträger nicht weiter geschädigt werden. Die auftragsgemäß zu liefernde abgehänge Konstruktion ist auf eine von einem Statiker zu bestimmende Art an den Kappendecken zu befestigen (dabei könnten zum Beispiel Klammern eingesetzt werden).

Autor: Metallbauermeister Michael P. R. Rohnke ist seit mehr als 25 Jahren öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger im Metallbauerhandwerk in Berlin.

Schadensfälle: Eine Reihe von Schadensfällen zum Thema ist in den Bänden 1 bis 4 „Schäden im Metallbau“ aus dem Coleman-Verlag enthalten. Recherchieren können Sie auch auf der Schadens-Homepage www.schaeden-im- metallbau.de .

Weitere Informationen zu den Büchern erhalten Sie beim M&T-Leserservice, E-Mail: coleman@vuservi ce.de oder von Mo-Fr von 7:30 bis 17 Uhr per Telefon unter 06123 9238 274.

Letzte Aktualisierung: 10.02.2020