Torband: Gebrochene Schweißnaht

(Mai 2018) Bei einem zweiflügligen kraftbetriebenen komplett gefüllten Hoftor waren die Schweißnähte der angeschweißten Bänder angebrochen. Die Windlasten waren durch den Metallbauer unterschätzt worden und es war keine statische Berechnung vorhanden.

Schweißnaht Torband
Abgeknickte Lasche und angebrochene Schweißnaht des verstellbaren Torbandes.

Bei eisigen Temperaturen im Januar wurde der Sachverständige zur Besichtigung einer Hoftoranlage bestellt, um einen Schaden zu begutachten. Das Hoftor war bis zum Schadensereignis etwa 2,5 Jahre alt und als zweiflügeliges Drehflügeltor hergestellt.

Schadensbeschreibung

Der Gehflügel und der Standflügel sind gleich groß ausgeführt und dabei jeweils 2,15 Meter lang und 1,80 Meter hoch. Die lichte Durchfahrtsbreite beträgt 4,37 Meter. Das Hoftor hat eine Trespafüllung (Dicke 13 Millimeter), der Füllungsgrad beträgt hundert Prozent. Für den Korrosionsschutz wurden alle tragenden Teile verzinkt und mit farbbeschichtet. Die Anlage ist mittels Torantrieb kraftbetrieben und durch Schlüsselschalter, Handsender und Taster steuerbar ausgestattet.
Die Torrahmen sind aus Rechteckrohren sechzig Millimeter mal vierzig Millimeter mal drei Millimeter mit auf der Innenseite angeschweißten Flachstählen zur Aufnahme der Trespaplatten.
Der angezeigte Schaden bestand in zwei abgeknickten und im Bereich der Schweißnähte zum Tragrohrrahmen des Gehflügels angebrochenen Bändern. Der Gehflügel war nicht mehr benutzbar und drohte abzureißen. Nach den Angaben des Eigentümers hat bei stürmischem Wetter eine kräftige Böe das Hoftor aufgedrückt und den Schaden verursacht.

Gesamtansicht der Hoftoranlage
Gesamtansicht der Hoftoranlage. Fotos: Sternberger

Als Dokumente zum Tor konnten nur die Montage- und Betriebsanleitungen des Drehtorantriebes und der Lichtschranken vorgelegt werden. Weitere Unterlagen, wie zum Beispiel eine statische Berechnung zum Drehflügeltor, insbesondere die Berücksichtigung der Windlasten waren nicht vorhanden.

Fehleranalyse und -bewertung

Zunächst ist durch das Eintreten des Schadens offensichtlich, dass das Drehflügeltor, bezogen auf seine Tragfähigkeit, nicht den Anforderungen des Widerstandes gegen die Windlasten entsprach. Deshalb stellte der Sachverständige fest, dass das Tor nicht dauerhaft gebrauchstauglich hergestellt wurde. Eine Bemessung der tragenden Profile war nicht gegeben.
Die verstellbaren Bänder des Tores wurden mit ihren gelochten Laschen im Rundungsbereich der Hohlprofile der Torrahmen angeschweißt. Die Schweißnähte wurden eben geschliffen. Hierin liegt die eigentliche Schadensursache. Durch das flächenbündige Einebnen der Schweißnähte betrug die effektive Schweißnahtdicke nur noch circa ein bis zwei Millimeter dick. Der Bruch der Schweißnaht bei Belastung war somit vorhersehbar.

Schadensvermeidung und -beseitigung

Schweißnaht im Detail
Detailansicht des unteren Torbandes.

Eine strukturierte Vorgehensweise ist für die Auftragsabwicklung unabdingbar. Nach der Festlegung auf eine Art der Torausführung kann das Flügelgewicht berechnet werden. Je nach Füllungsgrad des Hoftores muss dann auch die Windlast entsprechend berücksichtigt werden. Erst jetzt können unter der Berücksichtigung der Flügelgewichte und der Windlasten die Art der Befestigungspunkte geplant und bestimmt werden.
In diesem Fall hätten beispielsweise ein oder gar zwei Knotenbleche pro Torband mehr Stabilität gebracht. Auch statt eines stumpfen Anschweißens der Lasche wäre das überlappende Anschweißen eine Alternative gewesen. Qualitätsprodukte im Handel bieten ausreichende Varianten, bei denen auch schraubbare Produkte nach Absprache mit dem Kunden verwendet werden könnten. Diese leiten ebenfalls die an den Torflügeln wirkenden Kräfte sicher in die Pfosten oder den Baukörper.
Im Übrigen eignen sich die sicherlich aus Produktivitätsgründen immer seltener zu findenden Halseisen für den oberen Drehpunkt bei richtiger Verarbeitung sehr gut hinsichtlich der Haltbarkeit und der Krafteinleitung.

Das sollten Sie beachten

  • Bei großflächigen Toren mit einhundert Prozent Füllungsgrad müssen unbedingt die Windlasten mit berücksichtigt und berechnet werden.
  • Eine statische Berechnung ist unabdingbar.
  • Die Torbänder von schweren oder weit ausladenden Toren müssen sorgfältig geplant und fachgerecht montiert und/oder angeschweißt werden.
  • Benutzen Sie Qualitätsprodukte aus dem Handel und verarbeiten Sie diese nach den vorgegebenen Montageanleitungen.

Die Beachtung folgender Normen, Richtlinien, Verordnungen und Regeln sind die Voraussetzungen für die fachtechnisch einwandfreie Ausführung der Arbeit:

  • Fachregelwerk Metallbauerhandwerk – Konstruktionstechnik: Kap. 1.4.3.1.3 Windlasten; Kap. 1.7.2.5.2.2 Schweißen in kaltverformten Bereichen; Kap. 2.23.1 Drehflügeltore als Hofabschluss,
  • DIN EN 12444 Tore; Widerstand gegen Windlast; Prüfung und Berechnung,
  • DIN EN 13241 Tore; Produktnorm; Leistungseigenschaften,
  • Tore-Richtlinie des BVM, Dezember 2016.
Passend zum Thema haben wir für Sie die Windzonenkarte der Bundesrepublik, ein Tabelle mit den Windzonen und eine Übersicht über die Gebäudekategorien zusammengestellt. (Quelle: Fachregelwerk Metallbauerhandwerk – Konstruktionstechnik)
Zur Windzonenkarte (PDF)

German Sternberger, ö.b.u.v. Sachverständiger

Letzte Aktualisierung: 08.06.2018