Tore: „Wir übertragen jungen Leuten sehr früh Verantwortung“

Dr. Claus Schwenzer ist Vorsitzender des BVT Verband Tore und Geschäftsführer bei „Effertz Tore“. Wie er beide Aufgaben bewältigt und was sein Unternehmen ausmacht, erklärt er im Interview.

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„Als Ingenieur beschäftige ich mich besonders gerne mit Neuentwicklungen und Innovationen“, erläutert Dr. Claus Schwenzer im Gespräch mit M&T-Redakteurin Yvonne Schneider. Fotos: M&T

Wie gewinnen Sie Fachkräfte?

Das entwickelt sich immer mehr zum Top-Thema und kann ein echter Engpass werden, insbesondere auf den Baustellen und im Service. Wir bilden seit Jahrzehnten in vier Berufen aus und scheuen uns auch nicht, unkonventionelle Wege zu gehen. Vor wenigen Wochen hat unser erster Flüchtling, ein junger Mann aus Eritrea, seine Ausbildung zur Fachkraft für Metalltechnik erfolgreich abgeschlossen. Wir übertragen den jungen Leuten bereits sehr früh Verantwortung und lassen sie „machen“. Das spricht sich herum; unser Ruf als Arbeitgeber und Ausbilder ist sehr gut.

Wie ist aus Ihrer Sicht die Konjunktur in der Tür- und Torbranche?

Die Konjunktur läuft derzeit sehr gut und auch für die kommenden Monate sind wir optimistisch. Die Bäume werden jedoch nicht in den Himmel wachsen. Dazu sind die weltpolitischen Randbedingungen zu unsicher und die deutsche Politik bürdet der Wirtschaft eine Menge Lasten für die Zukunft auf. Außerdem begrenzt der zunehmend spürbare Fachkräftemangel, insbesondere im Bereich Montage und Service, das Wachstum.

Wie bekommen Sie Ihr Ehrenamt als Vorsitzender des Verbandes BVT und Ihr Unternehmertum unter einen Hut?

Ich halte es für eine der wichtigsten Aufgaben eines Unternehmers, dafür zu sorgen, dass die Firma auch bei seiner Abwesenheit gut funktioniert. Dafür braucht man gute Mitarbeiter, denen man Verantwortung und Entscheidungskompetenzen überträgt. Das machen wir bei Effertz seit Jahrzehnten so. Außerdem haben wir ein gutes Team in der BVT-Geschäftsstelle, das den Großteil der Arbeit macht. Schließlich habe ich noch eine verständnisvolle Ehefrau, die mir ausreichend Freiraum für mein Hobby „BVT“ gewährt. Das ist nicht selbstverständlich und dafür danke ich ihr sehr!

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„Wir müssen den nachfolgenden Generationen eine möglichst intakte Welt übergeben. Umweltschutz und Ressourcenschonung haben bei uns daher einen hohen Stellenwert“, sagt Dr. Claus Schwenzer.

Wo ist Ihr Unternehmen besonders innovativ?

Wir konzentrieren uns auf Feuer- und Rauchschutztore und -vorhänge für den europäischen Markt. Wir waren Anfang der 1970er Jahre der erste Hersteller mit einer bauaufsichtlichen Zulassung für Feuerschutzrolltore, hatten Mitte der 1990er Jahre als Erster ein bauaufsichtlich geprüftes Rauchschutztor und vor wenigen Jahren den ersten zugelassenen T30-Feuerschutzvorhang. Neben den Toren und Vorhängen entwickeln wir Feststellanlagen und haben wiederum als erster Hersteller auf der Messe BAU im Januar in München eine smarte Anbindung vorgestellt, sodass wir Zustände der Feststellanlage beispielsweise auf ein Smartphone ausgeben lassen können. Das ist insbesondere im Störfall eine Erleichterung, um schnell und gezielt reagieren zu können. Ein wenig stolz sind wir noch darauf, dass wir 1980 mit einem sehr großen Feuerschutzrolltor in der Schaubühne in Berlin in das Guinness Buch der Rekorde gekommen sind. Großtore sind auch eine Spezialität von uns.

Welche Aufgaben machen Sie in Ihrem Unternehmen besonders gern?

Als Ingenieur beschäftige ich mich besonders gerne mit Neuentwicklungen und Innovationen. Das können neue Produkte sein, aber auch neue Produktionsverfahren oder EDV-Anwendungen. Die Zukunft ist da vielversprechend – Industrie 4.0 lässt grüßen!

Sie bauen gerade eine neue Produktionshalle. Was versprechen Sie sich davon?

Das ist innerhalb weniger Jahre schon der zweite Hallenneubau. Wir werden am Ende etwa fünf Millionen Euro in die beiden Hallen und deren Ausstattung investiert haben. Diese beiden Hallen ermöglichen uns einen stark verbesserten Produktionsfluss und eine bessere Warenlogistik. Verpackungs- und Ladungssicherungsanforderungen steigen ständig und erfordern Platz. Außerdem können wir bei Verzögerungen auf den Baustellen besser fertige Tore zwischenlagern. Durch den internen Platzgewinn haben wir außerdem die Fläche und damit die Möglichkeiten unserer Entwicklungsabteilung verdoppelt.

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„Einen Schwerpunkt für die nächsten Jahre sehe ich im Bereich der Digitalisierung vieler unserer Prozesse“, meint Dr. Claus Schwenzer.

Wie nachhaltig ist Ihr Unternehmen?

Ich habe Kinder und sehr viele meiner Mitarbeiter haben ebenfalls Kinder, vereinzelt sogar auch schon Enkel. Wir müssen den nachfolgenden Generationen eine möglichst intakte Welt übergeben. Umweltschutz und Ressourcenschonung haben bei uns daher einen hohen Stellenwert. Beispielsweise haben wir schon weitgehend auf LED-Beleuchtung umgestellt, haben ein Blockheizkraftwerk, haben für unsere Fahrzeugflotte Vorgaben für CO2-Ausstoß und Kraftstoffverbrauch. Auch beim Bau unserer Hallen standen Nachhaltigkeitsaspekte stark im Vordergrund und haben beispielsweise die Auswahl von Werkstoffen bestimmt. Auch bei unseren Produkten fließen Nachhaltigkeitsüberlegungen ein, indem wir diese konsequent auf Langlebigkeit hin ausrichten. Das ist nicht immer gut für das Ersatzteilgeschäft, aber für die Umweltbilanz und die Gesamtkosten bei unseren Kunden.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft Ihres Betriebs?

Wir haben viele Ideen, aber leider nicht immer genügend Ressourcen, sie alle umzusetzen. Einen Schwerpunkt für die nächsten Jahre sehe ich im Bereich der Digitalisierung vieler unserer Prozesse. Warum sollten unsere Kunden sich ihr Tor, wenigstens für ein frühes Planungsstadium, nicht im Internet konfigurieren und in ihr Gebäudemodell laden? Warum sollten nicht Roboter bei uns angelieferte Waren entladen, prüfen und einlagern können und gleich die Lieferung einbuchen? Und warum sollten wir nicht Künstliche Intelligenz einsetzen, um Fragen von Kunden zu beantworten? Im Notdienst genügt sehr oft ein Tipp, wie der Kunde sich kurzzeitig helfen kann, sodass wir ihm erst am nächsten Arbeitstag einen Servicetechniker rausschicken müssen und er die teuren Nacht- oder Wochenendzuschläge spart. Der hilfreiche Tipp kann in wenigen Jahren wahrscheinlich auch von einem intelligenten Computer kommen. Wir müssten ihn aber zuvor mit unserem Know-how „füttern“.

Letzte Aktualisierung: 23.07.2019