Werkzeuge: Gut abgeschnitten

Im Rahmen ihres Tool Managements bei der Firma Johann Eberhard optimieren die Werkzeugspezialisten der TCM unter anderem auch das Abstechen der Werkstücke am Langdrehautomaten. Mit Hilfe neuer Stech-Wendeschneidplatten wurden die Standmengen um fünfzig Prozent gesteigert.

Geschäftsführer der Firma Johann Eberhard Christoph Riegler und Andreas Eberhard
Die beiden Geschäftsführer der Firma Johann Eberhard Christoph Riegler und Andreas Eberhard (v.l.n.r.). Fotos Ingersoll Werkzeuge

Die Firma Johann Eberhard in St. Josef in der Weststeiermark (Österreich) hat sich auf die Produktion von Bohr- und Fräswerkzeugen für Industrie, Handwerk und Gewerbe spezialisiert. Vorwiegend werden Bohr- und Fräswerkzeuge für Holz und sogenannte „weiche“ Werkstoffe wie Kunststoffe, Verbundwerkstoffe und NE-Metalle wie Aluminium von höchster Qualität und Präzision unter der Markenbezeichnung „FISCH-TOOLS“ hergestellt.
Gegründet im Jahre 1946 durch Johann Eberhard ist die Firma heute einer der führenden Hersteller von Bohr-, Senk- und Fräswerkzeugen für die erwähnten Materialien. Wobei der Hauptanteil der produzierten Werkzeuge (etwa achtzig Prozent) Verwendung in der Holzbearbeitung findet. Am Hauptsitz in St. Josef produziert das Unternehmen jährlich über zwei Millionen Werkzeuge für professionelle Anwender.
Die steirischen Qualitätswerkzeuge werden zu vierzig Prozent direkt weltweit unter der Marke „FISCH“ vertrieben. Die restlichen Werkzeuge gelangen als Eigenmarken über den Werkzeughandel zu den Endverbrauchern.
Als oberstes Unternehmensziel sieht man bei der Firma Johann Eberhard die Erfüllung der Kundenwünsche und die damit zusammenhängende Kundenzufriedenheit an.
Um dieses Ziel immer im Auge zu behalten, haben die beiden Geschäftsführer des Unternehmens (Christoph Riegler und Andreas Eberhard) Grundsätze für eine hohe Kundenorientierung, effiziente Mitarbeitermotivation, partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Lieferanten und kontinuierliche Produktoptimierung aufgestellt.

Sonderanfertigungen mit dem Kunden

Neben Standardprodukten aus dem Bohr- und Frässortiment werden auch Sonderfertigungen nach Muster, Zeichnungen oder in gemeinsamer Entwicklung mit dem Kunden gefertigt.
Der Exportanteil der Firma beläuft sich mittlerweile auf 78 Prozent, wobei alleine auf die USA ein Anteil von 21 Prozent fällt.
Ein aufsehenerregendes Produkt, das vor allem in den letzten Jahren bei der Presse besondere Beachtung gefunden hat, ist der neu entwickelte Alu-Speed Eisbohrer. Der nur 500 Gramm schwere Spezialbohrer aus Aluminium eignet sich hervorragend für den Einsatz im steilen Gelände und ist durch die auswechselbare Wendeschneidplattentechnologie effizienter und deutlich leichter als herkömmliche Stahlbohrer mit bis zu drei Kilogramm Gewicht. Verwendet wird der Bohrer beispielsweise im alpinen Skisport beim Ein- und Umsetzen der Kippstangen beim Slalomlauf.

Auch zur Befestigung der Stangen für die Sicherheits-Fangzäune wird er eingesetzt. Im Jahre 2016 erhielt man für dieses Produkt den „FAST FORWARD AWARD“ des Landes Steiermark, ein Innovationspreis für zukunftweisende Produkte. Darauf folgte im gleichen Jahr ein Ausstattungsvertrag mit dem ÖSV (Österreichischen Skiverband). Ein weiterer Ausstattungsvertrag folgte im Jahre 2017 mit dem US Ski Racing Team.

Tool Management steigert Wettbewerbsfähigkeit

Die Firma TCM Austria aus Stainz ist schon seit vielen Jahren Werkzeuglieferant der der Firma Johann Eberhard und hat seit 2014 auch das Tool Management für den weststeirischen Werkzeughersteller übernommen.
TCM ist ein international tätiger Total Solution Provider, der sich zur Aufgabe gemacht hat, die Wettbewerbsfähigkeit seiner Kunden innerhalb der Zerspanung zu steigern. Die Dienstleistungen, die man hierzu weltweit anbietet, sind vielseitig und reichen von Tool Management über projektbezogene Werkzeugauslegungen sowie Prozessoptimierungen bis zur Werkzeugverwaltung inklusive Ausgabesystem.
Aber auch die Schulung der Mitarbeiter ihrer Kunden im Zerspanungsbereich wird angeboten.
Die Betreuung des Tool Managements bei der Firma FISCH-Tools wurde von Sebastian Suitner übernommen (TCM Verkauf und Technik).
„Während meiner 15 Jahre im Außendienst habe ich am meisten von den Erfahrungen direkt beim Kunden vor Ort profitiert. Die Zerspanung und auch die Materialien entwickeln sich so rasant, dass es immer wieder neue span(n)ende Aufgaben gibt. Mein Bemühen ist es, durch zuverlässige, solide Betreuung das Vertrauen des Kunden zu sichern und mit ihm gemeinsam die Prozesse zu optimieren“, beschreibt Suitner das Ziel seiner Tätigkeit.
Auch die Zusammenarbeit zwischen TCM und der Firma Ingersoll Werkzeuge begann mit einem Tool Management Projekt und zwar bei einem internationalen Automobilhersteller. Heute hat TCM die Vertretung von Ingersoll Werkzeugen für ganz Österreich.
Das gemeinsame Auftreten der beiden Firmen hat das Ziel, die beste technische und wirtschaftliche Lösung für den jeweiligen gemeinsamen Kunden zu erarbeiten. Dabei haben beide Firmen die gleiche Philosophie; man strebt nicht danach, unbedingt das billigste Werkzeug an die Spindel zu bringen, sondern die Minimierung der Prozesskosten steht im Fokus der Bemühungen, denn diese Optimierung bringt dem Kunden den entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Prozesskostenoptimierung mit passenden Werkzeugen

Bei der Herstellung von Schaftwerkzeugen wird der Rohling häufig von der Stange auf einem Langdrehautomaten abgestochen. Auch für die meisten der bei der Firma Johann Eberhard hergestellten Werkzeuge ist das Abtrennen auf dem Automaten der erste Fertigungsschritt. Folglich ist dies eine zentrale Bearbeitung, der man von der Fertigungsleitung und natürlich auch vom zuständigen Tool Management Unternehmen entsprechende Aufmerksamkeit widmet. Diese Schlüsselbearbeitung eurde von TCM untersucht und der Fertigungsprozess mit Hilfe des Ingersoll T-Clamp Ultra-Plus-Stechsystems optimiert.
Zur Untersuchung wurden Abstechsysteme von namhaften Werkzeugherstellern herangezogen. Das Ingersoll Stechsystem konnte sich in allen Vergleichen behaupten. Mit der Abstechplatte TDC 2 in der Hartmetallqualität IN 9080 wurden die Standmengen bei gleichbleibenden Schnittdaten um fünfzig Prozent gesteigert.
Das Klemmhaltersystem T-Clamp-Ultra-Plus zeichnet sich auch durch seine vielfältigen Einsatzmöglichkeiten aus. Für fast alle Stechbearbeitungen wie Abstechen, Einstechen, Stechdrehen, Profildrehen, Axial-Einstiche, Hinterstiche und Innendrehen stehen Halter und Stechplatten zur Verfügung.
Ein weiterer Vorteil dieser Serie ist die äußerst stabile Plattenbefestigung durch eine formschlüssige Auflage und Klemmung. Die doppelseitige Einsetzbarkeit der Stechplatte macht das System zudem noch sehr wirtschaftlich.
Bei der Suche nach weiteren Schlüsselbearbeitungen, die sich zur Fertigungsanalyse durch den Toolmanager TCM anbieten, haben sich die Fertigungsleitung der Firma und die Zerspanungsspezialisten von TCM die Fertigung der sogenannten Forstner-Bohrer angesehen.
Forstner-Bohrer sind Bohrer für große Bohrungen, die nach ihrem Erfinder, dem US-Amerikaner Benjamin Forstner benannt wurden, der diesen Bohrer-Typ 1886 zum Patent anmeldete.

Anspruchsvolles Schlitzen des Bohrerkopfes

Forstner-Bohrer sind weiterhin eines der wichtigsten Produkte, die bei der Firma Johann Eberhard produziert werden. Es werden jährlich etwa 550.000 Stück dieses Bohrer-Typs hergestellt und zwar weltexklusiv in geschmiedeter Ausführung.
Bei der Herstellung der Forstner-Bohrer ist das Schlitzen des Bohrerkopfes eine der anspruchsvollsten Bearbeitungen. Durch den dünnen Steg und die wenig stabile Spannung stellt die vibrationsfreie Schlitzbearbeitung hohe Anforderungen an den Scheibenfräser.
Im Kreis der TCM und Ingersoll Zerspanungsspezialisten sah man die Gold-Slot-Scheibenfräser als besonders geeignet an für diese anspruchsvolle Aufgabe. Von Martin Treichler (TCM Manager Engineering Austria) wurden die Testbearbeitungen beim Schlitzen der Forstner-Bohrer im Hause Johann Eberhard durchgeführt und betreut. Aber auch Sebastian Suitner (Verkauf und Technik TCM) und Alexander Tammerl (Ingersoll Verkaufsleitung Gebiet Österreich) waren in die Testplanung einbezogen.
Nach einigen Versuchen und Optimierungen konnte die Eingriffszeit beim Schlitzfräsen von 59 Sekunden auf 24,5 Sekunden gesenkt werden, was einer enormen Reduzierung um 58 Prozent entspricht.
Besonders die weichschneidende Geometrie des Gold-Slot-Scheibenfräsers ermöglichte wesentlich höhere Vorschubwerte und trug daher zur enormen Produktivitätssteigerung beim Schlitzen der Forstner-Bohrer bei. Zusätzlich wurden mit diesem Scheibenfräser auch höhere Standzeiten erzielt.

Fazit: Gemeinsame Verbesserungen

Für die Firma Fisch-Tools-Johann Eberhard hat sich die Kooperation mit TCM als Tool Manager und Ingersoll als Werkzeuglieferant schon durch einige Prozessoptimierungen ausgezahlt – wobei der Optimierungsprozess in einer modernen Fertigung nie abgeschlossen ist. Durch neue Werkzeuge, Schneidstoffe und Verfahren ergeben sich immer wieder Ansätze für Verbesserungen, die man gemeinsam angehen will.



Letzte Aktualisierung: 30.05.2018