Metallgestaltung: „Wir machen die Arbeit lebenswert“

(August 2018) Andreas Hafen leitet einen Familienbetrieb mit dem Schwerpunkt Metallgestaltung. Lesen Sie, wie er sich dem Fachkräftemangel stellt und seinen Betrieb zukunftsfest macht.

Andreas-Hafen-und-Hr.-Dr.-Siehoff-

Welches sind Ihre Spezialitäten?
Wir entwerfen, planen und fertigen die Arbeiten, die es standardmäßig nicht gibt. Der Kundenwunsch ist uns sehr wichtig. Wir versuchen auf alle Vorgaben und Anforderungen zu reagieren, versuchen das Gesamtbild und das Konzept zu verstehen und zu unterstützen. Falls kein Konzept vorhanden ist, machen wir uns gerne auch dabei nützlich. Wir sprechen gerne von der Metallgestaltung – Schmieden ist eigentlich nur eine Technik, die uns ein freies Formendenken ermöglicht.

Wie gehen Sie bei Ihrer kreativen Arbeit vor?
Es gibt Projekte, bei denen die Kreativität ihrem Namen alle Ehre macht. Manchmal kommt man aber mit spontanen Ideen allein noch nicht richtig weiter. Wir wissen jedoch, wie wir gestalten können, haben die Gestaltungswege gelernt und erfahren. Und wir wissen diese einzusetzen. Meistens entstehen die Ideen mit dem Bleistift in der Hand, im Dialog mit Kunden, Mitarbeitern, Architekten. Im zweiten Gang werden die Ideen mit 3D-CAD visualisiert, teilweise mit Modellen ausgearbeitet.

Was ist Ihren Kunden besonders wichtig an Ihrer Arbeit? 
Beratung und Ausführungsqualität!

Andreas Hafen

Sehen Sie bestimmte Trends in der Gestaltung?
Im Augenblick erleben Messing und Bronze einen Hype. Morgen kann sich dies schnell ändern. Ornamente werden im Augenblick sehr bedacht eingesetzt. Oft wird über Strukturen und Oberflächen die Gestaltung unterstützt.

Wie ist die momentane konjunkturelle Situation?
Auch dies ist bei unserer Betriebsgröße schwierig zu sagen. Wir sind am einen Tag zu groß, am nächsten Tag wieder zu klein, um alle Wünsche zu erfüllen. Neun Mitarbeiter sind eine schlagkräftige Truppe, wollen aber auch beschäftigt werden. Die Hochgeschwindigkeit am Bau ist organisatorisch schwierig zu bewältigen. Leider ist da keine langfristige Planung möglich.

Wie akquirieren Sie Ihre Aufträge?
Im Augenblick sind wir sehr gut ausgelastet. Somit besteht keine große Notwendigkeit aktiv zu akquirieren. In ruhigeren Zeiten werden die privaten Netzwerke aktiviert – auch aktiv zum Telefon gegriffen. Presseberichte, wie im letzten Jahr über den Gewinn des deutschen Metallbaupreises, helfen natürlich sehr dabei, in den Köpfen zu bleiben. Einfache interessante Vorgänge oder Arbeiten werden bei uns aktiv bei Facebook oder Instagram gepostet. Bei Restaurierungen oder besonderen Arbeiten steht der Kontakt zur örtlichen Presse.

Das, was unser Beruf kann, kann die Industrie nicht bieten.

Andreas Hafen und John Siehoff


Welchen besonderen Herausforderungen müssen Sie sich gegenwärtig stellen?
Die hohe Geschwindigkeit unserer Liefergesellschaft – ich denke da an Amazon etc. – verträgt sich sehr schlecht mit handwerklicher, zeitintensiver Arbeit.

Wie begegnen Sie diesen Herausforderungen?
Gute Organisation, gute Planung, gute Absprachen – Kommunikation hilft meistens.

Inwieweit wird Ihre Arbeit von Änderungen bei Normung und technischen Regeln mitgeprägt?
Verantwortung ist ein großes Thema. Keiner möchte Verantwortung übernehmen. Wir versuchen, wo es leistbar ist, entsprechend konform zu arbeiten. In der Regel übernehmen wir aber klar Verantwortung und fertigen unsere Arbeiten sehr konsequent bis zum Schluss. Wenn es Probleme gibt – und die gibt es in der Sonderfertigung – nehmen wir diese an und versuchen sie zu lösen.

Wie machen Sie Ihren Betrieb zukunftsfest?
Wir bilden aus! Wir machen die Arbeit lebenswert. Das, was unser Beruf kann, kann die Industrie nicht bieten. Wir sehen, was wir mit unseren Händen und unseren Gedanken erschaffen haben. Jeden Tag!

S i nd Sie vom Fachkräftemangel betroffen?
Klar! Die Industrie kann höhere Löhne bezahlen als wir. Wir sind aber mit unserem Team sehr zufrieden. Wir haben eine gute Mischung zwischen Alt- und Junggesellen. Und im Augenblick haben wir zwei Auszubildende.

Wie gelingt es Ihnen, geeignete Lehrlinge und Mitarbeiter zu finden und zum Bleiben zu bewegen?
Wir wollen uns nicht vergrößern. Lehrlinge finden wir meist über Praktikanten die sich bei uns bewerben. Durch mehrfache Ausbildung von Bundes- und Landessiegern im Praktischen Leistungswettbewerb und der Guten Form bekommen wir immer wieder Anfragen aus dem Bundesgebiet.

Was würden Sie bei der Metallgestalter- Ausbildung ändern?
Wir haben in Baden Württemberg ein gut funktionierendes System mit unserer Landesfachklasse in Göppingen. Wir sollten also eher am Gesamtbild des Handwerks arbeiten um „handgemacht“ wieder lebenswert und lukrativ zu machen. Erst wenn ein Geselle oder Handwerksmeister auch respektvoll behandelt wird und ein Einkommen generieren kann, um gut zu leben, wird der Nachwuchs wieder diese Arbeit ausführen wollen. Solange wir allen suggerieren „Nur wer studiert, ist etwas“, wird sich nichts ändern.

Zur Person Andreas Hafen

Andreas-Hafen-Deutscher-Metallbaupreis-Gewinner-2017

Andreas Hafen ist verheiratet und hat zwei Kinder. Nach dem Realschulabschluss machte er 1999 eine Ausbildung im väterlichen Betrieb. Abschluss als 1. Bundessieger im Praktischen Leistungswettbewerb, Abschluss als 1. Bundessieger in der Guten Form. Es folgten ein Arbeitsaufenthalt bei der Kunstschmiede Wohlgemut in Südtirol und das Studium an der Werkakademie für Gestaltung in Kassel mit dem Abschluss „Staatlich geprüfter Gestalter im Handwerk“. Nach einem Arbeitsaufenthalt bei der Kunstschmiede LMC – New York schloss er die Meisterschule in Göppingen als Bestmeister ab. 2013 übernahm er den väterlichen Betrieb.
2017 erhielt er den Deutschen Metallbaupreis in der Kategorie „Metallgestaltung“ für ein Feldkreuz in Bad Schussenried.

Letzte Aktualisierung: 10.10.2018