Nachhaltigkeit: Mit dem Deutschen Umweltpreis 2025 wurde ein starkes Zeichen für nachhaltiges Wirtschaften in der Metallbranche gesetzt. Ausgezeichnet wurden Dr. Birgitt Bendiek, Geschäftsführerin von ZINQ Deutschland, und Lars Baumgürtel, geschäftsführender Gesellschafter der ZINQ-Gruppe, für ihr herausragendes Engagement für eine rohstoffschonende, zirkuläre Industrie. Im Gespräch mit M&T berichten die beiden Preisträger über die Bedeutung dieser Auszeichnung, ihre Vision für eine nachhaltige Metallwirtschaft – und welche konkreten Schritte nun folgen, um Metall als Werkstoff der Zukunft zu profilieren.

Zunächst noch einmal herzlichen Glückwunsch zum Deutschen Umweltpreis! Herr Baumgürtel und Frau Dr. Bendiek – wofür genau wurde Ihre Arbeit ausgezeichnet, und was macht Ihr Projekt aus Sicht der Jury so besonders?
Lars Baumgürtel: Vielen Dank. Wir wurden für unser zirkuläres Geschäftsmodell „Planet ZINQ“ ausgezeichnet. Damit zeigen wir, wie ein nachhaltiger Umgang mit Energie und Rohstoffen gelingt. Grundlage sind Produkte in zirkulärer Qualität: langlebig, kreislauffähig und materialgesund. Entscheidend ist dabei ein zirkuläres Produktdesign, das die Wiederverwendbarkeit von Beginn an sicherstellt. Die Jury hat den Vorbildcharakter für die Industrie hervorgehoben: Zinq ist das erste Unternehmen in der Oberflächentechnik, das ein Modell zur Erreichung einer klimaneutralen Kreislaufwirtschaft praktisch umgesetzt hat.
Dr. Birgitt Bendiek: Entscheidend ist auch der Modellcharakter. Der ganzheitliche, modulare Aufbau von „Planet ZINQ“ auf Basis eta-
blierter Standards ermöglicht eine Transformation auf mehreren Ebenen, ohne Organisationen und Mitarbeitende zu überfordern. Die Standards, die wir für unser Geschäftsmodell einsetzen, sind allgemein verfügbar und können daher auch von anderen Unternehmen in anderen Branchen eingesetzt werden.
Der Deutsche Umweltpreis gilt als eine der wichtigsten Umwelt-Auszeichnungen Europas. Was bedeutet diese Ehrung persönlich für Sie – und welche Signalwirkung hat sie für die gesamte Metallbranche?
Dr. Birgitt Bendiek: Für mich ist es vor allem eine Wertschätzung für die kontinuierliche Arbeit unseres Teams. Gleichzeitig verstehen wir den Preis als Auftrag, dranzubleiben, besser zu werden und unseren Weg weiter konsequent umzusetzen.
Lars Baumgürtel: Wir sehen die Auszeichnung auch als Verpflichtung, das Thema weiter in die Praxis und in die Metallbranche zu tragen. Nachhaltigkeit ist nicht nur ein Compliance-Thema, sondern ein strategisches Differenzierungsmerkmal – und verschafft der Metallbranche am Ende einen Wettbewerbsvorteil.
„Nachhaltigkeit entsteht durch konsequentes Umdenken.“
Lars Baumgürtel
Nachhaltigkeit und Metall – das klingt für viele zunächst widersprüchlich. Welche konkreten Innovationen oder Prozesse tragen dazu bei, Metallprodukte nachhaltiger zu machen?
Dr. Birgitt Bendiek: Innovation ist der Schlüssel. Mit „microZINQ“ haben wir beispielsweise eine Hochleistungsoberfläche entwickelt, die bis zu 80 Prozent Zink bei gleichbleibender Korrosionsschutzwirkung einspart. Zudem reduzieren wir mit unserem Produkt „ecoZINQ“ den CO2-Fußabdruck einer Stückverzinkung deutlich: durch konsequente Reduktion der Prozessemissionen sowie durch den Einsatz von CO₂-reduziertem Primärzink und hochwertigem Recyclingzink.
Lars Baumgürtel: Entscheidend ist die Denkweise. Nachhaltigkeit entsteht nicht durch etwas „weniger schlechte“ Produkte, sondern durch konsequentes Umdenken. Erforderlich ist ein Produktdesign, das Produkte so gestaltet, dass ihre Materialien am Ende des Lebenszyklus nicht verbrannt oder entsorgt werden müssen, sondern in den Kreislauf zurückgeführt werden können. Nur so werden Produkte zu einem dauerhaften Rohstoffspeicher, und genau hier können Metalle ihre Vorteile ausspielen – lange Produktlebensdauer und unbegrenzte Wiederverwertung.
Welche Rolle spielt dabei die Zusammenarbeit zwischen Industrie, Handwerk und Wissenschaft? Wo sehen Sie aktuell die größten Chancen – und vielleicht auch Hürden?
Dr. Birgitt Bendiek: Zusammenarbeit ist zentral, denn in Partnerschaften entstehen praxistaugliche Lösungen. Austausch ist dafür unerlässlich. Deshalb fördern und leben wir ihn in unserem „ZINQ Futurium“.
Lars Baumgürtel: Transformation gelingt nur gemeinsam. Daher arbeiten wir bereits heute in Partnerschaften entlang der gesamten Wertschöpfungskette, etwa mit Arcelor-Mittal, um gemeinsam nachhaltige Lösungen voranzubringen und die Potenziale von Metallen in der Transformation hervorzuheben. Für 2026 haben wir das Jahr der Kooperationen ausgerufen, um gemeinsam mit Partnern aus Industrie, Handwerk und Wissenschaft gezielt den Weg zu einer zirkulären Metallwirtschaft voranzutreiben.
Die öffentliche Wahrnehmung von Materialien verändert sich. Wie kann das Metallhandwerk stärker vermitteln, dass Metall langlebig, recycelbar und damit ein Schlüsselmaterial für eine grüne Zukunft ist?
Lars Baumgürtel: Durch mehr Information. Metall sollte als Rohstoffspeicher und Bestandteil einer echten Kreislaufwirtschaft sichtbar gezeigt werden. Transparenz über den ökologischen Nutzen, CO2-Einsparungen und Lebenszyklen hilft, diesen Nutzen zu vermitteln.
Der Preis ist sicher auch ein Ansporn für die Zukunft. Welche nächsten Schritte planen Sie, um die nachhaltige Profilierung des Werkstoffs Metall weiter voranzutreiben?
Dr. Birgitt Bendiek: Wir investieren das Preisgeld in Forschung, Materialstudien und innovative Verfahren, die uns im Rennen um Triple-Zero-Klimaneutralität weiterbringen. Wir wollen den ökologischen Nutzen unserer Oberflächen noch stärker quantifizieren und neue Lösungen entwickeln, die Kreislauffähigkeit und Leistungsfähigkeit unserer Oberflächen weiter verbessern.
Lars Baumgürtel: Wir möchten weitere Unternehmen dafür gewinnen, gemeinsam mit uns an zirkulären Metallprodukten zu arbeiten. „Planet ZINQ“ stellt dafür einen offenen Rahmen. Die Auszeichnung hilft uns, das Netzwerk weiter auszubauen und die Idee hinter „Planet ZINQ“ in die Breite zu tragen.
Was wünschen Sie sich von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, damit nachhaltige Metallverarbeitung nicht nur ein Ziel, sondern gelebte Praxis wird?
Lars Baumgürtel: Eine echte Kreislaufwirtschaft entsteht erst, wenn sich die Produkte auch am Markt behaupten können. Dafür braucht es Produktpässe wie unseren digital-zirkulären Produktpass (DCPP), mit dem der ökologische Nutzen eines Produktes gemessen wird. Produkte mit nachgewiesener zirkulärer Qualität schaffen einen klaren Wettbewerbsvorteil, weil sie externe Kosten vermeiden und Ressourcen sichern. Dies muss auch auf Märkten in der Preissetzung gespiegelt werden. Deswegen brauchen wir zirkuläre Leitmärkte, auf denen Produkte in zirkulärer Qualität durch Zertifikate entlastet werden. Wenn wir zirkuläre Geschäftsmodelle dauerhaft etablieren und damit unsere Rohstoffsouveränität absichern wollen, müssen wir eine auf zirkulärem Produktdesign begründete Kreislaufwirtschaft aufbauen, die kein Versprechen, sondern der Schlüssel zu einer zukunftsfähigen Industrie ist.
Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie die Trophäe in die Hand bekommen haben?
Dr. Birgitt Bendiek: Stolz und dankbar. Die Auszeichnung bestärkt uns darin, unseren Weg weiterzugehen.
Lars Baumgürtel: Es war ein besonderer Moment für unser gesamtes Team. Zugleich ein Signal an die metallverarbeitende Branche insgesamt: Die Transformation zu einer klimaneutralen Kreislaufwirtschaft ist möglich. Sie beginnt ab sofort bei jedem Produkt und jedem Unternehmen, das diese Chancen nutzen will.