Der Elektrowerkzeug-Hersteller Metabo will sein Produktprogramm für die Metallbearbeitung in den nächsten Jahren weiter ausbauen. Lesen Sie, wie Metabo den Metallhandwerker mit neuen Akku-Lösungen immer unabhängiger von der Steckdose machen will.
Was sind derzeit die wichtigsten Themen und Herausforderungen für Metabo?
Dr. Andreas Siemer: Wir konzentrieren uns seit einigen Jahren konsequent auf unsere Kernzielgruppen Metallhandwerk und -industrie sowie Bauhandwerk und Renovierung. Für diese Gewerke haben wir zahlreiche Systemlösungen auf den Markt gebracht, mit denen Profis ihren harten Job stressfrei und sicher erledigen können. Gerade für die Metallbearbeitung bieten wir heute eines der breitesten Programme am Markt – von Klassikern wie unseren leistungsstarken Gerad- oder Winkelschleifern bis hin zu innovativen Speziallösungen wie Kantenfräsen, Inox-Maschinen oder Flachkopf-Winkelschleifern. Dieses Programm wollen wir künftig noch weiter ausbauen, vor allem auch im Akku-Bereich.
Volker Siegle: Dabei hören wir den Profis in Handwerk und Industrie genau zu, kombinieren ihre Anforderungen mit unserem Know-how und Erfindergeist, und entwickeln so immer wieder Innovationen, die in der Praxis einen echten Mehrwert bieten – das ist die Herausforderung, der wir uns in Nürtingen täglich stellen.
Wie sehen Sie die gegenwärtige Marktsituation im Metallbau/Fassadenbau und welche Entwicklung sehen Sie in der nächsten Zeit?
Siemer: Aus Gesprächen mit zahlreichen Handwerksbetrieben wissen wir, dass die meisten Auftragsbücher gut gefüllt sind. Wir gehen davon aus, dass sich daran in der näheren Zukunft auch nichts ändern wird. Problematischer sieht es bei Betrieben aus, die schwerpunktmäßig im Anlagen- und Pipelinebau oder in der Instandsetzung von Fördereinrichtungen tätig sind. Die haben aufgrund der niedrigen Ölpreise derzeit teilweise Beschäftigungsprobleme.
Was sind Ihre Ziele für die nächsten fünf Jahre?
Siegle: Wir wollen unsere Technologieführerschaft im Akku-Bereich weiter ausbauen. Dabei verfolgen wir klar die Vision der kabellosen Baustelle und Werkstatt. Mit unserer „LiHD-Akku-Technologie“ und Innovationen, wie dem weltweit ersten akkubetriebenen Zweihand-Winkelschleifer, sind wir dieser Vision einen großen Schritt näher gekommen. In den kommenden Jahren wollen wir weitere Anwendungsgebiete für akkubetriebene Maschinen erschließen, bei denen das Arbeiten ohne Netzanschluss bisher undenkbar war.
Worauf legt Metabo bei der Produktentwicklung für Metallhandwerker besonderen Wert?
Siemer: Im Fokus unserer Entwicklungen stehen immer an erster Stelle der Anwender und seine Anforderungen. Metallhandwerker müssen sich im harten Arbeitsalltag auf ihr Werkzeug zu hundert Prozent verlassen können. Deshalb sind Robustheit, Leistungsfähigkeit, Langlebigkeit und Sicherheit sowohl bei Elektrowerkzeugen als auch beim Zubehör für uns selbstverständlich. Viele Metallhandwerker stehen zudem aber vor der Herausforderung, dass ihre Kundschaft immer mehr Wert auf höchste Qualität zu möglichst geringen Preisen legt. Um diese Anforderungen zu erfüllen, sind besonders produktive Werkzeuge gefragt, mit denen Handwerker schnell vorankommen und gleichzeitig perfekte Ergebnisse erzielen.
Siegle: Bei der Entwicklung solcher Lösungen kommt es darauf an, die Arbeitsumgebung und den Umgang mit den Elektrowerkzeugen sehr genau zu kennen. Immer abrasivere Schleifmittel wie keramische Scheiben führen beispielsweise dazu, dass Handwerker mit Winkelschleifern immer öfter dauerhaft hart an der Leistungsgrenze der Maschinen arbeiten. Deshalb haben wir unsere neue Winkelschleifer-Generation mit extrem überlastfähigen Metabo-Marathon-Motoren ausgestattet. Um die Motoren vor Metallstaub zu schützen, der mit der Kühlluft eingesaugt wird, verwenden wir zudem spezielle Vergussmassen und Staubschutzkörbe.
Was sind derzeit die Trends und Treiber der Entwicklung?
Siegle: Akku, Akku und nochmals Akku. Schon heute sind in Europa mehr als fünfzig Prozent der verkauften Elektrowerkzeuge akkubetrieben. Dieser Trend wird sich weiter fortsetzen.
Siemer: Interessante Themen sind aktuell auch die Bearbeitung von Metallkanten und die Schweißnahtvorbereitung. Heute werden Kanten meist mit einem Gerad- oder Winkelschleifer geschliffen. Wir sind überzeugt, dass sich als Alternative künftig der Einsatz von handgeführten Fräsmaschinen durchsetzen wird. Mit unseren verschiedenen Metall-Kantenfräsen haben wir dazu bereits Lösungen für zahlreiche Anwendungen erfolgreich auf den Markt gebracht. Das Arbeitsergebnis ist deutlich präziser, qualitativ hochwertiger und wird sehr viel schneller erreicht.
Welche neuen Produkte bieten Sie für den Metallbauer an?
Siemer: Unsere Kantenfräsen „KFM 9-3 RF“ und die Akku-Version „KFM 18 LTX 3 RF“ etwa sind die ideale Lösung, wenn es darum geht, scharfe Kanten zu brechen, Sichtkanten anzufertigen oder Metallteile für die Beschichtung vorzubereiten. Beide Maschinen fräsen 45-Grad-Winkel mit bis zu vier Millimetern Fasenhöhe und Radien mit Durchmessern von zwei und drei Millimetern. Für eine schnelle, sichere und günstige Schweißnahtvorbereitung haben wir zudem drei neue, besonders leistungsstarke Kantenfräsen im Programm: Die „KFM 16-15 F“ fräst bei einem Winkel von 45 Grad Fasen mit bis zu 15 Millimetern Höhe. Nach wie vor einzigartig am Markt sind unsere Flachkopf-Winkelschleifer, mit denen Metallhandwerker auch enge Stellen und Winkel bis 39 Grad effizient und sicher bearbeiten können.
Siegle: Mit dem weltweit ersten Akku-Gewindebohrer mit zusätzlicher Bohr- und Schraubfunktion haben wir unser Akku-Programm aktuell um ein echtes Multitalent ergänzt. Metallhandwerker können mit dem „GB 18 LTX BL Q I“ mit nur einer Maschine bohren, schrauben und Gewinde schneiden. Unser neuer Akku-Kompakt-Winkelschleifer „WB 18 LTX BL 125 Quick“ mit bürstenlosem Motor arbeitet mit der LiHD-Akku-Technologie auf dem Leistungsniveau einer 1.000-Watt-Netzmaschine, sodass Profis damit erstmals auch im harten Dauereinsatz ohne Leistungseinbußen kabellos arbeiten können. Noch in diesem Jahr bringen wir zudem den weltweit ersten akkubetriebenen großen Winkelschleifer mit 230 Millimeter Scheibendurchmesser und der Leistungsdichte eines 2.400-Watt-Netzwinkelschleifers auf den Markt
Wird die Entwicklung eher zu Spezial- oder Universalmaschinen gehen?
Siemer: Viele Universalmaschinen können alles recht gut, aber nichts perfekt. Deshalb entwickeln wir bei Metabo neben den zahlreichen Klassikern unter den Elektrowerkzeugen schwerpunktmäßig Spezialmaschinen, die punktgenau auf die Anforderungen von Metallhandwerkern zugeschnitten sind.
Siegle: Wo es technisch ohne Kompromisse machbar ist, vereinen wir mehrere Funktionen in einer Maschine, um produktiveres Arbeiten zu ermöglichen. Zum Beispiel bei unserem neuen Akku-Gewindebohrer, der gleichzeitig ein vollwertiger, leistungsstarker Akku-Bohrschrauber ist.
Welche Trends sehen Sie in der Akkutechnologie?
Siegle: Die Entwicklung der Akku-Technologie hat in den vergangenen Jahren rasant an Fahrt aufgenommen. Die Lithium-Ionen-Technologie ist derzeit das Maß der Dinge. Auch unsere neue „LiHD-Technologie“ basiert chemisch auf Lithium-Ionen. Sie bietet jedoch durch komplett neue, extrem hochstromfähige Zelltypen und die von uns passend dazu entwickelten Akkupacks im Vergleich zu bisherigen Lithium-Ionen-Akkus ein deutliches Plus an Leistung, Laufzeit und Lebensdauer. Immer mehr Leistung und immer längere Laufzeiten pro Akkuladung in Verbindung mit möglichst kompakten Akkupacks sowie die Erschließung neuer Anwendungsfelder für kabellose Maschinen werden auch weiterhin die Entwicklung antreiben.
Siemer: Darüber hinaus wird das Thema Kompatibilität immer wichtiger. Weil die Schnittstellen der unterschiedlichen Hersteller nicht miteinander kompatibel sind, ist die Entscheidung für ein Akku-Werkzeug immer auch eine Systementscheidung. Früher oder später sollte sich ein Handwerker für einen Hersteller entscheiden, wenn er nicht ständig unterschiedliche Akkupacks und Ladegeräte dabei haben will. Bei Metabo sind deshalb alle Lithium-Ionen- und LiHD-Akkus hundertprozentig kompatibel zu allen Akku-Werkzeugen und Ladegeräten derselben Voltklasse. Mit dieser Kompatibilität, unserem breiten Programm und unseren vielen Speziallösungen für die kabellose Metallbearbeitung investieren Profis in eine zukunftssichere Schnittstelle. Allein im 18-Volt-Bereich bieten wir vom Bohrschrauber über Kompakt- und Flachkopf-Winkelschleifer bis zur Metall-Kantenfräse aktuell rund 70 Akku-Maschinen an, und es werden immer mehr.
Kann die Akkutechnologie die kabelgebundenen Geräte in Zukunft komplett ersetzen?
Siemer: Irgendwann wird jedes Elektrowerkzeug, bei dem das technisch möglich ist, akkubetrieben sein. Mit der LiHD-Technologie sind wir unserer Vision der kabellosen Baustelle und Werkstatt einen großen Schritt näher gekommen. Doch es gibt aktuell noch eine ganze Reihe von Anwendungsgebieten, die aufgrund ihrer hohen Leistungsanforderungen und eines sehr hohen Stromverbrauches einen Anschluss an das Stromnetz brauchen. Trotz des hohen Stellenwerts der Akku-Technologie vernachlässigen wir diesen Bereich natürlich nicht, sondern entwickeln auch kabelgebundene Elektrowerkzeuge kontinuierlich weiter.
Welche Vorteile bieten die bürstenlosen Motoren und wie ist dort die weitere Entwicklung?
Siegle: Bei bürstenlosen Motoren wird die Energie nicht mechanisch über Kohlebürsten übertragen, stattdessen wird das magnetische Drehfeld elektronisch erzeugt. Mit den Kohlebürsten fällt zum einen der Hauptverschleißfaktor weg. Zum anderen kann der magnetbestückte Rotor durch die spezielle Konstruktion gekapselt und so wirksam vor Beschädigungen durch Partikel geschützt werden. Das steigert die Lebensdauer und die Zuverlässigkeit der Motoren enorm. Gleichzeitig wird die Hitzeentwicklung reduziert und es sind höhere Wirkungsgrade und Spitzenleistungen möglich. Außerdem sind bürstenlose Motoren bei gleicher Leistung kompakter und leichter – das wirkt sich auch positiv auf die Baugröße der Elektrowerkzeuge aus. Unser neuer Akku-Bohrschrauber „BS 18 LTX BL Q I“ bietet beispielsweise das beste Verhältnis von Baugröße zu Kraft am Markt. Möglich macht das unsere völlig neu entwickelte Generation bürstenloser Motoren mit speziellem Wicklungsaufbau, enormer Leistungsdichte und hohem Wirkungsgrad. Weil bürstenlose Motoren aktuell noch teurer sind, wird es für Anwendungen, bei denen sie keine relevanten Vorteile bieten, als kostengünstigere Alternative auch weiterhin Maschinen mit bürstenbehafteten Motoren geben.
Worauf sollte der Metallhandwerker beim Einsatz seiner Geräte besonders achten?
Siemer: Sicherheit und Gesundheit des Anwenders sollten immer an erster Stelle stehen. Deshalb legen wir bei der Entwicklung von Elektrowerkzeugen und Zubehör seit jeher größten Wert auf den Anwenderschutz. So lassen sich etwa gesundheitsschädliche Hand-Arm-Vibrationen mit unserem Autobalancer und dem „Metabo Vibra Tech (MVT)-Handgriff“ auf ein Minimum reduzieren. Zudem bieten wir bereits in der Leistungsklasse ab 900 Watt serienmäßig Winkelschleifer mit „S-automatic Sicherheitskupplung“ an, die Rückschläge beim Blockieren der Scheibe auf das am Markt niedrigste Niveau reduziert. Ein elektronischer Wiederanlaufschutz verhindert, dass die Maschine nach einer Unterbrechung der Stromzufuhr ungewollt startet. Unsere Modelle mit einer Kombination aus Paddle-Schalter und patentierter mechanischer Scheibenbremse bieten das schnellste Bremssystem am Markt, das die Scheibe beim Ausschalten in nur zwei Sekunden stoppt.
Können Sie unseren Lesern einige Tipps für den Werkzeugkauf geben?
Siemer: Handwerker sollten bereits beim Kauf von Elektrowerkzeugen auf die oben erwähnten Schutzfunktionen achten und sich beispielsweise über den Vibrationswert informieren. Auch beim Kauf von Trenn- und Schruppscheiben ist es wichtig, auf Qualitätszubehör zu setzen. Denn nur mit einem stimmigen Gesamtpaket wird der Werkzeugkauf im wahrsten Sinne des Wortes zu einer sicheren Investition.
Siegle: Beim Kauf von Akkuwerkzeugen ist es wichtig, die Kompatibilität im Auge zu behalten. Wer nicht ständig unterschiedliche Ladegeräte und Akkupacks im Einsatz haben möchte, sollte sich für ein zukunftssicheres System eines Herstellers entscheiden. Mit unserer kompatiblen „Ultra-M-Technologie“ und unserem „Pick+Mix System“ bieten wir dem Handwerker die Möglichkeit, beim Kauf verschiedene Werkzeuge, Akkupacks, Ladegeräte und Transportmöglichkeiten individuell zu kombinieren.
Welche Rolle spielt der Metallbauer in Ihren Plänen für die Zukunft?
Siemer: Der Metallbauer gehört für uns zu den wichtigsten Kernzielgruppen. Dass Metall und Metabo sich die ersten vier Buchstaben teilen, ist kein Zufall. Wir entwickeln und produzieren an unserem Stammsitz in Nürtingen seit mehr als neunzig Jahren Werkzeuge für die Metallbearbeitung und werden das auch künftig mit viel Leidenschaft tun. Wir setzen alles daran, Metallbauern heute und in Zukunft perfekt auf ihre Anforderungen abgestimmte Systemlösungen aus Elektrowerkzeug, Zubehör und Service zu bieten, die ihnen helfen, ihren Job noch besser, produktiver und sicherer zu erledigen.
